Freitag, 8. Juli 2011

Rückkehr der Galerie des Grauens Nummer 1 - "The Monolith Monsters" (Das Geheimnis des steinernen Monsters - 1957)

Monsterfilmfreunde aus ganz Deutschland warteten sehnsüchtig auf diesen Tag: der erste Titel der Reihe "Rückkehr der Galerie des Grauens" ist da und mit dem Einstand der neuen Box hat sich Anolis definitiv nicht lumpen lassen.
Im Vorfeld gab es kontroverse Diskussionen, die Box war bei den bekannten Shops binnen kürzester Zeit ausverkauft, aber das soll heute nicht Gegenstand der Debatte sein. Heute konzentrieren wir uns ganz darauf, mal wieder in einer Wüste zu sein und einer kosmischen Bedrohung gegenüber zu stehen.
Nach längerer Wartezeit stand der freundliche Hermesmann dann doch noch vor der Tür und überreichte die kostbare Fracht. Ich nahm sie ehrfürchtig in meine Obhut, löste sanft das Zellophan und musterte das gute Stück. 
Danach ging die Scheibe direkt in den Player und es begrüßte mich ein neuer Trailer der Box. Spätestens bei dem Pappsternmonster konnte ich mit meinen Freudentränen nicht mehr hinterm Berg halten und machte es mir samt Burger und Bierchern gemütlich, mit dieser kleinen Perle.
Zum Film: Man könnte meinen, dass ich mittlerweile einen Wüstenkoller hätte, da ich in letzter Zeit überraschend viele Filme geschaut habe, die von übernatürlichen Geschehnissen in Wüstenkäffern erzählen. Aber dieses Setting ist einfach so herrlich nostalgisch und ikonisch für den Monster-SciFi-Film der 50er, dass ich davon einfach nicht genug bekommen kann.
Dieses Mal haben wir es nicht mit fliegenden Untertassen oder mutierten Insekten zu tun. Richtig innovativ bedroht die Kleinstadt in Nevada ein völlig unbeschriebenes Blatt: GESTEIN! Ja, schwarze Kristalle aus dem Weltall greifen die Menschheit an. Eigentlich ganz harmlos und hübsch anzusehen, funkeln und glitzern sie in der Hitze der Sonne. Allerdings gibt es ein Problem, wenn man sie nach Mitternacht füttert oder Wasser auf sie kippt, dann....nein halt stopp, das war ein anderer Film. Aber wenn Wasser auf sie fällt, dann wachsen sie und machen einfach mal alles platt. Wer hinter den monumentalen Gesteinsmassiven lovecraftsche Anleihen zum Cthulhumythos vermutet, der wird leider enttäuscht werden. Das Zeug ist tatsächlich ganz anorganisch und birgt keine schlummernden Großen Alten in sich. Eigentlich schade, denn ich warte immer noch auf den Tag, an dem eine Cthulhugeschichte in befriedigender Qualität filmisch umgesetzt wird.
"The Monolith Monsters" (1957) beginnt relativ entspannt und beleuchtet langsam das Leben in dem verschlafenen Städtchen. In der Anfangssequenz sehen wir einen Feuerball auf der Erde einschlagen. Tatsächlich ist die Szene aus dem erst vor wenigen Tagen hier besprochenen Film "It Came From Outer Space" (1953) geliehen. Die Lehrerin Cathy Barrett (Lola Albright) macht einen Ausflug mit ihrer Klasse, auf dem die kleine Ginny einen seltsamen Stein findet.
Dann verwandeln sich auch noch Menschen in Gestein und der Geologe Dave Miller (gespielt von Grant Williams, wir kennen ihn aus "The Incredible Shrinking Man" (1957)) hat alle Hände voll zu tun, um gegen die kosmische Bedrohung ein probates Mittel zu entwickeln.
Endlich mal wieder die Wissenschaft, die den Kampf gegen das Unbekannte aufnimmt, und mit klugen Überlegungen, statt Waffengewalt (wie in "Formicula" (1953)) über das Böse triumphiert. Allerdings gibt es eine eklatante Ähnlichkeit der beiden Streifen. Ein völlig verstörtes Mädel, das in der Wüste gefunden wird. Das hat sich nämlich der gute Jack Arnold ausgedacht. Hier zeigte er sich für das Drehbuch zuständig, was zur Folge hat, dass der Film narrativ wirklich anspruchsvoll ist und auch nicht minder großartig von John Sherwood inszeniert wurde. 
Das liegt allerdings auch daran, dass man mit Universal ein dickes Studio im Rücken hatte, das eine derart opulente Ausstattung und detailierte Drehsets erst ermöglichte. Auch aus heutiger Sicht wirkt das Gezeigte nicht billig oder trashig, sondern weiß durchaus zu gefallen. Selbst die im späteren Verlauf in schwindelerregende Höhe entwachsenden Monolithen sehen, als sie sich die Stadt einverleiben, glaubwürdig und spektakulär aus. Der Soundtrack ist zudem extrem stimmungsvoll und sorgt für das notwendige schmückende Beiwerk. "The Monolith Monsters" ist wirklich toll, er macht unglaublich viel Spaß und ist außerdem noch spannend. Ein wirklich herausragender Streifen aus den 50ern!
Zur Ausstattung: Die Box ist stabil und der der ersten Reihe sehr ähnlich. Statt Bordeauxrot haben nun ein kränkliches Giftgrün und ein paar Bilder aus den verschiedenen Teilen der Box Einzug in das Design gehalten. Hier setzt auch ein Kritikpunkt an. So liebevoll die technische Ausstattung doch ist, wie sich im Folgenden noch zeigen wird, so sehr hängt die optische Gestaltung diesem Ideal doch hinterher. 
Die Bilder sind relativ simpel und wahllos draufgeklatscht. Hier hätte ich mir eine Steigerung zur alten Box gewünscht, die eine wesentlich stimmigere Bildkomposition aufbot. Auch das Cover des steinernen Monsters wirkt ausgeblichen und wenig farbenfroh. Natürlich ist es zweckmäßig, aber im vergangenen Jahr haben verschiedene Veröffentlichungen aus dem Sektor die Messlatte doch deutlich in die Höhe geschraubt und man ist daher eine andere Qualität gewohnt.
Bei der technischen Ausstattung wird dann allerdings wieder ein hohes Niveau erreicht. Eine Einleitung von dem Regisseur (u.a."Critters 2" - 1988) Mick Garris und der Audiokommentar mit ihm und Ivo sind wirklich stimmig und extrem informativ. 
Garris spricht darin zum Beispiel über sein Verhältnis zum guten Jack Arnold, aber auch über die kulturelle Bedeutung dieser alten Flicks. Dieser englische Audiokommentar wurde sogar deutsch untertitelt! Außerdem ist noch ein zweiter AK enthalten: Ein neues und ein altes Gesicht sind mit dabei. Ingo Strecker und Jörg Jedner geben sich ein Stelldichein und liefern, wie gewohnt, einen hochwertigen Audiokommentar ab, der mit witzigen Einschüben und jeder Menge Hintergrundwissen gefüllt ist. Die beiden ergänzen sich wunderbar und glänzen mit filmhistorischer Expertise. Der ohnehin schon großartige Film wird dadurch noch einmal aufgewertet.
Des Weiteren finden sich der US-amerikanische sowie der deutsche Trailer auf der Scheibe und ein pickepacke volles Paket mit weiterem Material. Dazu gehören Werberatschläge aus alten Zeitungen sowie eine Filmografie von Jack Arnold. Und die hat ihren Namen redlich verdient, denn hier werden auf 49 Texttafeln viele Informationen über die Karriere und Bilder seiner Filme präsentiert. Auf der Scheibe ist wirklich eine wahre Goldgrube an Zusatzinhalten. Wem die Leserei am Bildschirm zu anstrengend ist, der kann sich weitere essentielle Gedanken über den Streifen aus dem beiliegenden Booklet ziehen. In eloquenter Weise präsentiert Herr Strecker Hintergrundwissen zum Film, das von zeitgenössischen Aushangfotos flankiert wird.
Ein absolutes Highlight ist wohl die erneuerte US-Widescreenfassung. Sie bietet dem Zuschauer die Möglichkeit, den Film neben dem 4:3 Format auch auf Kinoleinwandgröße zu genießen. Das Bild ist dabei wirklich außerordentlich gut, scharf und weist so gut wie keine Verschmutzungen auf. 
Aus dieser erneuerten Fassung wurde wirklich einiges rausgeholt und ich muss ganz klar sagen, dass ich den Film in diesem Format bevorzuge. Außerdem wirkt die 4:3 Fassung etwas dunkler, hat dafür aber vereinzelt ein paar charmante Flecken. 
Wie man sich schlussendlich entscheidet, das bleibt jedem selbst überlassen, die Bildqualität ist jedenfalls bei beiden für das Alter wirklich sehr gut! Abschließend kann man sagen, dass die Ausstattung state of the art ist und nur die durchschnittliche graphische Gestaltung negativ auffällt. Aber das ist auch Meckern auf hohem Niveau.
Insgesamt ist "The Monolith Monsters" ein absolut würdiger Start in die neue Reihe, der sehr viel Lust auf mehr macht und auch in puncto Ausstattung wieder eine Schippe drauf legt.
Für uns Filmfreunde sicherlich ein Luxus, dass es noch Labels gibt, die sich die Mühe machen und sich für diese umfangreiche Aufmachung den Arsch aufreißen.
Sollten die restlichen, in großen Mengen noch erhältlichen Boxen demnächst auch auftauchen, sichert euch euer Exemplar, denn diese Veröffentlichung ist jeden Cent wert! Mit den Tonnen an Bonusmaterial hat man viele Stunden Sehvergnügen vor sich und eine wirklich exklusive Veröffentlichung im Schrank. So kann es gern mit "Earth vs. The Spider" (1958) im August gerne weitergehen!

Kommentare:

  1. Eine richtig runde Sache hat Anolis da mal wieder abgeliefert ! Vom Kommentar hab' ich zwar bisher leider nur den Anfang gehört, aber mit dem Ingo, das macht schon auch Spaß ! Bei englischen Kommentaren muß ich leider passen, aber wenn möglich guck ich evtl auch mit UT. Auch das Booklet = klasse ! Genauso muß das sein ! :-)

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  2. Aber von der Veröffentlichung bist du schon hingerissener, als vom Film, oder? Über den schreibst du ja im Verhältnis recht wenig. Nunja, ich finde, daß man den auch nicht so ernst nehmen kann, wie er präsentiert wird.

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  3. Howdy Affe!
    Naja, ich finde, dass der Film wirklich spannend ist und will daher nicht zu viel verraten. Vor allem deshalb, weil viele Leute noch auf ihre Box warten. Daher bin ich mehr auf die spoilerfreie Ausstattung eingegangen. Etwas, dass ich mir ja schon vor einiger Zeit vorgenommen hatte, jedenfalls wenn es um aktuelle Veröffentlichungen geht.

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  4. Hallo.
    Ich bin von Film ein kleines bißchen enttäuscht. Nachdem die erste Box mit dem Monteville einen, meiner meinung nach, richtigen Knaller zu bieten hatte, ist diesmal eher Hausmannskost am Anfang vorhanden. Zu wenig Monolithen Aktion und eine zu sterile technische Vorgehensweise nehmen dem Film das Tempo raus.
    Die Vö und das Drumherum ist natürlich erste Sahne!! Das Higlight für mich perdönlich war der Ak mit Garris! Da freue ich mich auf seine weiteren Beiträge.

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  5. Schön geschriebener Artikel. Man merkt an jeder Stelle, in jedem Satz des Blogposts die Begeisterung zum Film und der glorreichen Sci-Fi-Filme der 50er Jahre.

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  6. Hallo Eric!
    Vielen Dank für die Blumen! :) Ja, diese kleinen Biester sind mir mittlerweile doch sehr ans Herz gewachsen und ich freue mich natürlich, wenn meine Begeisterung überspringt!

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