Donnerstag, 11. August 2011

Rise Of The Planet Of The Apes (Planet der Affen: Prevolution - 2011)


Science Fiction auf Großleinwand, in meinem Lieblingskino und dann auch noch mit Affen. Ich war ja sowas von dabei!
Meine Erwartungen waren trotzdem gleich null, da ich die Filmserie nicht kenne und auch den Trailer ausgelassen hatte. Bei solchen Vorzeichen meint es der Kinogott ja häufig gut und überrascht mit sensationellen Streifen.
Ob mir "Rise Of The Planet Of The Apes" (2011) gefallen hat? Denkt eigentlich wirklich jemand, der meine Besprechungen liest, dass ich Filme scheiße finde? 
Selbstverständlich rappelte ich mich überglücklich aus dem komfortablen Kinosessel und erfreute mich einmal mehr, einen großartigen Streifen gesehen zu haben. Wäre dies nicht der Fall gewesen, würde dieser Text hier schließlich gar nicht stehen.
Okay, fangen wir mit der Geschichte an. 
Der Wissenschaftler Will Rodman forscht an einer Substanz, die Menschen helfen soll, sich erfolgreich gegen Morbus Alzheimer zu wehren und wieder ein eigenständiges Leben führen zu können. Die Motivation hierfür liegt in seinem eigenen Familienschicksal begründet. Sein Vater Charles ist der neurodegenerativen Krankheit anheimgefallen, sodass Will seine Arbeit noch viel entschlossener verfolgt. Der entwickelte Virus scheint vielversprechend und wird an Menschenaffen getestet. Nachdem ein Versuchstier überdurchschnittliche Intelligenzwerte erzielt, wird eine Aktionärsversammlung einberufen, um mit dem Mittel das ganz große Geld zu machen. Dummerweise ist der superintelligente Affe, oder sollte ich sagen Affin, ziemlich aggro und zerlegt den Laden im Handumdrehen. Kurzerhand wird das Projekt eingestampft und die Affen eingeschläfert. Bis auf ein Exemplar, das in der Box des Amokaffen gefunden wurden. Ein kleines Baby, das die Mutti verteidigen wollte und deshalb so ausgetickt ist. Weil Will ein guter Junge ist, nimmt er das Affenbaby an sich, zieht es auf und entdeckt dabei, dass die Intelligenz weitervererbt wurde und dass der kleine, auf den Namen Caesar getaufte Bursche schon nach kurzer Zeit die Zeichensprache beherrscht. 
Im Zusammenleben mit Caesar stellen sich einige Unwegbarkeiten ein, sodass es bald ziemlich abgeht.
Die Konstellation der Charaktere ist sehr gut durchkomponiert. Der Vater, der von John Lithgow hervorragend verkörpert wird, blüht im Zusammensein mit dem Affen auf. Aber auch die schöne Caroline, die alsbald in Wills Leben tritt, bereichert das Figurenensemble. Ein Film, der einen nichtexistenten Hauptcharakter hat, steht und fällt mit dessen Animation und dieser Affe ist mal verdammt gut animiert. 
Als passionierter CGI-Skeptiker fällt es mir wirklich nicht leicht, diesem ganzen Animationskram etwas abzugewinnen, aber hier hat man mit Motion Capturing wirklich verblüffende Resultate erzielt, sodass ich nicht in jeder Szene mit Gewissheit sagen kann, ob der Affe dort aus Fleisch und Blut oder Bits und Bytes war.
Beeindruckend. Vor allem die Mimik ist sensationell umgesetzt. Da wir es hier mit unserem nächsten Verwandten zu tun haben, der auch noch mit einer uns gleichartigen Intelligenz gesegnet ist, ist das Spiel mit der animalischen Menschlichkeit extrem reizvoll. Das Setting und die Rahmenhandlung schaffen unheimlich viel Platz für absolut glaubwürdige Entwicklungen. Trotzdem weiß man nie wirklich, was in dem Affen Caesar eigentlich vor geht.
Während die erste Hälfte noch sehr witzig und mit komischen Szenen ergänzt ist, kippt der Film schon nach einiger Zeit in eine bedrückende Atmosphäre. Der Protagonistenaffe wächst doch schon sehr ans Herz und deshalb verfolgt man im Kinosessel aufmerksam das Geschehen und die Entwicklung, die er durchläuft.
Die Probleme, die Forschung und Medizin implizieren können, wird in "Rise Of The Planet Of The Apes" eindrucksvoll ausformuliert. Das Dilemma zwischen dem, was möglich, und dem, was ethisch vertretbar ist, zeigt sich und auch die alte, aber berechtigte Frage über die Legitimation von Tieren als Experimentierobjekt.
Was mich positiv überrascht hat, war auch, dass sich der Film wirklich Zeit lässt, in die Handlung einzuführen. Das Prequel verdient den Namen wirklich, da man sich Mühe gibt, die später folgende Geschichte plausibel, nachvollziehbar und organisch zu inszenieren. Wer einen reinen Actionstreifen erwartet, kommt zwar nur zum Teil auf seine Kosten, aber wird dennoch befriedigt den Kinosaal verlassen. Im Gegensatz zu den meisten, stets unter dem Zwang "noch größer und spektakulärer" stehenden Filmen, gibt es keinen Showdown mit Superlativen. Der Knaller spielt sich in einem vergleichsweise überschaubaren Gelände ab und wird nicht mit Explosionen und Schießereien überfrachtet. Trotzdem sind die Effekte gut gemacht und absolut zweckdienlich.
Auf der anderen Seite hat "Rise Of The Planet Of The Apes" auch eine gefühlsbetonte Seite. Vor allem der knuffige Affe, der rührender als ein kleiner Hund gucken kann und auf der anderen Seite die schlimmen Dinge, die ihm angetan werden. Es gibt die eine oder andere traurige Szene, aber trotzdem artet nichts in überschwänglichen Kitsch aus, sondern das Level bleibt zum Glück immer auf einem angenehmen Niveau.
Insgesamt ein sehr guter Kinofilm, der extrem spannend, aber auch authentisch ist und wirklich  gelungene Momente hat. Ich möchte gern einen weiteren Teil davon sehen und werde mir auf jeden Fall die schicke BluRay-Box der alten Teile holen. Zum Schluss noch ein Verweis auf die Comicserie, die als Webcomic kostenlos hier zu lesen ist.
Weil es so schön war, vergebe ich sogar mal Punkte, vielleicht wird das in Zukunft Sitte hier im Bunker.
8 haarige Affen von 10.
Get your paws off me you damn dirty ape!

Kommentare:

  1. Schön, dann hab' ich ja schon mal so eine Idee, was da kommt, wobei ich sowas schon vermutet hatte. Nur : die Vorläufer nicht zu kennen, vor allem den ersten...die Reihe, das sind ja nun echte Klassiker, die sollte man schon gesehen haben. Aber zügig ! :-) Übrigens, nettes Kino, wirkt irgendwie altmodisch gemütlich.

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  2. Ja, ich weiß. Schande über mein Haupt, aber finanziell waren die Filme bisher noch nicht drin.
    Wer mag, darf gerne flattern, damit ich die Perlen irgendwann mal sehen kann :)
    Das Kino ist richtig toll! Klein, gemütlich, mit echten Abrisskarten und einem netten Personal! Wenn du mal in Kiel sein solltest, musst du unbedingt mal rein!

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  3. Wenn ich mal in Kiel sein sollte, kommst Du am besten gleich mit zum Kino, dann verlauf ich mich auch nicht :-) und die "Affen"laufen doch ständig in der Glotze ! Chuck Heston ist phantastisch in der Rolle ! Wir haben hier übrigens hauptsächlich Cinemax Kinos, die haben Vor-und Nachteile, finde ich. Es ist auf alle Fälle unpersönlicher, aber technisch ohne Frage allem überlegen. Na ja, ich wollte eigentlich auch heute nach Bielefeld in Cinemax zu den Affen, aber dann bin ich auch immer locker 20 € incl Bahnfahrt los. Und da ich so knapp und doch so neugierig bin, muß eben mal (ausnahmsweise !) unser 70er Jahre "4 in 1" Kino herhalten. Brrrr..scheußlich !

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  4. WOW, was für ein Film ! Kann mir gut vorstellen, das der ebenfalls das Potential zum Klassiker hat und hoffe auf weitere Werke dieses Regiesseurs ! Toll ! Hoffentlich überrollt uns nun nicht wieder so eine "Affen Welle", das wär' fast schade drum ! :-(

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  5. Also hat er dir ebenfalls gut gefallen? Phantastisch! Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn von diesem Kreativteam in Zukunft noch mehr zu hören sein wird.
    Gerne auch eine komplette Neuinterpretation des Klassikerstoffes. Solange das Genre nicht durch Trittbrettfahrer totgeritten wird, bin ich pro Affenfilme! :)

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  6. Ahhh...du warst im Studio! Gute Kinowahl und definitiv besser als das unmögliche Cinemaxx.

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  7. Oh das Kino auf dem Bild hab ich doch auch schon mal gesehen^^

    Ha gar nciht gewusst das du auch in Kiel ansässig bist.

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