Sonntag, 21. August 2011

Women In Cages (Frauen hinter Zuchthausmauern - 1971)

"Wir haben einen Haftbefehl, wir gehen in den Knast! IN DEN KNAST!" tönten die Japanischen Kampfhörspiele auf ihrem Album "Die Großstadt stinkt, ist laut und septisch" vor 9 Jahren und könnten den Soundtrack für diesen sleazigen und schwerst septischen Streifen bilden.
Es geht mit den schmierigen Auswüchsen der Grindhouse Collection weiter und wir dürfen das erste Machwerk der Gattung "Women in Prison" (WIP) begrüßen. Die sonst so elegant und grazil agierende Pam Grier zeigt sich hier allerdings von ihrer sadistischen und garstigen Seite. Doch bevor der Film startet, beginnt das wohlige Grindhouserlebnis, für das diese Reihe wie keine zweite steht. Tief aus dem Lokus eines Bahnhofskinos wurden wieder zerrockte Trailer von unverschämt schäbigen Filmen gehoben und auf diese Scheibe gebannt. Neben Schmuddelkram à la "Duett im Bett" (1973) - herrlich over the top - gibt es "Parasiten-Mörder" (1975), Cronebergs Spielfilmdebüt. Nasskalter Schweiß, billiges Parfum und der Gestank von Urin tauchen unwillkürlich in den Rezeptoren des Riechkolbens auf und man möchte den Ekel mit einem Glas Tourettinger runterspülen. Weiter geht es mit dem Actionklopper "Häutet sie lebend - Unternehmen Wildgänse" (1978), einem WIP "Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen" (1974) - hier spielt übrigens die bezaubernde Erica Gavon aus "Vixen!" (1968) mit - und dem Italo-Rausschmeißer "Das Syndikat des Grauens" (1980). Dazwischen ein wirklich stimmungsvoller Einspieler, über dessen Drehort ich gern mehr wüsste. Wo gibt es denn heute noch solch nostaglisches Mobiliar, in dem man einen Werbespot für schwarze Handschuhe drehen kann? Chapeau! 
Diese kleinen, aber liebevoll umgesetzten Ideen sorgen immer wieder dafür, dass man mit der Grindhouse Collection ausreichend Alleinstellungsmerkmale aufzuweisen hat, um das Prädikat "einzigartig" verliehen zu bekommen.
Den geneigten Zuschauer hat mal also schon im Vorfeld dahingehend stimuliert, dass er, ganz nach Pawlow, sabbernd vor der Flimmerkiste hockt und sich in freudiger Erwartung auf den neuesten Scheiß aus dem Hause Subkultur befindet.
Und schon sind wir wieder im Knast. IM KNAST! Na ja, nicht ganz. Es gibt bei "Women in Cages" (1971) zuerst ein bisschen Geplänkel und Vorspiel. Ein Pärchen befindet sich bei einem Hahnenkampf, wo das vermeintliche Herzblatt der armen Dame (Carol) ein Paket Koks unterjubelt und sie dafür in den Bau wandert.
Dumm gelaufen, denn in dieser Besserungsanstalt auf den Philippinen wird mit eiserner Faust regiert. Die sadistische Aufseherin Alabama, gespielt von Pam Grier, hat es ganz besonders auf Amerikanerinnen wie sie abgesehen. Natürlich hat sie im Knast völlige Narrenfreiheit, kann die Häftlinge wann sie will in die Folterkammer entführen und perverse Rituale mit ihnen praktizieren.
Zum Glück hat der Frauenknast allerdings weitaus aufreizendere Insassen als die TV-Produktion mit Walter und man darf sich freuen, dass es auch etwas fürs Auge gibt.
Die Zelle der Amerikanerinnen ist daher eine ganz illustre Runde. Da hätten wir eine drogenabhängige Blondine namens Stoke, die vermeintlich privilegierte Liebchen Theresa und den kessen Rotschopf Sandy. Bei ihrer Einlieferung muss Carol dann auch das übliche Prozedere über sich ergehen lassen. Ausziehen, abduschen, dekontamineren lassen. Alles, woran man sich in den 70ern so erfreuen konnte, also im Wesentlichen sexualisierte Gewalt, lesbische Liebe und Demütigungen am laufenden Band.
Wirklich interessant wird es, als der Drogenticker versucht, Carol im Knast umbringen zu lassen, damit sie nicht doch noch zwitschert. Wer anderes als die Junkiebraut Stoke kommt dafür also in Frage? 
Dieses Wagnis stellt sich jedoch als durchaus belustigend dar, weil die gute Stoke ein bisschen wie Wile E. Coyote gegen den Roadrunner wirkt. Weniger amüsierend sind jedoch die tour de force der Insassinnen.
Das Ziel der malträtierten und zermürbten Damen kann also nur so lauten: Freiheit um jeden Preis. Schaffen sie das und kriegt Alabama noch ihr Fett weg?
Was für ein olles und schäbiges Filmchen, das sich nahtlos in die Reihe aus cineastischem Bodensatz einfügt.
Langweilig wird "Women In Cages" jedenfalls nicht, auch wenn ich es nur schwer verkraften kann, wenn Pam Grier keine nach Gerechtigkeit strebende toughe Powerbraut spielt. Aber gut, sie überzeugt auch in dieser Rolle und weiß die Peitsche schwingend zu überzeugen.
Der Streifen selbst absolut spannend und irgendwie leidet man sogar mit den Mädels mit und hofft, dass sie es nach draußen in die Freiheit schaffen.
Insgesamt also ein erstaunlich guter Film, der dramaturgisch sicherlich sehr viel mehr richtig macht als  "Astro Zombies" (1969).
Nörgler, die sich mit dem Grindhousekonzept als solchem also nicht so wirklich anfreunden konnten, werden hier eben auch einen wirklich schaubaren Film finden und dürfen allein deshalb zugreifen.
Kommen wir nun zur Ausstattung der Scheibe.
Was man hier wieder auf eine DVD gepackt hat, ist beeindruckend. 
Da hätten wir zum einen die deutsche Original-Kinofassung. Mit einer anderen Titelsequenz, nachträglich eingefügten Inserts und einer grindhousemäßigen Bildqualität. Die Farben ausgeblichen, die Ränder abgedunkelt und viele, viele Schlieren, die immer wieder über die Leinwand laufen, sollte sich jedermann diese Fassung obligatorisch ansehen. Wer in den vollen Grindhousegenuss kommen möchte, kommt auch gar nicht daran vorbei.
Die amerikanische Fassung hat dagegen ein für einen Film dieses Alters perfektes Bild. Scharf, kontrastreich und sauber. Daneben darf man neben dem englischen Ton auch noch die deutsche Kinosynchro und (!) die Videosynchronisation auswählen.
Beide haben ihre Höhepunkte und ich möchte auch jedem anraten, sie jeweils auszuprobieren.
Pam Grier als Zuchthausaufseherin
Es gibt, wie immer, schreiend komische Dialoge und ganz spezifische erheiternde Momente. Vielen Dank, dass man man hier also nicht gespart, sondern ein dickes Paket geschnürt hat, das den Anspruch der Scheibe auf Vollständigkeit und Perfektionismus zeigt.
Denn da haben wir auch noch ein 7-minütiges Interview mit Judy Brown, die im Film Sandy gespielt hat. Bemerkenswert finde ich ja, dass sie nicht nur in "Women In Cages" super aussah, sondern das auch heute noch tut. Sie berichtet über ihre ersten Filmerfahrungen, die nicht ausschließlich positiv waren, freizügige Rollen und die Implikationen, die sich für sie ganz persönlich daraus ergaben. Außerdem verrät sie Anekdoten, die sich während der Dreharbeiten zu "Women In Cages" zutrugen. Toll!
Ich könnte dieser Dame, die eloquent und reflektiert über ihr Leben berichtet hat, noch stundenlang zuhören und es ist wirklich schade, dass dieses Interview nicht noch viel länger ist.
Okay, was haben wir noch? Trailer (engl.+dt.) und TV-Spot zum Film, ein exzellentes Trailerreel mit weiteren "Women in Prison"-Streifen und die Bildergalerie.
Insert der deutsche Kinofassung
Dem Ganzen setzt Pelle mit seinem Text im 8-seitigen Booklet das Sahnehäubchen auf. Was bei der letzten Veröffentlichung mit "Blackout" (1978) und "A Scream In the Streets" (1973) begonnen wurde, die Geschichte eines Hamburger Jungen und seiner Liebesbeziehung zum Bahnhofskino, ist konsequent fortgeführt worden und bietet erhellende, witzige und filmhistorische Gedanken zum Grindhousekino. Großartig.
Ja, ich bin wieder mal beeindruckt und das, obwohl ich an die Veröffentlichungen von Subkultur Entertainment schon lange nicht mehr mit niedrigen Erwartungen herangehe.
Dolles Ding, was ihr uns da ins Heimkino gebracht habt. Technisch über jeden Zweifel erhaben, inhaltlich divers, aber auch obskur genug und optisch vorzüglich. 
Und ich muss jetzt noch einmal dringend Worte zum Cover verlieren. Leute, Leute, ihr seid ja völlig irre. Der schäbige Look über der Grindhousebanderole ist dieses Mal ganz besonders gelungen. Es gab ja sogar Leute, die sich darüber beschwert haben, dass zu wenig vom eigentlich Plakat zu sehen ist und die Banderole 1/3 der Coverfläche vereinnahmt. Diesem Kritikpunkt würde ich gewöhnlich zustimmen, aber in dieser Reihe sind nicht die Filme die Stars, sondern das Gesamtpaket und die Reihe selbst. Daher freue ich mich, dass das corporate design beibehalten wird und dieser einzigartigen Sammlung erhalten bleibt.
Interview mit Judy Brown 

Kommentare:

  1. Heute abend kommt noch "Foxy Brown" mit Pam Grier auf arte. Wennn's jemand interessiert, oder es jemand übersehen haben sollte...:-)

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  2. Cool, bei mir dann sogar in HD!
    Vielen Dank für den Tipp! :)

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  3. Gern geschehen ! Schön, das der Bunker wieder online ist, vermißt man sonst ja richtig ! :-)

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  4. Konnte gerade einen Blick auf die Träumet werfen. Tourettinger und die Handschuhwerbung toppen ja fast die Krebs-Ziggis der Astro-Zombie DVD. Schön diese selbstgedrehten Filmchen. Das macht direkt Lust auf Mitmachen.

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  5. Träumet soll natürlich Trailer heißen

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  6. Die Handschuhwerbung ist echt sowas von genial! Allein die Deko!

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  7. Hab den Rest von der Subkulturscheibe nun auch gesehen. Die dt. Fassung ist natürlich die jenige welche mal sich ansehen sollte (PS: deutsch Leistungskurs *lol*). Grindhousefeeling pur. Schade das die Synchro so schlecht ist.

    Allgemein habe ich mir vom Film mehr erwartet, insofern man so etwas bei WiP sagen kann. Er zeigt das obligatorische Strickmuster, was ich definitiv gut heiße, aber davon leider immer ein Fünkchen zu wenig.

    Die DVD präsentiert sich darüber hinaus aber wieder von der besten Seite und ist somit ein weiteres Schmückstück in der Grindhouse-Box.

    Meine Highlights: Die selbstverbrochenen Trailer und die Inserts. Wobei mir bei den Inserts eher die Sprüche, als das dargebotene gefallen. a.) neue Filme braucht das Land; b.)nochmal Glück gehabt.

    Fügte sich irgendwie gut ein ins Grindhousing:)

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