Montag, 5. September 2011

Deep - if you drive a traktor

Das Duo "Deep" aus Augsburg ist mittlerweile schon seit 18 Jahren unterwegs und hat in dieser Zeitspanne eine beeindruckende Diskografie mit vielen Longplayern und Splitscheiben veröffentlicht. Nachdem es in den letzten Jahren etwas ruhiger wurde, hat in diesem Jahr auf Attenuation Circuit und Dhyana Records ein neuer Langspieler das Licht der Welt erblickt. Er hört auf den Namen "if you drive a traktor" und kommt in einem sehr schönen Faltcover daher. Das Frontmotiv und auch das Bild auf der Rückseite geben die atmosphärische Dimension, die den Hörer in den folgenden 48 Minuten begleiten wird, vor. Und weil so eine Platte etwas ganz Besonderes ist, habe ich mich für den ersten Hördurchgang an das Meer gesetzt und meine Lauscher gespitzt. Der erste Track "if you drive a traktor" beginnt sehr ruhig, mit fernen Saitenanschlägen und Drums, die wie durch Watte zum Hörer dringen. Dazu schiebt sich der stilisierte Sound von Schritten in den Vordergrund und man denkt, man schreitet durch die Nacht, vorbei an Konzerträumen, aus denen die letzten Klänge in die Finsternis entweichen. Das Bassgezupfe verdichtet sich zunehmend, wie ein Glockenspiel, und elektronische Sounds gesellen sich dazu. Bis schließlich melodische und melancholische Basslinien auftauchen und die vorherigen Klangcollagen verdrängen. Ein sehr schönes Melodiemotiv breitet sich im Gehörgang aus, unterstützt vom flirrenden zweiten Basslauf. Auf dem Höhepunkt prescht der dröhnende Anschlag vorwärts, verzerrt den Klangteppich und harmonisiert mit den klaren Soundlinien. Die Töne wabern weiter und erzeugen eine dichte Atmosphäre. Das Tempo variiert und wird verschleppt, bis nach einiger Zeit nur noch ganz fragile Noten gezupft werden. Der Song ist ein einziges Abenteuer!
Weiter geht es mit dem zweiten Song "De-ep-ja-vu". Hier baut sich der Song sofort auf, hypnotische Klänge entfalten sich, konkurrieren mit Riffeinsprengseln. Die Anschläge sind gleichbleibend, während sich im Hintergrund phantastische Melodien dazu gesellen. Man kann sich sehr stark in den Song vertiefen, während einem der Wind vom Wasser her ins Gesicht weht. Nach 4 Minuten wird es immer epischer und man denkt unwillkürlich an einen trüben, nebelverhangenen Tag, bis freundliche Melodiebögen den Dunst durchbrechen. Im Song, obwohl er nur 14 Minuten dauert ("if you drive a traktor" schafft es immerhin auf stattliche 34 Minuten), passiert unglaublich viel und er ist, auch wenn es für den nichtgeübten Hörer zuerst nicht der Fall sein sollte, extrem vielschichtig.
Hier harmoniert einfach alles, die Songs, das Artwork und die Grundstimmung. Für Freunde von experimenteller Musik, Bands wie Mogwai oder Earth ist die Platte eine ganz heiße Empfehlung. Die sphärischen Songs prägen sich nach mehrmaligem Hören ein, auch wenn es schwer fällt, die Struktur über die volle Distanz eines Tracks zu erschließen. Hier steht sehr viel Können dahinter, fein abgestimmte Arrangements und sehr viel Liebe zum Detail. Für diese Art von Musik muss man schon ein Händchen haben, sonst klingt es einfach belanglos und austauschbar. Ich verneige mich vor diesem Kunstwerk und bin mir sicher, dass es auf lange, lange Zeit einen ganz besonderen Platz in meiner Musiksammlung finden wird. Und wer weiß, vielleicht erscheint das gute Stück auch irgendwann noch einmal auf Vinyl. Das wäre super!
Wer in Augsburg oder Umgebung wohnt, kann sich zudem über einen Auftritt der Bassmusiker auf dem "Attenuation Circuit Festival" neben Origami Galaktika, B°Tong, Diskrepant und Yield am 16.09.2011 in der Ballonfabrik Augsburg freuen!
Ein stimmungsvolles Video zu "De-ep-ja-vu" kann man hier bewundern:

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