Montag, 7. November 2011

Beast Of Blood (Drakapa, Das Monster mit der Krallenhand - 1970)

Wenn mich mein Kind irgendwann mal fragen sollte: "Papa, was ist eigentlich Exploitation?", dann werde ich ihm erst den Trailer und dann den Film von Drakapa zeigen. Wir stolpern direkt in den vierten Streifen der Grindhouse Collection "Beast Of Blood" (1969) und stellen fest, zwischen Trailer und Film liegen Welten. Wo im Trailer ein axtschwingendes, um sich mordendes und von Lepra gezeichnetes Monster über die Planken wankt, herrscht im eigentlichen Film actiontechnisch über weite Teile doch eher gähnende Leere. Als Breitbildfreund hab ich erst mal die abgenudelte Widescreenfassung eingeschmissen, mich über die schön abgeranzten Verschmutzungen gefreut,  mich aber auch gewundert, was hier eigentlich vor sich geht. Für den unbedarften Einstieg eignet sich die ungekürzte Vollbild-Fassung, die den ganzen Actionspaß vom Trailer bietet, plus Möpse und ein besseres Bild. 2 Filme gab es schon vor diesem Titel und die "Blood Island" wurde bereits des Öfteren heimgesucht. Nämlich in "Brides Of Blood" (1968) und "Mad Doctor Of Blood Island" (1969). Daher kann es anfänglich zu etwas Verwirrung kommen, die Story ist jedoch zum Glück so dünn, dass es im Endeffekt sowieso egal ist. 
Was uns erwartet, ist ein Abenteuerfilm, der mit vielen Jungleaufnahmen, Explosionen und einem kopflosen Monster punkten kann. Wobei das Monster nicht wirklich oft über die Leinwand stapft. Das liegt daran, dass er kopflos im unterirdischen Laboratorium des Dr. Lorca liegt und in seiner grünlichen Schleimsuppe vor sich hinsifft. Großartig wird es dann aber, wenn das Blutbiest anfängt zu reden. Der groteske Akzent lässt den Zuschauer unwillkürlich losprusten. Was haben sich die Leute dabei eigentlich gedacht? 
In vielerlei Hinsicht ist "Beast Of Blood" mit den "Astro Zombies" (1969) zu vergleichen. Nicht nur, dass wir einem verrückten Wissenschaftler bei seinem Tagewerk zusehen dürfen, Apparaturen werden auch bis zum Erbrechen oft mit der Kamera eingefangen und die ganze Geschichte ist irgendwie etwas langatmig. Wenn der Film allerdings loslegt, dann richtig und hier unterscheidet er sich von den "Astro Zombies" in seiner dargestellten Härte. Das liegt zum einen daran, dass auf den Phillipinen gedreht wurde, aber auch weil das Setting viel mehr Möglichkeiten zulässt. Obwohl der Film also narrativ eine Katastrophe ist, dies produktionstechnisch durch tolle Kulissen die handwerklichen Fehler ausgleichen kann, ist er doch ziemlich schlecht.
Den Film möchte man zumindest kein zweites Mal sehen. Ist der Film deshalb wirklich schlecht? Keineswegs! Die Sichtung lohnt sich für jeden Filmfreund! Es ist, wie immer, ein absolutes Erlebnis, solche Klopper aus der Versenkung emporsteigen zu sehen. Man muss sich vor Augen halten, dass der Streifen seit fast 40 Jahren von der Bildfläche verschwunden war und man demzufolge hier einen echten filmhistorischen Fund vor der Nase hat. Durch diese Veröffentlichung mit all ihren Extras erfährt er viel mehr Aufmerksamkeit, als eigentlich gerechtfertigt wäre und trotzdem hat er es mehr als verdient.  Dieses Paradox lässt sich für den Sachfremden gar nicht auflösen oder beschreiben, aber obwohl man sich gelegentlich langweilt, fühlt man sich bestens unterhalten. Denn der Streifen selbst ist das perfekte Vehikel, auf dem zum einen das Grindhousegefühl und zum anderen die wunderbare Aufbereitung mit den Unmengen an Hintergrundinformationen transportiert wird. "Beast Of Blood" wird von großartigen Szenen am Anfang und am Ende eingeklammert, während die 80 Minuten dazwischen durch eine brave deutsche Synchronisation und viel Abenteuer im Jungle etwas zäh wirken. Aber dann kommen die Extras und runden das Erlebnis ab.
Zuallererst sei der wirklich großartige Audiokommentar vom Berliner Autoren und Regisseur Jörg Buttgereit und Kai Nowak vom Media Target Vertrieb erwähnt. Die beiden berichten in humoristischer Art über Hintergründe des Films, des Grindhousekinos und der deutschen Entsprechung: dem Bahnhofskino. Herr Buttgereit amüsiert mit seiner unbedarften und lockeren Art und wird um das Filmwissen von Kai Nowak ergänzt. Die beiden schaffen es, eine perfekte Mischung aus Info zum Film selbst und dem filmhistorischen Hintergrund unters Volk zu bringen. Man erhält außerdem Einblicke in die Suche nach einer geeigneten Kopie des Films und der Buttgereit stößt vollkommen sympathisch mitten in einem Satz auf. Genau wie der Film sich selbst, nehmen sich die beiden nicht allzu ernst und sorgen für einige Lachanfälle beim Zuschauer.
Außerdem ist ein 7-minütiges Interview mit Produzent Sam Sherman mit dabei. Sherman erzählt über seine Anfänge im Filmgeschäft und Eindrücke bei der Produktion von "Beast Of Blood". Erstaunlicherweise, wohl auch für ihn, war der dritte Teil der Trilogie ein Erfolg! Wie immer wünscht man sich natürlich ein paar mehr Minuten mit den Interviewten.
Ein Kernstück der Reihe und Aufhänger ist natürlich das Trailerreel. Dieses Mal hat man wieder tief in die Kiste gegriffen und so groteske Exemplare wie "Arschibald der Porno-Butler", den Asiaklopper "Gozakko", einen Western und 2 Actionknaller mit viel Handkantenschlägen ausgebuddelt. Außerdem dabei großartige Werbung für das großartige Pranke Magazin und Trudis Frittenbetrieb "Erst Kino schauen ... dann Bauch vollhauen" - einfach eeeeepisch!
Die obligatorische Bildergalerie, die Super-8-Fassung sowie der deutsche und englische Trailer dürfen natürlich auch nicht fehlen.
Und das Booklet aus der Feder von Pelle Felsch weiß wie immer mit Wortwitz und Hintergrundfakten zur z.B. philippinischen Kultur zu gefallen. Unter dem Banner des "Inselkoller" werden die ersten Filme auf philippinischem Boden vorgestellt sowie die Vorgänger aus der Trilogie beleuchtet. Wer also mit dem Einstieg Schwierigkeiten haben sollte, möge sich das Booklet direkt zu Gemüte führen, denn Pelle gibt auch noch Ratschläge, unter welchen Umständen man den Film am besten genießen kann. 
Wir halten fest, "Beast Of Blood" ist weit davon entfernt, ein guter Film zu sein, hat viele irrwitzige Momente, speist sich mit einer sehr löchrigen Logik, aber hat auch einige schöne Moneyshots in petto. Freunde der Reihe greifen sowieso zu. Die tolle Ausstattung und das Vorhandensein von beiden Fassungen dürfte jeden anspruchsvollen Cineast zufriedenstellen. Ich bin mal wieder begeistert und muss feststellen, dass wir nun Halbzeit in der Box haben! Na dann, auf die nächsten 4!

1 Kommentar:

  1. Entgegengesetzt zu Meinungen in diversen Foren, finde ich diese Besprechung wieder sehr gelungen. Eine Besprechung von einem Fan für andere Fans. Da es sich hierbei (Drakapa) um Bahnhofskino oberster Kajüte handelt, ist es schwer eine Trennlinie zwischen gut und schlecht zu finden. Für einen Sammler der Collection ist dieser Streifen eine Gurke, die absolut nicht fehlen durfte.

    Insgesamt konnte man im Vorfeld schon erkennen, dass die geneigten Konsumenten ein verklärtes Bild von diesen Streifen hatten und damit die inhaltlichen Erwartungen etwas hoch geschraubt waren.

    Habe mir beide Fassungen angesehen und muss hier ein Lob an Subkultur aussprechen. Es ist genial was sie aus dem Ausgangsmaterial herausgeholt haben.

    Zum Inhalt brauch ich nichts hinzufügen. Schließe mich komplett dem ZB an. Vllt.noch eine Assoziation: immer wenn ich den Mad-Scientist im Bild sah, musste ich an Stalin denken. Eine gewisse Ähnlichkeit ist nicht abzustreiten.:-)

    Highlight der DVD ist für mich der Arschibald und die dargebotene 5 Sterne Kochkunst. Da ist ganz große Tim Mälzer Schule.

    Ich bin auf die nächste Veröffentlichung gespannt. Leider gibt es hierzu keine Infos.

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