Montag, 28. Februar 2011

A Scream In The Streets (Der Schlächter - 1973) von Subkultur Entertainment

Sie haben es wieder getan. Die zweite Veröffentlichung aus der Grindhouse Collection ist an alle Lieberhaber des schlechten Geschmacks gegangen. Die Schonfrist für das junge Label Subkultur ist nach zwei Erstlingswerken vorbei. Ab jetzt wird scharf geschossen! Auch ich habe nun eine Hälfte des Double Features gesichtet und möchte mit meinen Gedanken nicht länger hinterm Berg halten. In "A Scream In The Streets" (1973) wird uns unschuldigen Zuschauern ein Konzentrat aus schlechtem Geschmack, billigem Sleaze und einer völlig absurden Handlung aufgetischt.
Die bisweilen explizite Mischung mag dem ein oder anderen nicht unbedingt bekommen, aber verkörpert zweifelsohne die Quintessenz dessen, was das Grindhousekino ausmacht. Hier werden die niederen Instinkte angesprochen, der Fan von Schund kommt auf seine Kosten und der Intellektuelle kann ganz distanziert von seiner Metaebene auf das Spektakel herabschauen und es als Fallstudie für ein frauenverachtendes, brutales und korruptes Weltbild sezieren. "A Scream In The Streets" ist nichts anderes als eine ungeschönte Milieustudie übelster Sorte oder eine Spaßgranate für Menschen mit der Fähigkeit zu Abstraktion und Reflektion.
Im Vorfeld bekam die Zuschauerschar einen vielversprechenden und anteasenden Trailer aus dem Hause Subkultur via Youtube kredenzt. "A Scream In The Streets" versprach ein lustiger Slasher mit einer noch lustigeren deutschen Synchronisation und ganz viel Prilblumen zu werden. 2 Dinge daran waren allerdings falsch, ja geradzu irreführend!
Doch bevor hier jemand mit erhobenem Finger in großem Stil Kritik austeilen kann, muss das natürlich relativiert werden.
Wir haben hier keinen waschechten Slasherfilm. Viel eher bekommen wir einen Film, der prototypische Slasherelemente verwendet und diese mit anderen vermischt. Auch gibt es keine Prilblumen. Nein.
Ich denke, unter meinen Lesern ist niemand mit dem Klammersack gepudert und der Streifen ist sowieso nichts für Jugendliche. "A Scream In The Streets" enthält Sexszenen und zwar nicht zu knapp. Genau genommen enthält er sogar doppelt so viele Sexszenen, wie der Transvestit Frauen slashen kann! Hört, hört!
Von perversen Bordellbesuchern, die gerne mal Frauen schlagen, über unseren Superbullen bis hin zu zwei völlig eigenständigen Charakteren, die bis auf ihre lesbische Liebesszene überhaupt nichts mit dem Film zu tun haben, gibt es Sexszenen am laufenden Band. Auch wenn für einige Zuschauer diese Szenen von primärer Bedeutung sind, kann man sie ebenso als nettes Beiwerk abtun und sich dem Hauptwerk widmen: der Kriminalgeschichte.
Ok, sie ist zugegebenermaßen nicht 100% vorhanden, aber immerhin tauchen wir partiell in die Polizeiarbeit ein. Ich glaube übrigens, dass nicht ein einziges Mal der Terminus Polizist auftaucht. In den 70ern hat man den Ordnungshüter in Blau langläufig als "Bullen" bezeichnet und wenn man überfallen wurde und bei der Staatsmacht anrief, meldete man sich auch mit "Hallo Bullen (...)!" Wenn die dann eintreffen und das Geschäft im Bordellsektor verorten, wehrt man sich mit markigen Sprüchen wie "Das ist hier kein Fickladen!" Was uns zu Punkt 3 bringt und dieser Eindruck aus dem Trailer bewahrheitet sich definitiv!
Die deutsche Synchronisation ist ein Feuerwerk. Hier werden schlechte Kalauer, miese Zoten und abwegige Sprüche in hoher Frequenz geklopft, dass es nur so kracht. Das kann zwar nicht über die konfuse und undurchsichtige Handlung hinwegtäuschen, potenziert den Unterhaltungswert jedoch beachtlich.
Versuchen wir trotzdem, ein wenig Struktur in diese Besprechung hinein zu bringen.
Wir haben einen Transvestiten, der gerne Frauen mit einem Messer umbringt und sie auch gern mal anfasst. Warum er das macht, sagt er uns selbst "Ich hasse alle Frauen, weil mich meine Mutter immer geschlagen hat" und dann noch irgendwas von Schweinehälften in der Schlachterei. Der Junge hat ernsthafte Probleme und diese zeigen sich nicht dadurch, dass er Frauenkleider und eine Perücke trägt. Aber auch das ist nur ein kleiner Bestandteil des Streifens. Eigentlich wird die sonstige Polizeiarbeit der beiden Protagonistencops verfolgt. Der alte Hase bekommt einen Schnauzbartträger aus dem Innendienst an die Seite gestellt. Der Frischling kann sich nicht immer im Zaum halten und verkloppt die Bösewichte nach Strich und Faden. Dealer, Diebe und Spanner stehen auf ihrer Abschussliste.
Die darstellerischen Leistungen sind natürlich unter aller Sau und wer das Drehbuch verzapft hat, dem gehört der Codex Gigas um die Ohren geschlagen. Eine Frechheit. Aber genau das ist Exploitationkino und genau das erwartet einen, wenn auf dem Cover in Großbuchstaben der Schriftzug "Grindhouse" prangt. Dazu gehört auch, dass Mikrofonständer im Bild zu sehen sind, wilde Verfolgungsjadgen gezeigt werden, ein Shootout und die frauenverachtenden Männer so viel Gefühl für das vermeintlich schwache Geschlecht übrig haben, wie ein Amputierter für seinen Stumpen. Außerdem räkeln sich hier keine durchtrainierten und abgemagerten Modelle, sondern es herrscht Orangenhaut und Naturbehaarung. So war das in den 70ern!
Diesen ganzen Schund kann man als Hartgesottener natürlich prima vertragen, aber die bereits erwähnte Synchronisation haut dann noch mal ein ganzes Stück raus. Wenn Leute reden, ohne den Mund zu bewegen, bleibt eine unfreiwillige Komik natürlich nicht aus und ich möchte den Menschen sehen, der bei Sprüchen wie "Du bist glatt 'ne Frau, die mich ins Eheloch ziehen könnte" oder "warum lässt du dich nicht scheiden? - Ich bin doch nicht wahnsinnig, dann müsste ich ja arbeiten gehen!" nicht unterm Tisch liegt. Welcher Polizist würde heute noch zu einer Frau sagen, kurz nachdem sich ein Mann an ihr vergangen hat, "Hör auf zu flennen"? Ja, wir sind hier im emanzipatorischen Neandertal und das spürt man an allen Ecken und Enden.
Diese offen zur Schau gestellte Frauenfeindlichkeit ist aus heutiger, aufgeklärter Perspektive natürlich völlig inakzeptabel, aber die Absurdität der Kommentare lässt einen trotzdem nur schwer nach Luft japsen. Entweder der Film ist ein frauenverachtender, billiger Sexfilm oder eine nostalgische Realitätsspiegelung, ein Blick durch ein Fernrohr in den Abgrund.
"A Scream In The Streets" ist sicherlich kein Film für jeden, aber wer sich darauf einlässt und wer sich allen abschreckenden Parametern bewusst ist, der kann, mit der nötigen Distanz, eine Menge Spaß haben! Die Bildqualität ist super, es gibt einige stimmungsvolle Schlieren und die Kamera wackelt an einigen Stellen sympathisch.
Daher will ich auch gar nicht viel mehr Worte verlieren und empfehle diesen Streifen wärmstens allen erwachsenen Lesern. Wem bereits "Astro Zombies" (1969) gefiel, der wird auch hier auf seine Kosten kommen.
Zur Ausstattung der Subkultur DVD und dem zweiten Film (der eigentlich der erste Teil des Double Features ist) "Blackout" (1978) dann morgen mehr.

Mittwoch, 23. Februar 2011

The Avengers (Mit Schirm, Charme und Melone - 1961)

Um "The Avengers" herrscht ein ziemlicher Kult unter den älteren Mitmenschen, den ich nie so richtig nachvollziehen konnte. Für mich war "Mit Schirm, Charme und Melone" immer nur irgendein seltsames Remake, das zwar von der Optik ganz toll war, aber insgesamt so ziemlich einer Gurke nahekommt. Wie soll denn da die original Fernsehserie gut sein?
Irgendwann stolperte ich dann doch noch mal über die Serie, habe diese wunderschöne Gesamtausgabe gesehen und mich sofort in die zwar völlig unpraktisch verarbeitete, aber unglaublich schöne Box verliebt.
Glücklicherweise erwies sich die Serie als eine gute Wahl. Die schrullig britische Art von Mr. Steed gepaart mit der kessen und selbstbewussten Mrs. Peel, ergeben eine perfekte Mischung, um den Zuschauer auch über weite Strecken zu unterhalten. Die absurdesten Ideen werden zudem in den Geschichten verbraten und ich bin mir sicher, dass "The Avengers" damals seiner Zeit weit voraus war. Zwar sind viele Folgen reichlich naiv und wirken aus heutiger Sicht etwas antiquiert, aber sie versprühen dennoch einen ganz eigenen Esprit.
Drehen sich viele Folgen um Spionageangriffe auf das Vereinte Königreich und deren Abwendung in letzter Minute, geht es in anderen Episoden um sinistre Machenschaften in einem Kaufhaus, einem Schloss, bei Börsenfuzis oder anderen Charakteren. Dem Zuschauer wird wirklich Abwechslung geboten.
Die kultige Serie befindet sich jetzt schon seit einem Monat in meinem Besitz und ich habe bereits einige der knapp 60-minütigen Folgen gesehen. Trotzdem ist das gerade mal ein Bruchteil des enthaltenen Materials. Dabei enthält die Box nicht einmal die gesamte Serie. Die ersten 3 Staffeln mit ihren 78 Folgen fehlen.
Das liegt daran, dass sie auch niemals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden, allerdings sind sie mittlerweile für Arte nachsynchronisiert worden und laufen dort im Programm. Folglich startet die Box mit Staffel 4 und zugleich der Staffel, die von Freunden der britischen Serie zusammen mit den anderen Emma Peel Staffeln, als die besten bezeichnet werden. In der sechsten und letzten Staffel verlässt Diana Rigg die Serie und wird durch Linda Thorson als Tara King ersetzt. Nach dieser Staffel wurde mit der Nachfolgeserie "The New Avengers" (1976-77) Patrick Mcnee wieder zurück in die Rolle des John Steed geholt und ihm das Duo Purdey (Juanna Lumley) und Mike Gambit (Gareth Hunt) an die Seite gestellt.
Auf die späteren Folgen freue ich mich schon jetzt, bin aber trotztdem froh, dass ich noch einige klassische Folgen in schwarz weiß und mit Diana Rigg vor mir habe.
Die deutsche Synchronisation der Folgen der 4. Staffel ist wirklich gelungen und gefällt mir sogar etwas besser als die Originalstimmen der Schauspieler (zumindest ist dies bei Steed der Fall). Leider sind einige Folgen der Staffel damals nie im deutschen Fernsehen gezeigt worden und erst in den 90ern nachsynchronisiert mit einer wirklich, wirklich schlechten Sprecherauswahl. Da lohnt es dann doch, auf den OTon umzuschalten.
Wirklich schade, da eine unglaublich gute Folge "Mörderischer Löwenzahn" dadurch etwas untergeht. Hier kommt am Ende eine riesige Monsterpflanze vor, die den Agenten einiges entgegensetzt. Man merkt auch deutlich die Ansätze der Science Fiction, mit der die Folgen immer wieder gespickt werden.
Speziell dieser Folge unterstellen Kritiker einen hohen Trashfaktor. Aber als routinierter Genrefan kann man darüber dann doch nur müde lächeln. Da haben wir schon ganz andere Pappmonster und Gummifledermäuse gesehen.
Ein weiterer Kritikpunkt, der sich auf die vorliegende Veröffentlichung bezieht, richtet sich gegen die Verpackung und Abspielprobleme.
Die Verpackung mit den Taschen, in die man die DVDs schiebt, ist definitiv schön anzusehen, Kratzer lassen sich jedoch nicht vermeiden.
Zu den Abspielproblemen kann ich nichts sagen, da ich erst 5 der insgesamt 37 DVDs gesichtet habe. Allerdings hatte ich bisher keine Probleme und hoffe auch, dass das so bleibt. Ein herber Wermutstropfen ist der feste FSK 16 Flatscher auf der Box. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit unglaublich geringen Kosten Flatschenalternativen für die Käufer anzubieten. Warum Kinowelt hier so kundenunfreundlich vorgeht, ist mir schleierhaft. Außerdem ist der Aufdruck der Box nur ein großer Aufkleber.
Der Deckel wird durch den Aufkleber auf einer Seite mit dem Boden der Box verbunden und dürfte eine ziemlich sichere Sollbruchstelle sein. Wenn die Box oft genug aufgeklappt wird, wird der Aufkleber mit Sicherheit porös und irgendwann nachgeben. Trotztdem macht die Box mit ihrer ausgefallenen Optik einen tollen Eindruck, den auch diese massiven Fehler im Produktionsdesign nicht schmälern können. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bildqualität gegenüber den Einzelstaffeln absolut brilliant ist!
Das Bonusmaterial in der Box ist ebenfalls sehr umfangreich. Auf einer Extrascheibe befinden sich Interviews, rares Videomaterial, Werbeausschnitte, Kurzfilme, Castingeinblicke und Einschätzungen von Kalkofe.
Das Interview mit Linda Thorson ist wirklich großartig und zeigt, dass sie auch noch im hohen Alter eine wunderschöne Frau ist!
Nun kann man zu diesem Herren stehen wie man will. Nicht leugnen lässt sich, dass er ein unglaublich enthusiastischer Filmfan ist und man kauft ihm seine Liebe zur Serie ab. Mit seinen Edgar Wallace Persiflage hat er außerdem bewiesen, dass so etwas auch im deutschen Kino gut funktionieren kann. Vorher hatte das nur Otto Walkes in seiner Fernsehsendung geschafft (auch wenn es heute nicht mehr halb so lustig ist, wie damals im Fernsehen).
Als besonderes Extra wird jeder Folge der Emma Peel Staffeln ein kurzes Palaver zwischen Kalkofe und Schauspieler Wolfgang Bahro vorangestellt. Hier tauschen sich die beiden über besondere Gastauftritte und ihre Bewertung der jeweiligen Folge aus. Lohnt sich, vor allem auch deshalb, weil Kalkofe einen ganzen Batzen an Hintergrundinformationen ausplaudert. Die Vorstellung wirkt zwar an einigen Stellen etwas steif, aber dann auch sehr belustigend.
Insgesamt kann man sagen, dass diese außergewöhnliche Serie verdientermaßen eine hervorragende Auswertung bekommen hat. Auch wenn der Preis von knapp 80€ auf den ersten Blick etwas hoch ist, bekommt man über 90 Stunden großartige Unterhaltung.
Warum die Box derzeit nicht lieferbar ist und bei den Markthändlern die Preise schon wieder in die Höhe schnellen, ist mir nicht ganz klar. Eine wirkliche Limitierung gibt es nämlich nicht bzw. könnten theoretisch 9999 Exemplare hergestellt werden, weil die Limitierungsnummer auf 4 Stellen ausgelegt ist.
Daher rate ich, wenn man sie günstig (um die 80€) sieht, dann zuschlagen, ansonsten keine Panikkäufe tätigen, da kommt bestimmt bald eine weitere Auflage.
Wer gerne mal abschalten möchte, sich in eine ganz eigenständige Welt mit etlichen Alleinstellungsmerkmalen verkriechen und von skurrilen, amüsanten und faszinierenden Ideen unterhalten lassen will, ist mit "The Avengers" bestens bedient.
Sobald ich mit den Staffeln 4 und 5 durch bin, werde ich die Tara King Folgen noch einmal separat besprechen, sowie auch die "New Avengers".

Montag, 21. Februar 2011

Creepy Images #6 kommt Anfang März

Es ist wieder soweit, die neueste Creepy Images Ausgabe wurde angekündigt. Auf 56 Seiten erwartet den Filmfreund Material zu "Im Blutrausch des Satan" (1971), "Asphalt-Kannibalen" (1980), "Nackt unter Kannibalen" (1977), "Der New York Ripper" (1982), "Die nymphomane Killerin" (1972) und "Blutgericht der reitenden Leichen" (1975). Das Heft wird ab März unter www.creepy-images.com erhältlich sein.
Als besonderes Schmankerl gibt es mittlerweile den Artikel "Giallo by Design" von Jeremy Mincer aus Ausgabe #4 zum kostenlosen Reinschnuppern!
Außerdem wird der kommenden Veröffentlichung von "Totenchor der Knochenmänner" (1972) am 18. März 2011 durch das Label CMV Laservision ein Creepy Images Special beiliegen.

Sonntag, 20. Februar 2011

Switchblade Sisters (Die Bronx-Katzen - 1975) erscheint in der Grindhouse Collection

Die guten Nachrichten im neuen Jahr wollen einfach nicht abreißen. Ein weiterer Titel für die Grindhouse Collection wurde heute von Subkultur Entertainment enthüllt: "Switchblade Sisters" (1975) von Jack Hill. Dieser war schon für die beiden Blaxploitationkracher "Foxy Brown" (1974) und "Coffy - Die Raubkatze" (1973) verantwortlich und hat eine ausgesprochene Vorliebe für starke Frauen! Der Actionstreifen wird in Deutschland erstmals ungekürzt und auf DVD erscheinen. Zu dieser Premiere gibt es wieder exklusiv produziertes Bonusmaterial. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es in diesem kleinen Teaser zu sehen. Ein sleaziger Exploitationspaß steht ins Haus! Wir dürfen uns also wieder auf eine Knallerkinosynchronisation, einen stimmungsvollen Soundtrack und tollen Klopper von einem Film freuen!
Außerdem ließ das Label verlauten, dass die Nr. 3 in der Grindhouse-Reihe definitiv "Drakapa, das Monster mit der Krallenhand" (1970) sein wird und mit einem Audiokommentar an Board kommt!

Freitag, 18. Februar 2011

Die British Splatter Classics von Anolis starten mit "Frankensteins Horror-Klinik" (1973)

Das Artwork der neuen Anolis Reihe ist fertig. Mit starten "Horror Hospital" (Frankensteins Horror-Klinkik - 1973) starten die British Splatter Classics. Veröffentlicht wird die Reihe im Mediabook. Allerdings hat man nach den Pannen der SE von "Blut für Dracula" (1966) den Hersteller der Mediabooks gewechselt. Neben einem Audiokommentar mit Produzent Richard Gordon und Filmkritiker Tom Weaver, gibt es auch noch ein-45 minütiges Interview mit Protagonist Robin Askwith ("The Flesh and Blood Show" (1972)). Die Edition wird auf 2 DVDs veröffentlicht. Ein Termin steht zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht fest. Den lustigen Trailer gibt es hier.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Arkham Horror - Cthulhu für das Wohnzimmer

Spielt hier jemand Brettspiele? In Deutschland sind solche Spiele in Gesellschaft ja durchaus etabliert und weit verbreitet. Man könnte sogar von einer Tradition sprechen. Zwar geht es meistens nicht über "Mensch ärger' dich nicht" oder "Die Siedler" hinaus, aber man ist dem Medium zumindest nicht abgeneigt. Auf der Suche nach einer gescheiten Variante, die Horrorthemen mit einbezieht und dabei trotzdem etwas komplexer als die normalen Vertreter ist, bin ich auf ein bemerkenswertes Brettspiel mit dem Titel "Arkham Horror" gestoßen.
Arkham, die kleine fiktive Stadt in Massachusetts, ist uns vermutlich allen bekannt. In H.P. Lovecrafts Erzählungen "Das Grauen von Dunwich", "Herbert West - Reanimator" oder "Das Unnennbare" aber auch vielen anderen taucht der Ort immer wieder auf. Hier ist zugleich der Sitz der mythenumwobenen Miskatonic University.
Ja, und dann ist da noch den Cthulhumythos. Ich liebe die Erzählungen und den subtilen Horror, den der seltsame Zeitgenosse Anfang des 20. Jahrhunderts erdacht hat. Auch wenn die Texte vom literaturwissenschaftlichen Standpunk (Todorov, Brittnacher etc.) aus nicht dem Genre der Phantastik angehören, sondern eher dem "Unheimlichen" zuzuordnen sind, wird dieser Überbegriff oft verwendet.
Ganz egal wie man die Texte Schubladisieren und Kategorisieren möchte, sie sind in ihrer Art einzigartig und brilliant.
Der von Lovecraft erschaffene Mythos um die großen Alten und das Necronomicon haben sich bis heute in die Popkultur und Rollenspielszene fortgepflanzt. Kein Wunder. Tentakelmonster sind mit Abstand die coolsten Monster, die man für eine übermächtige ältere Rasse verwenden kann.
Seit den 80ern gibt es das Rollenspiel "Call Of Cthulhu". Da ich von solchen Zeitvertreiben grundsätzlich keine Ahnung habe, verweise ich auf das Wiki für Interessierte.
Aber bevor ich mein eigentliches Anliegen vollständig aus den Augen verliere: zum Brettspiel.
Ursprünglich kommt es aus den US of A und wird seit einigen Jahren von einem deutsche Verlag vertrieben. Vor wenigen Wochen wurde die zweite Auflage auf den Markt geschmissen und ich konnte mir endlich mein Exemplar für rund 40€ sichern.
Das ist viel Kohle und deshalb fragt man sich zu recht, was "Arkham Horror" denn so zu bieten hat.
In dem schweren Karton mit stilvollem Gruselartwork befindet sich unter anderem ein riesiges Spielbrett mit dem Stadtplan von Arkham. Außerdem liegen etliche Bögen mit kleinen Spielsteinen, Ermittlern und vielen, vielen Karten bei. Insgesamt bringt das Spiel einen stattlichen Umfang von 927 Teilen mit. Wie funktioniert jetzt eigentlich das Spielprinzip?
Jeder Spieler schnappt sich einen Ermittler. Davon gibt es 16, die mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Utensilien ausgestattet sind. Auf den Rückseiten der Ermittlerbögen sind zudem kleine Geschichten über sie verfasst. Absolut stimmungsvoll. Die Aufgabe der Ermittler ist es nun die Monster, die über die Stadt durch Dimensionstore hereinbrechen zu bekämpfen und die Toren zu schließen oder zu versiegeln. Sind ab einen bestimmten Zeitpunkt zu viele Tore offen, erwacht der große Alte und man muss den Endkampf antreten.
Das hört sich alles noch recht überschaubar an, aber wirft man einen Blick auf die, zugegeben didaktisch nicht optimal gelöste, Anleitung, wird schnell klar, dass man es hier mit einen Spiel zu tun hat, bei dem man gute 1 1/2 Stunden die Regeln studieren muss, um ein Spiel zu beginnen.
Durch Karten, die das Geschehen beeinflussen, Begegnungen die man an Orten hat und die anderen Dimensionen, ergeben sich unendlich viele Szenarien, so dass sich kein Spiel gleicht. Ein wenig Sitzfleisch sollte man für eine Partie ebenfalls mitbringen, denn es ist durchaus möglich, dass ein Abend mehr als 3 Stunden in Anspruch nimmt.
Was mich aber vor allem begeistert, ist die Detailverliebtheit des Stadtplans, der Karten, der Figuren und Gegenstände. Aber auch die Anekdoten auf den Karten bringen immer wieder Querverweise zu bestimmten lovecraftschen Erzählungen.
Wer mit dem Basisspiel nicht genug hat, der kann sich außerdem noch etliche Erweiterungen besorgen. Die reichen von neuen Karten und Ermittlern bis hin zu komplett neuen Spielbrettern (z.B. Dunwich).
Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis der angenehmen Sorte und bringt ein wenig Leben in das angestaubte Genre der Gesellschaftsspiele (klar, es hat sich mittlerweile einiges auf diesem Sektor getan).
Außerdem verspürt man nach jeder Partie das Bedürfnis mal wieder in ein Lovecraftbuch zu schmökern.
Demnächst erscheint in Amerika dann auch ein komplett neues Spiel namens "Mansions of Madness", das ein neues Spielprinzip bietet, sich aber von stil her in den Bahnen von "Arkham Horror" bewegt. Man darf gespannt sein.

Dienstag, 15. Februar 2011

Edition Deutsche Vita No. 1 - Zinksärge für die Goldjungen (GER-1973)

Um den Horizont etwas zu erweitern und die Genrepfade von Horror und SciFi ein wenig zu verlassen, geht es heute in die Eurocrime-Ecke.
Das neue Label filmArt bringt in Zusammenarbeit mit Subkultur Entertainment bald eine versunkene Perle des deutschen Kinos zurück. Die Rede ist von Jürgen Rolands "Zinksärge für die Goldjungen" (1973). Im Rahmen der Edition Deutsche Vita werden längst vergessene Schätze des deutschen Films gehoben, liebevoll aufbereitet und in exzellentem Design veröffentlicht. Auch hier hat man es vermieden, sich ein festes Genre auf die Fahne zu schreiben und spezialisiert sich lieber auf Nischenfilme mit den Prädikaten "obskur" bis "selten". Damit werden bereits über Jahre existierende Wünsche bei älteren Semestern endlich erhört und beim jungen Volk Neugier auf die weißen Flecken der Filmlandschaftskarte geweckt.
Ich für meinen Teil habe zwar meine ganz klar präferierten Genrevorlieben, empfange aber mittlerweile alte Streifen aller Couleur mit offenen Armen. Die Reihen haben in meinen Augen eine anthologische Funktion für Neueinsteiger bzw. Erstseher übernommen, für die ich sehr dankbar bin und die ich deshalb, ganz unabhängig vom Sammelfaktor, sehr schätze. Daher freue ich mich umso mehr, dass das Covermotiv der "Kaufhaus" DVD für den Titel final ist und die Ausrufung des Veröffentlichungstermins nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.
"Zinksärge für die Goldjungen" ist ein Actionkrimi made in Germany und spielt im hanseatischen Hamburg. Wer also wissen will, welche finsteren Machenschaften und Bandenkriege in der Hamburger Unterwelt der 70er Jahre so abgegangen sind, erhält hier einen Einblick. Vom Film selbst existieren unterschiedliche Fassungen. Als deutsch/italienische Co-Produktion wurde eine um Actionszenen gekürzte, deutsche Fassung bisher auf Tape veröffentlicht und eine italienische, in der Handlungsszenen entfernt wurden. Das Besondere an der anstehenden Erscheinung ist, dass beide Versionen in der SE enthalten sein werden.
Zudem wird es eine "Kaufhaus"-Variante (außerhalb der Edition Deutsche Vita) mit der deutschen Kinofassung geben und eine Special Edition mit 2 DVDs sowie Schuber, an deren Extras derzeit noch fleißig gewerkelt wird. Zu diesen gehören Interviews mit den Darstellern Horst Janson und Henry Silva (aus der Eurocrime-Dokumentation), ein Booklet, eine Bildergalerie mit Aushangmaterial und der deutsche Trailer. Die Special Edition wird außerdem auf 1500 Einheiten limitiert sein.
Die "Kaufhaus" DVD erscheint also schon bald, bei der SE wird es noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Vermutlich werde ich aber schon allein wegen des grandiosen Artworks zu beiden Versionen greifen und mich, in freudiger Erwartung auf die deutsche Filmkunst der 70er Jahre, überraschen lassen. Sobald die endgültigen Termine angekündigt sind, werden sie an dieser Stelle natürlich nachgetragen. Das vorläufige Artwork für die SE gibt es am Ende des Beitrages.
Eine vielversprechende und den Mund wässrig machende Besprechung von Pelle gibt es hier.
Als zweiter Film in der EDV-Reihe ist zudem das Drama "Mädchen - nur mit Gewalt" (1970) von Roger Fritz angekündigt. Der Streifen veranlasste den katholischen Filmdienst, ihn "zynischer Reißer" zu nennen. Als Bildmaster steht Subkultur das Kameranegativ zur Verfügung und Regisseur Roger Fritz für das Bonusmaterial. Der Veröffentlichungstermin ist der 21. März 2011.

Samstag, 12. Februar 2011

Monster Machen Mobil 2 vom 6. - 8. Mai in Hamburg


Zum zweiten Mal wird das Hamburger SciFi-Horror-Filmfestival "Monster Machen Mobil" veranstaltet. Stattfinden wird die Sause am Wochenende vom 6. - 8. Mai im Metropolis Hamburg.
Das Filmprogramm steht seit wenigen Tagen fest und liest sich unglaublich gut, so dass sich vermuttlich kein Filmfreund das Spektakel entgehen lassen will. Auf einer 150 m² Leinwand werden diese Filme flimmern:

Freitag:
Kampfstern Galactica (1978)
Frankenstein und die Monster aus dem All (1968)
Scarletto - Schloss des Blutes (1965)
Samstag:
Der Große Krieg der Planeten (1977)
Tödliche Nebel (1965)
Dracula jagt Mini-Mädchen (1972)
Über dem Jenseits (1981)
Sonntag:
Argoman - Der phantastische Supermann (1967)
Theater des Grauens (1973)

Los geht es am Freitag ab 19:00 Uhr.
Präsentiert wird das Festival wieder von Vintage-Movie-Posters und der MonsterCon. Außerdem gibt es erneut ein Vintage Monsters Magazin zum Festival! Ich werde definitiv dabei sein!

Donnerstag, 10. Februar 2011

Der 4D-Mann vorbestellbar, Astro bringt "Alien Shock", Erweiterung der Koch Media Hammer Edition

Da ich euch gerne über die aktuellen Infos aus dem Hause Subkultur Entertainment auf dem Laufenden halte, soll das auch heute nicht anders sein. Das finale Artwork steht und Benjo hat mal wieder einen tolles Cover abgeliefert.
Außerdem kann ab heute bei den üblichen Shops (u.a. OFDB, ICatcher) fleißig vorbestellt werden. "4D Man" (1959) verschiebt sich leider etwas und erscheint voraussichtlich erst am 21. März 2011. Da die Auflage dieses Mal nicht auf 500 Einheiten beschränkt ist, wird das Vorbestellfenster sicherlich etwas länger geöffnet bleiben. Trotzdem ist es nicht die schlechteste Idee, sich sein Exemplar dieses klassischen Science Fiction Streifens rechtzeitig zu sicher. Informationen zur Ausstattung findet ihr an dieser Stelle.
Aber nicht nur bei Subkultur wird an der Veröffentlichung von Klassikern geschraubt, auch das neue Astro Label bringt demnächst alte Streifen auf den Markt.
"Alien Shock" (1980) kann nun ebenfalls vorbestellt werden (DTM) und wird am 28. Februar 2011 veröffentlicht. Man hat die Auswahl zwischen diesen 3 Covervarianten. Von jedem Einzelcover wird es 500 Einheiten geben.
Außerdem kommen Repacks vom Tierhorrorklopper "Grizzly" (1976) und "Die neunschwänzige Katze" (1971).
Eine weitere großartige Neuigkeit ist, dass Koch Media dieses Jahr mit "Kommandør Treholt & ninjatroppen" (Norwegian Ninja - 2010) einen Knaller im Veröffentlichungsplan haben, auf den ich mir schon sehr freue. Einen kleinen Vorgeschmack gibt der Trailer.
Aber was noch viel wichtiger ist, die Hammer Reihe wird mit "Vampire Circus" (1972) fortgeführt. Der Film wurde zwar schon einmal veröffentlicht, ist momentan aber nur noch für Mondpreisen zu haben. Daher ist eine Neuauflage in der edlen Reihe mehr als begrüßenswert.
Es wird sogar darüber nachgedacht, den Film auch in blau erscheinen zu lassen.
Zu guter Letzt dann noch ein weiterer Science Fiction Klassiker, der bei Ostalgica am 11. März 2011 erscheint: "Satan's Satellites" (1958). Einen vielversprechenden Trailer findet ihr hier.

Sonntag, 6. Februar 2011

Doom Nachzügler: Electric Wizard - Black Masses / Bongripper - Satan Worshipping Doom

Vielen wird es nicht entgangen sein, dass in meinem musikalischen Jahresrückblick zwei wirklich wichtige Alben fehlten. Bongrippers "Satan Worshipping Doom" und Electric Wizards "Black Masses".
Das lag zum einen daran, dass die Electric Wizard LP sich ständig verschoben hat, so dass ich irgendwann dazu gezwungen war, mir die CD Variante zu holen (zum Glück ist die Vinyl mittlerweile eingetroffen und ist ganz famos in ihrer Ausführung geworden) und zum anderen habe ich die Bongripper Platte einfach völlig verpennt.
Ok, Bongripper. Die Amis haben sich nach vier überragenden Langrillen zwei Jahre Pause gegönnt, um nun ihren fünften Opus auf die Anhängerschaft loszulassen.
Es gibt vier Songs auf dem Album, die kreativerweise "Hail", "Satan", Worship" und "Doom" betitelt wurden. Das bunte Cover mit seinen okkultigen Figuren gibt die Marschrichtung vor.
Es wird komplett auf Gesang verzichtet, so dass sich der Hörer komplett auf die instrumentale Dampfwalze konzentrieren kann, die schon mit dem ersten Titel auf ihn zurollt. "Hail" ist ein 13-minütiger Doom Metal Song mit sich ständig wiederholenden Riffs, die von extrem rockigen und knochentrockenen Stoner Metal Passagen durchbrochen werden. Ja, es ist langsam, aber geradezu hypnotisch in seiner Wirkung. Einfach großartig.
Weiter geht es mit "Satan", das mit einem droneartigen verzerrten Ton beginnt, um mit Black Metal-eskem Drumming und flirrenden Gitarren über den Hörer herein zu brechen. Für Doomverhältnisse ist man also auf Highspeedtempo.
Der Song knarzt und sägt vor sich hin, variiert nach 4 Minuten und entzieht sich wieder dem Black Metal Part Richtung staubigem Doom Rock.
Die Melodien sind dabei, überraschenderweise, ständig catchy und bleiben sofort im Ohr hängen. Nach einer weiteren Minuten galoppieren die Riffs davon, um schließlich in extrem groovenden Rythmen eingestampft zu werden. Spektakulär!
Dann gibt es einen irren Break und es geht im Downtempo mit nackenbrechendem Groove weiter. Hier sind einfach Götter ihrer Zunft am Werk.
Dass die Songs satt und saftig produziert sind, dabei aber trotzdem staubig und trocken klingen, mag sich seltsam anhören, wird aber beim Genuss dieser Scheibe sicherlich jedem ersichtlich werden!
Gegen Ende kommen dann noch sehr klare Gitarrenmelodien durch und das Gaspedal wird (verhältnismäßig) getreten.
"Worship" beginnt mit langen Gitarrenanschlägen und es dauert, bis sich das Schlagzeug einschaltet und den hypnotischen Takt vorgibt. Die einprägsame Melodie fräst sich in den Gehörgang und wiederholt sich minutenlang mit geringer Variation. Zwischendurch wird das Songgerüst mit delikaten Klängen garniert und das Tempo wieder gedrosselt. Diesmal allerdings ohne zerschmetternde Downbeats, dafür aber immer langsamer werdend, bis der Ton fast still steht. Anschließend geht es heavy weiter und der Kopf nickt unwillkürlich im Takt, bis es leiser, rockiger wird und sich dissonante Klänge dazwischen mogeln. Der Song beschwört zwar nicht den Deibel persönlich, aber versetzt den geneigten Hörer in Verzücken.
Es passiert einfach so unwahrscheinlich viel in den Songs. Sie sind wie eine akustische Reise, bei der man ständig in sich hinein schmunzelt, weil man besonders coole Arrangements entdeckt oder von einem bestimmten Riff umgehauen wird.
Der Abschluss, "Doom", haut dann auch ordentlich auf den Kacke.
Sehr langsam stampft er los und das bleibt auch erstmal eine Weile so. Ganz fieses Downtempo mit etwas Drone Doom holzt einen sich im Wege befindlichen Baum nach dem anderen um.
"Doom" ist auch gleichzeitig der langsamste Song, der stetig seine akustischen Wellen durch die Kopfhörer wabern lässt.
Unterm Strich ein, für Genrefreunde, abwechslungsreiches Album, das durch brilliante Ideen besticht, auf den unerfahrenen Hörer jedoch verstörend und einseitig, vielleicht sogar langweilig, wirken kann.
Kommen wir nun zur etwas zugänglicheren Platte an diesem Abend.
"Black Masses" von der britischen Legende Electric Wizard. Schon nach den ersten Tönen fällt auf, dass die Produktion definitiv etwas mehr Druck hätte vertragen können. Alles klingt etwas leise und in den Hintergrund gerückt. Ok, das hört sich nicht so toll an, ABER der musikalische Aspekt überzeugt dafür umso mehr. Mit dem ersten Stück und gleichzeitig auch Titeltrack hat man einen famosen Ohrwurm der Marke "Dunwich" aufs Pakett gelegt. Unglaublich zwingend, nach vorne rockend geht das Teil los und Mastermind Oborn jault in seiner markanten Art und Weise los. Einfach herrlich. Die schwarze Messe ist also eröffnet. Nach dem sauberen Einstieg geht es weiter mit dem, meiner Meinung nach, noch besseren "Venus in Furs". Die verhallten Vocals und die dröhnenden Gitarren verzaubern mit hervorrangenden Melodiebögen. Der Song ist wirklich einer der großartigsten Doomsongs des vergangenen Jahres.
"Nightchild" beginnt mit Glockenschlägen, aber schon nach wenigen Sekunden schrammeln die Saiteninstrumente los. Auch hier hat man einen astreinen, unglaublich griffigen Refrain aus dem Ärmel geschüttelt. Zwar erreicht er nicht die Qualitäten eines Hits wie "The Chosen Few", kann aber trotzdem überzeugen. "Patterns Of Evil" setzt da noch einen drauf mit einem ausgetüftelten und stark hitverdächtigen Chorus. Oh ja. Langsam und mit viel Pedaleinsatz drückt sich dieser kapitale Hirsch durch die Lautsprechermembran.
Ein unglaublich emotionales Stück erwartet uns mit "Satyr IX". Oborns gequältes Organ windet sich durch den Song zu tiefgestimmten und unglaublich langsam gespielten Klampfenklängen. Ein absolutes Highlight auf der Platte, das von einem rauschhaften Solo begleitet wird.
"Turn Off Your Mind" hat wieder einen herrlich jauligen Refrain. "Scorpio Curse" fällt qualitativ ganz leicht ab, was aber trotzdem bedeutet, dass er 80% der Konkurenz zu Staub zerbröselt. Der drogengeschwängerte Songverlauf mit den durchsickernden Riffs und extrem rockigen Passagen veranlasst mich sogar dazu, meine Meinung über den Song zum Positiven hin zu revidieren.
Den Abschluss bildet der Song "Crypt of Drugula", eine reine Akustiknummer, die auf den Song "Satanic Rites Of Drugula" rekurriert (ein absolutes Meisterwerk). Hier wird unter heftigem Einsatz von Samples eine düstere Atmosphäre erzeugt und schon fast Drone Doom zelebriert.
Textlich bewegt man sich, wie eigentlich immer, im Bereich von nackten Hexen über den lovecraftschen Cthulhumythos, bis hin zu den titelgebenden schwarzen Messen.
Das Mädel und die Jungs aus Dorset haben sich jedenfalls wieder mächtig ins Zeug gelegt, um uns dieses halluzinogene Gebräu zu kredenzen. Leider kann es den Vorgänger "Witchcult Today" nicht übertreffen. Das war auch nahezu unmöglich. Dafür waren da einfach zu viele Hits und Meilensteine des Dooms drauf. "Black Masses" reiht sich aber knapp dahinter, auf gleicher Augenhöhe mit "Dopethrone", ein.
Die Aufmachung der Vinyl ist einfach atemberaubend. Nicht nur, dass die zwei 180 Gramm Platten stimmungsvolles schwarz/weiß Design haben, auch das Artwork mit auf Altaren aufgebahrten Fräuleins im Kerzenschein, passt perfekt zu den psychodelischen Klängen.
Diese beiden Veröffentlichungen sind schon mal eine solide Grundlage, um sich entspannt zurückzulehnen und die kommenden Doomplatten abzuwarten.
Mit Earth steht schon der nächste Aspirant und Genreveteran in den Startlöchern und wird nächste Woche mit "Angels Of Darkness, Demons Of Light" den ersten Part eines Zweiteilers auf die Massen loslassen. Das Album kann man hier völlig legal und von der Band autorisiert Probehören (nur noch bis zum 7. Februar!). Ob das Gegenstück noch dieses Jahr erscheint, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss. Das Artwort von Stacy Rozich sieht allerdings schon ziemlich gut aus.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Filmnetzwerke

Es gibt nichts Schöneres, als sich über Filme, die einem am Herzen liegen, auszutauschen. Da man mit Nischengeschmack in der Offlinewelt in den seltensten Fällen auf passionierte B-Filmfreunde trifft, ist das Internet ein guter Anlaufpunkt, um sich über neue Veröffentlichungen, alte, längst verlorene Fassungen oder die Lieblingsstreifen zu unterhalten. Da ich mittlerweile bei den ganzen Brettern, in denen ich angemeldet bin, den Überblick verliere, möchte ich an dieser Stelle mal einen kleinen Überblick über die Gemeinschaften geben, die einen Blick wert sind.

Zum einen hätten wir da das Dirty Pictures, die Euro-Cult-Liebhaber Lounge, die Ende 2009 online gegangen ist. Hier tummeln sich nicht nur die Labels Anolis, Subkultur Entertainment und filmArt, sondern ein ganzer Haufen sympathischer Zeitgenossen, die sich ganz den europäischen Klassikern mit Schwerpunkt Italien verschrieben haben. Trotzdem dürfen das britische Gruselkino und das amerikanische Grindhouse nicht zu kurz kommen. Ein Gewinnspiel zum einjährigen Bestehen wurde jüngst über die Teilnehmer ausgeschüttet und ermöglichte mir, endlich den tollen "Død Snø" (2009) zu besprechen.
Auf der andere Seite gibt es für die mehr in Richtung Monster und Mutanten gehende Filmgemeinschaft Kongulas Pranke. Hier haben sich das Pranke Magazin und der Monsterfilm Kongula zusammengeschlossen und eine wirklich liebenswerte Community aus der Taufe gehoben. Außerdem ist es die Heimat von Monstrula (bitte, bitte, macht mal wieder was auf der Seite!!!). Wer sich für Godzilla- und Kaijukram interessiert, aber auch für finsterste SciFi-Abenteuer, ist hier bestens aufgehoben. Bemerkenswert ist, dass es eine extra Hörspielecke gibt und generell über sehr vielseitige Themen diskutiert wird.
Das Wicked Vision Brett ist ebenfalls ein Fundus an Informationen. Hier tummeln sich ein paar Labels, aber vor allem der Buio Omega Filmclub. Leider ist das Forum in letzter Zeit etwas unterfrequentiert, das war früher mal anders, aber man findet immer noch einige Infos und Mitdiskutanten.
Das Dark Movie World ist eine sehr kleine, aber dafür sehr liebevoll gepflegte Netzgemeinde, die sich ausführlichst mit dem Gothichorror hammerscher Schule beschäftigt. Aber auch der kleine Bruder Amicus bekommt seine Aufmerksamkeit, sowie mein geliebtes Tierhorrorgenre. In intimer Atmosphäre lassen sich alte Streifen vorzüglich auswerten. Nur der rote Hintergrund kann bei schlechter Zimmerbeleuchtung etwas anstrengend werden ;)
Kommen wir nun zu den etwas größeren Vertretern: DVD-Forum.at. Hier werden vor allem neuere Veröffentlichungen besprochen, aber auch viel Schplädder und Gekröse. Ein Sammelbecken für Hartboxfreunde, aber auch Menschen der Marke "Ich will ne ordentliche Schpläddersammlung aufbauen" oder "Sickest Movie Ever". Diese Themen kann man zum Glück umschiffen und trifft den ein oder anderen geistreichen Mitdiskutanten.
In eine ähnliche Kerbe schlägt das Brett des D&T Mailorders. Hier wird ebenfalls dem Horrorfilm gefrönt, sowie fleißig den billigsten Tierhorrorstreifen gehuldigt. In Sachen Schplädderveröffentlichungen sicherlich immer einen Blick wert, aber auch in punkto interessanter Kinofilme. Wie auch das DVD-Forum.at deckt es ein breites Spektrum ab.
Das Sci-Fi-Forum dagegen besetzt eine ganz enge Nische und ist die beste Quelle, um über Sci-Fi TV-Serien und im Speziellen das Star Trek oder Star Wars Universum zu plaudern. Nette Leute und regelmäßig von vielen Usern aufgesucht. Ein Blick lohnt sich.
Mit dem Tierhorror Forum besteht zudem eine kleine Community, die sich mit dem großartigen Subgenre des Tier- oder Ökohorrors beschäftigt. Regelmäßige Infos über Neuerscheinungen im Bereich findet man genauso, wie spannende Diskussionen über Hai- oder Schlangenfilme.
Sollte ich wichtige Adressen vergessen haben, über einen Hinweis in den Kommentaren freue ich mich natürlich immer

Dienstag, 1. Februar 2011

Tron Legacy (2010)

Ein Rausch der Farben, ein Rausch der Töne. Mit "Tron Legacy" (2010) wurde ein bisschen auch das neue cineastische Jahrzehnt eingeläutet. Ich bin immer noch fassungslos und voller Ehrfurcht gegenüber diesem Meisterwerk. Klar, es ist ein Blockbuster und die Geschichte taugt nicht besonders viel, aber an jeder anderen Stelle wurde absolut alles richtig gemacht und ein Meilenstein des modernen Kinos geschaffen.
Wenn es einen Film gibt, den man dieses Jahr in den Lichtspielhäusern gesehen haben sollte, dann ist es "Tron Legacy". Die volle Breite der Leinwand und die den Zuschauer einsaugende Kraft der Bilder wurde perfektioniert und vollkommen ausgenutzt. Der durchschnittliche Vorgänger "Tron" (1982) hatte die Richtung bereits vorgegeben und avancierte zum Kultklassiker. Nach 28 Jahren lässt Disney den damals revolutionären Tronkosmos wieder aufleben...und wie.
Die Geschichte knüpft dort an, wo "Tron" aufgehört hat. Flynn ist verschwunden, sein Sohn wächst ohne ihn auf, übernimmt als stiller Gesellschafter die Firmenleitung von Encom, erfährt von einer alten Spielhalle seines Vaters und entdeckt in ihr die Apparatur, mit dessen Hilfe er in die fremde Welt eintauchen kann.
Hier hat sich einiges geändert, sein Vater fristet sein Dasein in einem selbst erschaffenen Refugium mit einer rätselhaften Dame.
Diese Bilder. Ich habe mir mein erstes 3D Erlebnis, begünstigt durch die späte Aufrüstung unseres Provinzkinos, bis zu diesem Film aufgespart.
Die ersten Sequenzen in der echten Welt sind komplett in 2D abgedreht und das Bild ist schon merklich dunkler durch die lichtfilternde Brille. Sobald aber die 3D Effekte einsetzen, staunt man und freut sich über die tollen Aufnahmen.
Die epischen Landschaften in dem einheitlichen Design und der noch epischere Soundtrack von Daft Punk rechtfertigen den hohen Preis an der Kinokasse. Vor allem, wenn das Kino generell zu laut eingestellt ist, macht der hämmernde und druckvolle Elektrosoundtrack umso mehr Spaß. In Kombination mit den Effekten und der Bilderflut, die auf den überforderten Kinogänger einprasseln, schnürt es einem die Kehle zu. Bei "Tron Legacy" ist alles konzeptionell bis ins kleinste Detail durchdacht und ergibt Sinn. Jeder Schuh, jede Vase ist in das phantastische Produktionsdesign getaucht.
Ein bisschen Angst könnte man mit den wenigen weiblichen Rollen haben. Ließ der Trailer doch vermuten, dass die Macher hierauf etwas weniger Wert gelegt hätten. Die bezaubernde weibliche Hauptrolle Quorra, gespielt von Olivia Wilde, macht ihren Job als einzigartiges Programm grandios. Die für sie ungewöhnliche Frisur passt und es ist einfach großartig, dass man keine schnulzige Liebesgeschichte eingeflochten hat. Toll! Außerdem wird enges Latex getragen, so dass auch mal der Hintern lasziv in 3D zum Greifen nah vor den Glotzern wackelt.
Der Dude ist gleich ein paar Mal im Film besetzt. Spielte er bereits im Original die Figur des Kevin Flynn, übernimmt er außerdem einen computergenerierten, jungen Jeff Bridges als Clou.
Klar, man sieht zu jeder Zeit, dass Bridges in den Einstellungen animiert ist und es lässt mich hoffen, dass tote Hollywoodhelden nicht an Filmstudios verkauft werden und posthum in so einigen Streifen auftauchen werden, aber es ist trotzdem beeindruckend, wie weit die Technik vorangeschritten ist.
Der junge Garrett Hedlund als Flynns Sohn, macht seinen Job ebenfalls glaubwürdig und kann überzeugen. Klar wird viel durch Bridges getragen und manche Dialoge sind ein wenig seltsam, aber insgesamt ist der Stab wirklich hervorragend besetzt.
Die Geschichte holt den Fanboy genau an der Haustür ab, fesselt ihn und setzt ihn einem über 2-stündigen Rausch aus, so dass er sich am liebsten direkt einen Anzug mit LED-Streifen besorgen und damit noch mal in die Vorstellung möchte.
Die Spielszenen sind tatsächlich begrenzter, als ich es dachte. Ein paar Lightbikerennen und Discwars, das war es dann aber auch schon. Dafür wird einiges dem Tronmythos hinzugefügt, was inhaltlich durchaus Sinn macht. Vielleicht darf man ja auf einen weiteren Film hoffen, ich würde es mir zumindest wünschen.
Man sollte natürlich keine falschen Erwartungen an einen reinen Popcornkinofilm haben. So großartig wie die Handlung von Inception (2010), ist die optische Opulenz bei "Tron Legacy". Man merkt, ich stammel schon vor mich hin, weil sich für dieses Erlebnis nur schwer Worte finden lassen, von daher sollte jeder die Chance nutzen und sich dieses Meisterwerk in seinem Kino ansehen. Es lohnt sich, wenn man offen für eine durchschnittliche, ok ich fand sie sogar plausibel und spannend, Handlung ist und sich für spektakuläre Bilder erwärmen kann.
Abschließend sollte man sich noch den Soundtrack zulegen und ihn am Stück genießen. Klar ist viel Bombast drin, aber die Mischung ist wirklich super und weiß einfach zu begeistern.