Sonntag, 29. Mai 2011

Drive-In Classics Nr. 3 Ma Barker's Killer Brood (Die gnadenlosen Killer 1960)

An manche Filmgenres wagt sich der unbedarfte Zuschauer trotz Neugier nur sehr zaghaft heran. So geht es mir zum Beispiel mit Gangster- und Ganovenstreifen. Umso schöner, dass Subkultur Entertainment für den jungen Filmliebhaber mit Lücken die Rolle des Vorkosters übernimmt. Mit "Not Of This Earth" (1957) und "4D Man" (1959) startete man bereits vielversprechend die "Drive-In Classics"-Reihe und verzückte die Gemeinde mit Leckerbissen. Skeptisch und ohne den Starterbonus, beäugen wir nun kritisch das dritte Output und werden nicht nur den Film auf Herz und Nieren prüfen, sondern auch die Ausstattung der Veröffentlichung genau unter die Lupe nehmen.
Bevor die eigentliche Scheibe im Player landet, fällt mal wieder das absolut spitzenmäßige Cover sowie das Layout des glänzenden Schubers auf. Subkultur lässt sich einfach nicht lumpen und erklärt schon bei den Details, dass ihre Veröffentlichungen eine Herzensangelegenheit sind und man ein perfektes Produkt beim Lieberhaber abliefern will. Im Inneren gibt es das obligatorische alternative oversized Filmplakat über die gesamte Breite des Amarays. Klappen wir die Hülle auf, springt uns das altbekannte, schlichte und gleichermaßen ästhetische schwarze Design der DVD ins Auge. Soweit alles beim Alten. 

Jedoch merkt der Kenner am Booklet schnell, dass sich das Material geändert hat. Gab es bei den Vorgängern noch sehr dünnes Papier, als Nostalgiegimmick, hat Ma Barker ein sehr festes und fast schon kartoniertes Booklet spendiert bekommen. Inhaltlich verausgabt sich Pelle vom Bali in gewohnt humoriger Art und Weise und gräbt einen ganz Berg an Hintergrundinformationen zur historischen Vorlage aus. Bestens informiert starten wir die Scheibe und werden von einem neuen, sehr coolen Intro begeistert. Darauf folgt das Menü, in dem man sich zwischen der deutschen Kinofassung und der Originalfassung entscheiden kann. 
Es lohnt sich wirklich, die beiden Fassungen anzusehen, denn die deutsche hat einen echt verdammt coolen Anfang, in dem die Geschichte noch stärker in den realen Kontext gebettet wird.  In der amerikanischen Fassung leitet der Film mit einem fiesen Feuermord und einem kurzen Abriss über Ma Barker ein. 
Zur Bildqualität: Diese kann sich wirklich sehen lassen! Ein sehr scharfes Bild, das mehr Ausschnitt an den Rändern zeigt, als die US-Scheibe. Außerdem wirken die Farben viel kräftiger, kontrastreicher und weniger verwaschen. Trotzdem vermittelt die Subkulturscheibe nicht den Eindruck, dass übermäßig am Bildmaterial "getunt", sondern mit Maß und Verstand ein authentisches Ergebnis geliefert wurde. Dazu tragen auch die verschiedenen Laufstreifen, die vereinzelt auftreten, bei. Sie erinnern daran, dass wir in einem Drive-In-Kino sind, in dem keine neue Kopie vorgespielt wird. Herrlich!
Auf meinem 32"-Flachbildfernseher - und das war meine größte Sorge - wird das Bild unerwartet gut dargestellt, was wirklich bemerkenswert für einen deart alten Streifen ist. 
Ma Barker in Widescreen ist einfach genial! Auch wenn ich nicht ausschließen kann, dass es immer noch Leute geben wird, die sich darüber beklagen, dass das Bild nicht so gestochen scharf, wie eine Hollywoodproduktion aus dem Jahre 2010 aussieht. Aber denen ist, mit Verlaub, eh nicht mehr zu helfen.
Der Ton ist ebenfalls sehr gelungen. Ich liebe einfach die alten deutschen Kinosynchronisationen. Lurene Tuttle (Ma Barker) wird mit einer echt fiesen Reibeisenstimme vertont und auch sonst ist deutsche Übersetzung ein dicker Pluspunkt der Scheibe. An einigen (es sind glaube ich nur zwei sehr kurze) Stellen war der deutsche Ton wohl nicht mehr rekonstruierbar und es wird englischer Ton eingeblendet (für wenige Sekunden). Man kann also wieder davon ausgehen, dass man das Maximale aus dem vorhandenen Material herausgeholt hat.
Die deutsche Fassung, aber auch die originale sind mit deutschem Ton, wobei die US-Fassung auch noch in englischer Sprache verfügbar ist.
Bei den Extras habe ich mich dann besonders auf die Dokumentation "G-Men - Die Agenten des FBI" gefreut. Eine eigentlich ungewöhnliche Dreingabe, denn, soweit ich die Sache überblicken konnte, handelt es sich hier um eine absolut authentische Doku aus der Zeit. 
Veranwortliche wie FBI-Begründer J. Edgar Hoover kommen zu Wort und liefern einen Einblick in die Geschichte, Struktur und Arbeit der Ermittlungsbehörde. So erfährt man noch mehr über die auftretenden Personen aus "Ma Barker's Killer Brood" (1960). In englischer Sprache wird dieses Extra auf deutsch untertitelt und am Ende erwartet uns noch eine kleine Überraschung. Wäre ich damals ein Junior gewesen, ich hätte meine 3$ sofort investiert!
Neben der 25-minütigen Doku bieten die Extras außerdem noch eine Bildergalerie mit Filmmaterial und den amerikanischen Kinotrailer.
Ok, technisch ist die Scheibe ein Kraftakt nahe der Perfektion, aber kann der Film denn auch eingefleischte Kostverächter in Sachen Heist-Movies wie mich überzeugen?
Schwierig, aber durch das dick geschnürte Infopaket (Booklet, Doku) taucht man schonmal tief in die Materie ein und ist viel aufgeschlossener für das Gebotene.
Zu Beginn hat man den Eindruck, eine wilde Mischung aus "Die kleinen Strolche" und der Olson Bande zu erleben. Ma Barker ist schon eine ziemlich ausgekochte Braut, die auch nicht lange fackelt und ihren Buben direkt mal eine kellt, wenn sie sich bei der täglichen kriminellen Arbeit dämlich anstellen. Schnell wird außerdem klar, wer in der Familie der Barkers die Hosen an hat und wer das Zeug zu einem echten Gauner hat. Nach der kurzen Familiengeschichte springt die Story in der Zeit vorwärts und legt mit der eigentlichen Handlung los. Hier steigen dann auch die Ganovengrößen in die Handlung ein und machen Ma Barker mehr oder weniger das Leben schwer. Dabei ist sie nicht nur eine toughe Mutti, sondern hat auch echten Humor! Vor allem die Szenen mit der schönen Lou sind echte Brüller!
Es gibt viele Außenaufnahmen, Verfolgungsjagden in zeitgenössischen Boliden und etliche Schießereien. Viele kleine Details hat sich Regisseur Bill Karn einfallen lassen und konfliktreiche Reibungspunkte in das Leben der Familie Barker gesetzt. Außerdem gibt es noch eine ziemlich coole Gesangseinlage und andere geniale Klänge zu entdecken (allein die Musik im Intro, yay!) Die Story muss natürlich in einem klassischen Shootout enden, bei dem sich zeigt, wer die Nerven behält.
Ja, der Film rockt, macht Spaß und Lust auf mehr Streifen aus dieser Ecke. Die gnadenlosen Killer fügen sich nahtlos in die Reihe der Sensationsfilme ein und stellen dabei nichtmal wirklich einen Stilbruch dar. Es fällt mir wirklich schwer, hier auch nur irgendein Haar in der Suppe zu finden. Das Einzige, was sich wirklich bemängeln lässt, sind die ein bis zwei Längen, die der Film hat, aber eigentlich stören nichtmal die. Der Zombiebunker rät mal wieder zum Kauf dieser Scheibe. Wer einen klassischen Gangsterfilm in toller Aufmachung und technischer Aufbereitung möchte, der greift nicht zur Ramschfassung, sondern zu diesem Highlight. Da die DVD auf 1000 Exemplare limitiert ist, sollte man damit auch nicht zu lange warten. Schließlich unterstützt man damit auch weitere Perlen, die noch in der Reihe erscheinen werden und die diese liebevollen Umsetzungen verdienen.

Samstag, 28. Mai 2011

Erster Trailer zu Zombies From Outer Space

Vor ein paar Wochen hatten wir bereits über den ersten deutschen Zombie/Alien/Heimat-Film berichtet. Nach dem vielversprechenden Teaser, wurde jetzt auch ein fast 2 minütiger Trailer mit vielen schmackhaften Szenen veröffentlicht. Der Erwartungen werden größer und der Blick richtet sich gespannt nach Bayern!
Die Jungs und Mädels werkeln derzeit an der Postproduktion und planen die Fertigstellung des Streifens noch diesen Sommer. 

Freitag, 27. Mai 2011

Alles neu macht der Mai

Neu, neu! Olé!
Der Zombiebunker hat einen neuen Anstrich bekommen! Endlich mal wieder ein wenig Veränderung. Jetzt sind einige Sektionen etwas übersichtlicher geworden und wir sind 100% B-Film-kompatibel! Ich hoffe, es gefällt euch! 
An dieser Stelle noch mal ein ganz großes Dankeschön an Benjo Media für das sahnige Zuckerbanner über uns! AWESOME!
Außerdem ist auch die Rückkehr der Galerie des Grauens vollzogen. Ab Montag, den 30.5., 10 Uhr wird der erste Teil der Reihe bei ICatcher vorbestellbar sein. 1200 Exemplare stehen dieses Mal zur Verfügung. Hoffen wir, dass es nicht so schnell eng mit der Auflage wird.
Das Artwork ist final:
Wem das noch nicht genug an tollen Neuigkeiten ist:
Die OFDB hat heute die erste Ladung der gnadenlosen Killer von Subkultur verschickt! Mit etwas Glück trudelt die Scheibe der Drive-In Classics noch diese Woche ein und wird ausführlich besprochen!
***Update***
Die Killer sind eingetroffen:

Samstag, 21. Mai 2011

Monsters (Großbritannien - 2010)

Dieser Film war eine miese Falle! Der Monsterfilmfreund wird durch die tollen Marketingkampagnen im Vorfeld und die tentakelesken Riesenviecher in diesen Film gezogen. Man erwartet ein spektakuläres Endzeitdrama mit einstürzenden Wolkenkratzern und epischen Schlachten zwischen den mutierten Monstern und dem Militär. Wilde Verfolgungsjagden und testosterongeschwängerte Sperrfeuersalven, die Mutantenkörper durchlöchern und zerfetzen.
Aber darum geht es in diesem Film überhaupt nicht, und das macht, seltsamerweise, überhaupt nichts.
"Monsters" (2010) ist ein ganz behutsam agierender Film, der sich gemächlich aufbaut und den Zuschauer die Protagonisten auf ihrer Reise durch ein Niemandsland begleiten lässt.
Es verwundert auch gar nicht, dass das Charakterensemble des Streifens im Wesentlichen aus nur zwei Personen besteht, Samantha und Andrew.
Andrew ist Fotograph für eine Zeitung, deren Besitzer Samanthas Vater ist. Beide befinden sich in Mittelamerika und sollen zügig in die US of A zurück. Daddy erteilt Andrew also den Auftrag, Obacht auf seine Kleine zu geben und sie unbeschadet nach Hause zu bringen.
Nun ist es so, dass zwischen Mexiko und den USA eine Sperrzone, ein infiziertes Gebiet, liegt. Wie wir nach kurzer Zeit lernen, wird dieser Gürtel von Monstern heimgesucht, die offenbar zu bestimmten Jahreszeiten besonders aktiv sind und von amerikanischen Jagdflugzeugen mit chemischen Waffen bekämpft werden. Aber das ist alles nicht das Hauptthema. Wir erfahren über die Monster nur sehr wenig und das auch nur am Rande. Auf kluge Weise wird das Wissen durch Fernsehsendungen oder Plakate, die die beiden auf ihrem Weg sehen, vermittelt. Im Zentrum steht die Reise und die Interaktion der beiden Hauptdarsteller. 
Der ruhige Soundtrack und die genialen Landschaftsaufnahmen der subtropischen Gebiete lassen "Monsters" fast traumwandlerisch wirken. Auf ihrer Heimreise stellen sich den beiden einige Probleme in den Weg. Allerdings werden auch sozialkritische Aspekte in die Geschichte eingeflochten. 
Man kann sagen, dass der Film ein klassisches Roadmovie ist, das mit einer kleinen Liebeshandlung erweitert wurde. Diese ist allerdings erfreulicherweise sehr dezent in den Hintergrund gerückt und wird erst gegen Ende richtig thematisiert.
Über weite Strecken der Handlung wird allerdings das Vorankommen durch zerstörte oder von Elend befallene Gebiete illustriert.
Das macht "Monsters" auch so seltsam unterhaltsam und ganz anders, als die anderen Filme. Die eigentlichen Monster werden nur peripher behandelt und sie haben auch verhältnismäßig wenig Screentime. Dafür sind sie allerdings ganz gut animiert und kommen in klug ausgewählten Situationen vor. Die beiden Hauptdarsteller wirken überzeugend und gehen regelrecht in ihren Rollen auf. An Glaubwürdigkeit mangelt es hier definitiv nicht.
Überraschenderweise ist die Handlung nämlich nicht so vorhersehbar, auch weil sie mit den Erwartungen und Sehgewohnheiten des Zuschauers bricht. 
Das mag vielleicht auch der Grund sein, weshalb der Film relativ schlecht bewertet wird. Leute gehen einfach mit komplett falschen Erwartungen heran, die, zugegeben, durch das Coverdesign etc. induziert werden. 
Lässt man sich jedoch auf "Monsters" ein, erlebt man einen erfrischenden Film, der wundervoll fotografiert ist und sehr spannend sein kann. 
Es ist, wie schon bei "District 9" (2009), eine andere Geschichte, die nicht die Invasion zum Inhalt hat, sondern die Folgen. Außerdem geht es hier nicht um irgendeine amerikanische Metropole, die platt gemacht wird. Bei "District 9" war es Südafrika, hier ist es nun Mexiko. Damit einher gehen viele neue Möglichkeiten und Blickwinkel, die sowohl zum Nachdenken anregen, als auch ein anderes Seherlebnis erzeugen. Klar, der Film hat kein riesiges Budget (nur 15'000$!!!) gehabt, aber es wurde sich auf das Wesentliche konzentriert, um das Maximale dabei herauszuholen. Das ist komplett gelungen und veranlasst mich, den Streifen auch in naher Zukunft erneut in den Player zu schmeißen. Auch wenn es über weite Strecken gar nicht so den Anschein erwecken kann, ist "Monsters" auch irgendwie ein "feel good movie", das den Moment und die Reise zelebriert. 
Man kann sich gut vorstellen, dass nach dem ungewöhnlichen Ende eine Fortsetzung folgt. Ich würde es mir wünschen und hoffen, dass man dem eingeschlagenen Kurs auch im Sequel folgen würde. Besonders zur Geltung kommen die Aufnahmen allerdings auch durch das HD-Erlebnis. Auf Blu-Ray ist das Bild wirklich bemerkenswert und gibt dem Ganzen noch eine völlig andere Tiefe. Zudem mit einem schicken Steelbook und vielen Extras, die ich mir in freudiger Erwartung noch vornehmen werde, superb ausgestattet. Toller Film, lange habe ich nicht mehr ein so geistreiches Werk bewundern können. Das FSK-Siegel ist zudem ablösbar. Ein klarer Vorteil und sehr löblich!

Freitag, 20. Mai 2011

Creepy Images #7 im Juni

#7 mit 64 farbigen Seiten für 6,50€

Es ist wieder soweit! Die neue Ausagbe, der sich mit Filmdevotionalien und -plakaten beschäftigenden, Creepy Images steht in den Startlöchern.
Schon im Juni erwarten uns 64 weitere Seiten mit Abbildungen dieser Filme:

  • Terence Fishers "The Gorgon" (Die brennenden Augen von Schloss Bartimore - 1964) - kompletter deutscher Aushangsatz inkl. Plakatmotiv
  • Joe D'Amatos "Rosso Sangue" (Absurd - 1981) - italienischer Fotobusta-Satz inkl. Plakatmotiven
  • Lamberto Bavas' "Domini" (Dämonen 2 - 1985) - komplettes japanisches Werbematerial
  • Jorge Graus' "Non si deve profanare il sonno dei morti" (Invasion der Zombies - 1974) - komplettes spanisches Werbematerial
  • Umberto Lenzis "Il Paese del sesso Selvaggio" (Mondo Cannibale - 1972) - kompletter deutscher Aushangsatz inkl. Plakatmotiv
Außerdem dabei ein 9seitiges Special über die Plakate und Aushangfotos zu den Filmen des "Godfather of Gore": Hershell Gordon Lewis von Wolfgang Jahn und eine neue Rubrik namens "Treasures from the vault" Chapter 1: Der Mann mit der Totenmaske.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Swedish Sensationsfilms - Daniel Ekeroth und "Anita - ur en tonårsflickas dagbok" (1973)

Obacht, es wird schmutzig!  
Daniel Ekeroth ergründet in seinem Buch "Swedish Sensationsfilms" die Abgründe des schwedischen Sexfilms und Actionthrillers. Nachdem er bereits den schwedischen Death Metal unter die Lupe genommen hatte, widmet er sich nun dem nächsten unkonventionellen Thema.
Wobei, anders als in seinem Vorgängerwerk, in dem er explorativ die Entstehungsgeschichte der Musikrichtung zum zentralen Thema machte, wählt er bei "Swedish Sensationsfilms" einen anderen Weg. 
Im Grunde ist das Werk ein Lexikon, das eine schmuddelige Sparte von skandinavischem Filmgut kanonisiert und somit ein kleiner Reiseführer durch die Welt des schwedischen Sleaze darstellt. Ähnlich wie in Deutschland war man in Bezug auf Nudität in Filmen auch in Schweden liberal eingestellt. Noch in den 50er Jahren war jegliche Form von Nacktheit verpönt, durch die 60er-Bewegungen konnten sich Frauen immer stärker emanzipieren und die neugewonnen Freiheiten genießen. Als der später bei einem Attentat ermordete schwedische Staatsminister Olof Palme noch das Amt des Kulturministers innehatte, sorgte er zum Beispiel dafür, dass "Dom kallar oss mods" (1968), nachdem es durch die Zensurbehörde verboten wurde, eine ungeschnittene Freigabe erhielt.
Christina Lindberg in "Thriller" (1974)
Neben einer knappen, definitorischen Einleitung lässt Ekeroth eine Ikone der Sleazedekaden zu Wort kommen: Christina Lindberg. Die Göteborger Schönheit partizipierte in etlichen Machwerken und war stilprägend für den schwedischen Sensationsfilm. Nachdem sie in Herrenmagazinen wie Playboy oder Penthouse posierte, wirkte sie in 23 Filmen mit. Heute ist sie Chefredakteurin der größten kommerziellen Flugzeitschrift "Flygrevyn".
Neben den vielen schwedischen Produktionen wie "Anita - ur en tonårsflickas dagbok" (1973) oder "Thriller - en grym film" (1974) wirkte sie auch in der deutschen Filmreihe "Schuldmädchen-Report" (1970-80) mit. "Thriller" avancierte dann auch dank eines gewissen Herrn Tarantinos und seiner Hommage "Kill Bill" (2003) zu einem Meilenstein und später Ehre.
Wem wie mir die schwedischen Sleazestreifen bisher verborgen geblieben sind, dem kann ich das Buch wärmstens ans Herz legen. Neben einer kurzen Synopse gibt es Einschätzungen zu 200 Filmen, den Casts und einige Anekdoten. Das Buch erschien in englischer Sprache.
Bisher waren diese schwedischen Granaten hierzulande unveröffentlicht bzw. liefen nur seinerzeit in den Lichtspielhäusern. Das könnte sich jetzt allerdings ändern, da das Label Candybox den Klassiker "Anita - ur en tonårsflickas dagbok"(Das Schwedenmädchen Anita - 1973) im Juni bei uns veröffentlichen wird.
Das Cover gefällt durch den sleazy Look und der Streifen wird in einer kleinen Hartbox in Lederoptik veröffentlicht. Als Nichtkenner dieses Vintageheulers freue ich mich natürlich ganz besonders, dass sich ein Label dieser Perlen annimmt und sie nach ihrer Erstaufführung in den Kinos 1974 erneut für Filmfreunde zugänglich macht. 


Dienstag, 17. Mai 2011

Cover zu "The Monolith Monsters" (Das Geheimnis des steinernen Monsters - 1957)

Das Cover zum ersten Titel ist bei ICatcher aufgetaucht! Es kann also nicht mehr lange dauern, bis die Rückkehr der Galerie des Grauens anbricht und vorbestellt werden kann. Es scheint, dass der Termin Juni, gehalten werden kann. Man darf gespannt sein und sich auf die Invasion der Steine freuen!

Samstag, 14. Mai 2011

Gratis Comic Tag 2011 Kiel - Die Toten und Weissblechs Geisterstunde

Holladiho!
Endlich sesshaft in einer Stadt, die an diesem tollen, kulturellen Ereignis, vertreten durch das Fantasy Reich, teilnimmt, habe ich mich in aller Frühe zum Comicshop begeben und zur Comichatz geblasen. Es ist einfach großartig, dass sich die Verlage und Comicläden zusammenschließen und ein derart schönes Projekt auf die Beine stellen. Nach dem Vorbild des amerikanischen Free Comic Book Day, der immer am ersten Samstag im Mai stattfindet, gibt es in Deutschland dieses Jahr bereits die zweite Auflage des Gratis Comic Tags.
Punkt 10 Uhr wurden die Pforten zur Bilderwelt in der Langen Reihe geöffnet und eine beachtliche Menge wartender Comicfreunde betrat das Fantasy-Reich.
Aus 44 verschiedenen Comics konnte man pro Nase 4 Stück und das speziell für Kiel produzierte "Pure Fruit"-Heft abgreifen. Der Andrang war groß, doch ich konnte meine beiden Must Haves "Die Toten" vom Zwerchfell Verlag und Weissblechs "Geisterstunde" ergattern. Bei den Toten erwischte ich doch tatsächlich das allerletzte Exemplar.
die Künstler vor Ort
Außerdem konnte ich "Wasteland" von Modern Tales, "Perry" von der Alligator Farm, "Professor Bell" vom Avant Verlag, "Thor" von Marvel und "The Goon" von Cross Cult mitnehmen. Das Prinzip, nicht alle Gratiscomics auf einmal auszulegen und später immer wieder aufzufüllen, ist auf jeden Fall ein gute Idee. Waren nach dem ersten Ansturm einige Stapel schon stark dezimiert bzw. nicht mehr vorhanden, haben so auch später noch Leute die Chance, ihr Comic der Wahl zu bekommen.
Besprechungen zu den jeweiligen Comics werden in den nächsten Tagen folgen!
Ich habe 2 Exemplare von "Pure Fruit", dem Kieler Spezialcomic, mitgenommen, also falls jemand das Heft gerne haben möchte und nicht nach Kiel kommen konnte, ein Kommentar zu diesem Beitrag und es gehört euch!
Außer den Gratiscomics hatte Comicshopinhaber Peter den Hoet aber noch einige Künstler eingeladen. Neben Weissblechs Meister Levin Kurio zeichneten Fahr Sindram und Tim Eckhorst (Metall macht Musik) fleißig.
Zombies für den Zombiebunker
Nachdem ich meine Gratiscomics sicher verstaut hatte, zog es mich, als passionierten Horrorschocker-Freund, natürlich zu Herrn Kurio himself. Ich deckte mich mit den neuesten Weissblecherscheinungen ein und ließ sie mir mit güldenem Stift signieren! Außerdem zeichnete ein, trotz früher Morgenstund, gut gelaunter und extrem sympathischer Levin Kurio, einen Zombie für den Zombiebunker. Vielen Dank!
Weitere Zeichner wie Volker Sponholz und Jannes Nowak standen auch noch auf dem Programm. 
Beim Jume swar allerdings auch noch einiges auf der Agenda: Ab 11 Uhr eine Ausstellung zum Release von Pure Fruit #1, zwischen 14 und 16 Uhr wird dann ein Comiczeichenkurs für Kinder mit Kim Schmidt stattfinden und zum Abschluss ab 20 Uhr die Gratis Comic Nacht mit Livemusik von Miss Lauren Marie & The Halebops und Sprottenrock ebenfalls im Jume eingeläutet. Fettes Programm also!
Tja und weil ich schon im Comicladen war und man bei so einem tollen Event auch gerne etwas zurück gibt, hab ich mir neben den Weissblechneuheiten auch gleich noch "Heiligtum" von Xavier Dorison und Christophe Bec vom Splitter Verlag gekauft.
Dick eingedeckt und glücklich, habe ich dann den Rückweg eingeschlagen, noch ein leckeres Fischbrötchen auf dem Markt verschlungen und es ein wenig bedauert, dass ich der Abschlussfete nicht beiwohnen kann. 
Trotzdem, alles in allem ein absolut gelungener Gratis Comic Tag. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal an das Team vom Fantasy Reich, die Zeichner, Verlage und Künstler vor Ort. Einfach spitze! Ich hoffe, dass viele neue Leser gewonnen werden konnten und ich habe mir auch wieder Schnupperhefte mitgenommen, nachdem ich letztes Jahr viele neue Sachen für mich entdeckt habe. 
Kommen wir nun zu den Comics des Tages: Pure Fruit #1 beinhaltet eine kleine Geschichte über eine lebendige Nachbarschaft (Antonia Kühn), saukomische Sachen von Volker Sponholz, Kurioses aus dem Leben von Franziska Ludwig, philosphisch Nachdenkliches von Tim Eckorst, pointiert Seltsames von Gregor Hinz und eine ganz eigenwillige Geschichte eines Gitarrero von Jannes Nowak. Eine bunte Mischung mit ganz unterschiedlichen Stilen und Themen. Toll!
Weissblechs Geisterstunde wartet mit satten 4 Geschichten auf. Es verschlägt uns in die Zukunft (Xydoon spricht...), in die Vergangenheit (Henker einsam) und in die Gegenwart (Gestrüpp). Außerdem gibt es die exklusive Geschichte "Gratis Gruseln die Geister..." mit der Gespenster- und Geistergesellschaft. Wie immer auf hohem Niveau wird uns eine düstere Science-Fiction-Geschichte mit tollen Zeichnungen von Klaus Scherwinksi kredenzt, eine tragikomische Erzählung über einen Henker und seine Phantastereien und ein weiteres, phantastisches Abenteuer eines Gauners, der sich an der falschen alten Dame bereichern wollte. Mit viel schwarzem Humor und Feinsinn lohnt die Lektüre des Hefts, definitiv! Auch wenn man einigen Geschichten bereits aus den Horror Schockern oder den Welten des Schreckens kennen sollte. Spätestens die Exklusivgeschichte mit ihren vielen geistreichen Querverweisen und Lachern, macht dieses Heft ganz besonders!
Ebenfalls herbeigesehnt: das "Die Toten"-Special vom Zwerchfell Verlag. Christopher Taubers, von Ingo Römling umgesetzte, Geschichte über ein Mädchen und ihre Begegnungen in ihrer alten Schule ist zuerst ganz ruhig. In klaren Formen und schlichter Farbgebung erleben wir eine verstörte Schülerin und ihre Liebe. Die Story vermischt Vergangenheit mit Gegenwart und wird in einem passenden Stil erzählt. Die Pointe ist schlichtweg brilliant!
Ein derart gedankenschwangeres und grandios illustriertes Werk hätte ich nicht erwartet. Dieses Special ist großartig und macht sehr viel Lust auf mehr. Nach dem freundlichen Wachtmeister und der Postbotin erwischt es in Band 3 den Sani. Eijeijei.

Montag, 9. Mai 2011

War Of The Worlds (Kampf der Welten - 1953) und der Invasionsfilm/das Invasionsbuch als solcher/s

Endlich wieder eine Filmbesprechung und dann noch einen: Blockbuuuuusteeeeeer (man stelle sich eine Sirene und einen schlecht frisierten Brian Connolly vor)!
Und genau das ist dieser Streifen. Ein Effektfeuerwerk sondergleichen und ich bin mir sicher, dass es für die Zuschauer in den damaligen Kinos eine Offenbarung gewesen sein muss, diesen Film zu schauen. So etwas hatte man bis dahin noch nicht gesehen. Die komplette Zerstörung und das totale Chaos! Wenn man bedenkt, dass man in den 50ern noch viel weniger über den Weltraum wusste, was für eine grandiose Ausgangsgefühlslage für einen gepflegten Kinobesuch. 
Invasionsfilme. Ich liebe Invasionsfilme! Vor allem dann, wenn sie in den goldenen 50er Jahren gedreht wurden, als noch hinter jedem strauchbewucherten Hügel eine Untertasse abstürzen, Tieren noch durch verrückte Wissenschaftler zu unermesslichem Wachstum verholfen werden konnte und man sich zu keiner Zeit sicher war, ob der Mensch gegenüber nicht bereits von einem gehirnfressenden Außerirdischen heimgesucht wurde und im Inbegriff war, die Welt zu okkupieren. 
Auch deutsche Autoren, wie Thomas Le Blanc, beackerten das Genre
Natürlich spielt sich so etwas in einer Wüstenregion irgendwo in Amerika in der Nähe irgendeines kleinen Städtchens ab. Mit dabei der liebenswürdige Trottel, dessen sonderbarer Fund nicht ernst genommen wird, weil er am Tag eine Flasche Jack Daniels leert, aber auch der Held, der oft ein Wissenschaftler oder vom Militär ist und eine Barbedienung, Kellnerin oder Assistentin vor den Klauen der geheimnisvollen Eindringlinge retten wird.
Invasionsfilme sind etwas ganz Besonderes und leider ist das damals so munter florierende Genre über die Jahre immer stärker verkommen, wurde in Großstädte verlagert und mit CGI-Effekten ins Grab gebracht. Mir fiele bis auf "The Faculty"(1998) kein brauchbarer Streifen der letzten 20 Jahre ein. Ok, "Mars Attacks" (1996) vielleicht noch, aber ansonsten?
"War Of The Worlds" (1953) ist die Mutter aller Invasionsfilme und die literarische Vorlage kann man wohl auch als die Mutter aller Invasionsromane bezeichnen. Aber auch dort gab es noch weitere, tolle Werke, die verfasst wurden. Allen voran natürlich das legendäre "Day Of The Triffids" von John Wyndham, das in den 60ern als "Day Of The Triffids" (Blumen des Schreckens - 1962) sehr gut verfilmt, hierzulande aber in einer denkbar fürchterlichen Qualität veröffentlicht wurde, die jedem Anspruch spottet. Liebe Labels: hängt euch da mal rein. Der Film hat es verdient! Mein Buchexemplar, die deutsche Ausgabe von 1969 (lange vor meiner Geburt), hat komplett vergilbte Seiten, riecht modrig und zerfällt kontinuierlich in seine Einzelteile, aber genau deshalb ist das Lesen dieses Werkes ein heiliger Akt, der jeden Sommer, wahlweise am heißesten Tag, zelebriert wird!
Die süße Wissenschaftlerin Sylvia und Clark Kent...nein, natürlich Dr. Clayton Forrester
Aber auch das Buch "Die Marionetten-Spieler" (Weltraummollusken erobern die Erde) von  Robert A. Heinlein kann an dieser Stelle als Empfehlung erwähnt werden. Ein kleiner Rip-Off von Jack Finneys großartigem "The Body Snatchers", der sich trotzdem gut liest. Ich merke allerdings, wir gleiten etwas vom eigentlichen Thema weg.
Das spektakuläre Buch von H. G. Wells fesselt den Leser auch heute noch und beeindruckt mit einer zu Beginn heimeligen Atmosphäre und einer sehr spannenden Handlung. Byron Haskin hat die Geschichte nun um ein paar Jahrzehnte in die Zukunft verlagert, bleibt der Buchvorlage aber trotzdem in erstaunlich vielen Szenen treu. 
Die Story beginnt, ganz so wie im Buch, mit einem Erzähler aus dem Off, der uns vom Mars und all den anderen Planeten (und Nicht-mehr-Planeten im Fall von Pluto) berichtet. Visuell werden sie sehr ansprechend dargestellt und der Zuschauer seinerzeit könnte den Anfang noch für eine weltexklusive Dokumentation halten.
Der brennende Busch!
Dann stürzen Sternenkörper vom Himmel und versetzen in ihrer Folge die Menschheit in Angst und Schrecken. Mit ihrem tödlichen Laserstrahl zersetzen sie Materie und sind, auch wenn ein Pfarrer fest von Gegenteiligem überzeugt ist, durch und duch feindlich eingestellt.
In einem kleinen Wüstenkaff geht es los, dort stürzt der erste Meteorit ab und wird von den Dorfbewohnern untersucht, bis gelehrte Professoren die Szenerie betreten und mehr Aufschluss versprechen.
Schon bald zeigen sich die Invasoren bzw. ihre Tentakelspektralaugen und ihre Miniraumschiffe. Die menschliche Meute wird in die Flucht geschlagen und unser Quotenliebespaar verschanzt sich schließlich in einem leerstehenden Haus, um sich erstmal ein Spiegelei in die Pfanne zu hauen (das kurz vor dem Verzehr nicht besonders durchgebraten aussieht). 
Weltraumklotz trifft Farm
In den folgenden Szenen sehen wir auch einen unglaublichen Außerirdischen durch das Bild wackeln. Ein bisschen wie ET, aber trotzdem sehr furchteinflößend. Hätte ich damals im Kino gesessen, wäre ich vermutlich komplett ausgerastet!
Aber nicht nur die großartigen visuellen Effekte suchen ihresgleichen, auch die Ausstattung von "War Of The Worlds" ist einmalig. Eine Fülle an Statisten ist zugegen, es finden über 50% der Szenen im Freien statt und eine Innenstadt wird in Schutt und Asche gelegt. Außerdem ist die charaktergetriebene Handlung unglaublich spannend und lässt den Film zu keiner Zeit langweilig erscheinen.
Außerdem ist der Streifen, trotz des frühen Entstehungsjahres und weil es eben auch ein Paramount Bigpicture ist, in Technicolor! Auch wenn ich mir optional eine s/w-Fassung gewünscht hätte, geht das in Ordnung. Leider habe ich nur die gammelige Singlediscversion ohne Extras. Es existiert jedoch auch eine Special Edition mit viel Bonusmaterial.
Marsianer marodieren durch die Straßen
Ein toller Film, der in der Tradition des Buchklassikers und des Hörspielhighlights von Orson Welles, ausgefahrene Kinnladen hinterlässt. Lediglich das christliche Geschwurbel am Ende nervt ein wenig und hätte auch anders, neutraler, umgesetzt werden können. Aber wir wollen nicht so sein, denn dank "War Of The Worlds" haben wir noch viele weitere Alieninvasionsfilme wie "Earth Vs. Flying Saucers" (1956), "Invasion Of The Body Snatchers" (1956) oder "It Came From Outer Space" (1953) erhalten. Noch ein paar Worte zur Bildqualität. Die ist ausgesprochen scharf und wirklich beeindruckend knackig für einen Film, der vor fast 60 Jahren abgedreht wurde. Klar, ein großes Filmstudio hat auch ganz andere Möglichkeiten, einen Film zu lagern und über die Zeit zu bringen, aber als Filmfreund geht einem dann doch das Herz auf. Über dieses fürchterliche Remake mit dem Scientologen in der Hauptrolle sprechen wir hier erst gar nicht. Ein Klassiker, den jeder wenigstens ein einziges Mal in seinem Leben gesehen haben sollte! Wer noch außergewöhnliche Invasionsfilmfilmtipps auf Lager hat, scheut euch nicht, in den Kommentaren Empfehlungen preiszugeben! 
Coole Invasionsfilme, die noch auf ihre adäquate Umsetzung warten:
  • Invasion Of The Saucer Man (1957)
  • Target Earth (1954)
  • Kronos (1957)
  • Devil Girl From Mars (1954)
  • It! The Terror From Beyond Space (1958)
  • Robot Monster (1953)
  • Teenagers From Outer Space (1959)
  • The Brain Eaters (1958)
  • Invaders From Mars (1953) ungeschnitten

Mutter der Invasionsliteratur nebst Mutter der Invasionsfilme in trauter Eintracht

Sonntag, 8. Mai 2011

Galerie des Grauens - Ein Blick zurück und nach vorn

Vor fast 2 Jahren, im Juni 2009, erblickte eine Filmreihe der besonderen Art das Licht der Welt. Anolis, bekannt durch die hervorragende Hammer-Edition und weitere exzellente Veröffentlichungen von Klassikern, traf einen Nerv, den nicht mal die mit hoher Reputation bedachten Hammerstreifen zu treffen vermochten. Innerhalb kürzester Zeit ging Film Nr. 1, "The Crawling Eye"(1958), samt Box über die virtuellen Ladentische und schmückt seitdem die DVD-Regale monsteraffiner Filmfreunde. Auch wenn ich mich im Vorfeld schon mit alten Streifen auseinandergesetzt hatte und heute froh bin, die "Universal Monster Legacy"-Box seinerzeit erstanden zu haben, platzte bei mir der Knoten erst mit der Galerie so richtig. Es entstand dieser anfangs noch inhaltsverwirrte Blog und ich stolperte mich noch unbeholfen durch meine Besprechungen. Man kann sagen, es ist das Verdienst von Anolis und ihrer Reihe, dass mich dieses Fieber, versunkene, kulturelle Filmepochen zu ergründen, gepackt hat. Mit weiteren tollen Streifen wie "A Bucket Of Blood" (1959) wurde dann auch zugleich der eigene Horizont für zeitgenössische Filme erweitert und die Audiokommentatoren der Extraklasse eingeführt. Letztere tragen sicherlich auch, zumindest für mich persönlich, dazu bei, sich noch intensiver mit diesem Nischengebiet auseinanderzusetzen. Es folgte "The Atomic Submarine"(1959), der für viele als einer der schwächeren Streifen gilt, mich aber vor allem durch die bezaubernde Joi Lansing und einen gut gewählten Konflikt überzeugen konnte. "The Killer Shrews" (1959) war dann schon ein Heuler von einem ganz anderen Kaliber. Nervtötend, handlungsarm, aber mit einer total bescheuerten Geschichte und einer noch viel schlimmeren Umsetzung gesegnet, wurde der Film in Ergänzung mit dem tollen Audiokommentar schnell zu einem meiner absoluten Lieblingsstreifen aus der Reihe. Obwohl Gleiches auch für "Fiend Without A Face" (1958) Gültigkeit besitzt. Hier hatte der Film zwar kleinere Startprobleme, um in die Handlung zu kommen, aber wartete mit einem Showdown auf, der mich zutiefst beeindruckt und völlig überrascht hatte. Klar, so sehr ich diese Streifen liebe, ich gehe dennoch an jeden mit absolut niedrigen Erwartungen heran und die Fiends haben da ganze Arbeit geleistet. "First Man Into Space" (1959) ist zwar ein auf dem Papier toller Film, der auch etliche denkwürdige Szenen (nicht zuletzt das Kackemonster) und Ideen hat, rückblickend jedoch irgendwie etwas abfällt und mich nicht so stark unterhalten konnte wie seine Mitkonkurrenten. Ganz anders war da "The Giant Behemoth" (1958), einzige Veröffentlichung mit zwei DVDs. Das Machwerk unterscheidet sich doch etwas von den anderen Galerietiteln und erinnert stark an großartige und weniger billige Filme des Ray Harryhausen. Mit den tollen Drehorten und dem gelungenen Monster ein weiteres Highlight der Serie. Zwei Monate später kam Oppa Locher! "Frankenstein's Daughter" (1958) - an Lächerlichkeit nicht zu überbieten, mit dem schlimmsten Filmmonster, das man sich überhaupt vorstellen kann. Durchzogen von wirren Logiklöchern und veredelt mit dem fabelhaften Audiokommentar von Strecker und Keßler. Der Streifen, mit dem ich wohl am meisten Spaß hatte. Der vorletzte Titel, "Day The World Ended" (1955), gehörte dann schon wieder eher in die Kategorie Film, die durch ihre Handlung und Inszenierung begeistern konnte und als krönende Zugabe ein beklopptes Mutantenmonster mit lustigen Bömmeln auf den Schultern zu bieten hatte. Zeitgleich tauchte auch John Agar in "The Brain From Planet Arous (1957) wieder im Wohnzimmer auf und beglückte uns mit diesem kruden und seltsamen Filmchen, das bis heute den letzten Titel darstellt.
Aber bald ist es wieder soweit, und ich freue mich diebisch auf den Tag der ersten Veröffentlichung, die Galerie kehrt zurück und einige Titel sind bereits bekannt. Sie sollte zwar schon lange da sein und für denjenigen, der gespannt darauf wartet, waren die vielen Vertröstungen schmerzlich, mit großer Sicherheit aber auch für Ivo und seine Mannschaft. Wollen wir hoffen, dass der derzeit angepeilte Termin, Juni, gehalten werden kann und wir endlich in den Genuss von neuen Monsterfilmen kommen können.
Daher ist es vielleicht keine schlechte Idee, noch einmal den Stand der Dinge zu konstituieren und eine kleine Trailerschau auf die kommenden Wochen und Monate zu bringen, um die Wartezeit durch ein wenig Nostalgie und Vorfreude zu verkürzen.
Was wir wissen: Die Reihe startet mit dem von vielen herbeigesehnten "The Monolith Monsters" (1957). Eine Wüstenstadt, und bei Invasionen sollte es immer eine kleine amerikanische Wüstenstadt sein (!), wird von einem Meteor getroffen und in Folge dessen von geheimnisvollen, bergmassivgroßen Kristallen bedroht. Der Trailer zeigt uns schon die phantastischsten Bilder:
Außerdem wissen wir: "The Mole People" (1956) und zwar in einer neuen Synchronisation. Maulwurfsmenschen, John Agar und ich bin sowas von dabei! Vor allem auf den Ton bin ich gespannt und an welcher Stelle der Flick erscheint.
"War Of The Colossal Beast" (1958) wurde ebenfalls bestätigt und scheint ein nicht minder drolliges Filmchen mit seltsamen Effekten und einer tragischen Titelfigur zu werden! Es ist eine Fortsetzung des leider derzeit noch unveröffentlichten "The Amazing Colossal Man" (1957).
Des Weiteren kommt "Night Of The Blood Beast" (1958). Eine Geschichte, ähnlich dem Hammerfilm "The Quatermass Xperiment" (1955) oder "First Man Into Space" (1959), in der eine Rakete mit sonderbarem Inhalt zurück auf die Erde kommt. Amöbenmonster galore!
Mit "Earth Vs. The Spider" (1958) kommt dann auch endlich wieder ein klassischer Tierhorror in die Reihe. In einer finsteren Höhle entdeckt man ein Riesenvieh, betäubt es und denkt, man hat es getötet. Ein Tartantula-Epigon in der Tradition von Jack Arnold? Möglich! 
Außerdem stehen noch folgende Titel auf der "Könnte sein"-Liste:
  • "How To Make A Monster" (1958)
  • "The Land Unknown" (1957)
  • "Missile To The Moon" (1958)
Der Roger-Corman-Film "War Of The Satellites" (1958) sollte zwar ursprünglich in der Box sein, wird allerdings in einer ganz besonderen Form veröffentlicht ;)
Bleiben also zwei Slots frei, die noch mit Knallern bestückt werden können. Allerdings bin ich mit der derzeitgen Auswahl schon hochzufrieden. Liegt jedoch auch daran, dass ich die Filme nicht kenne und mich daher auf die neue Entdeckungsreise freue. Dass die Streifen in einer angemessenen Qualität erscheinen, daran gibt es auch aufgrund der makellosen Vorgängerveröffentlichungen keinen Zweifel. Ich schaffe jedenfalls schon mal Platz im Regal!

Freitag, 6. Mai 2011

Belve feroci (1982) und Mondo Candido (1975) im Anmarsch


Bei Camera Obscura wird fleißig an weiteren Veröffentlichungen der Italian Genre Cinema Collection gearbeitet und Nr.7 macht dabei beachtliche Fortschritte. "Belve feroci" (1982), ein waschechter Tierhorrorstreifen, ist mittlerweile als hübsches Master aus dem krisenerschütterten Japan bei Camera Obscura eingetroffen. Ein Interview mit Regisseur Franco Prosperi ist ebenfalls im Kasten und man darf gespannt sein!
Trailer: 

Außerdem wird an der obskuren Nr. 8 ebenso aufwändig gebastelt. "Mondo Candido" (1975) ist ein phsychodelischer Tripp, eine Verfilmung von Voltaires unverdaulich-pessimistischem "Candide oder der Optimismus" und wartet mit grotesken Bildern auf den für unkonventionellen Kinogenuß offenen Zuschauer. Als Bonusmaterial werden ältere Interviews mit Jacopetti, aber auch neue mit Prosperi drauf sein, sowie Erinnerungen des Make-Up-Zuständigen Pier Antonio Mecacci.
Und ganz obendrauf kommt dann endlich wieder ein Audiokommentar mit Christian Keßler und Marcus Stilegger. Großartig! Bilder der Veröffentlichung gibt es auf der Facebookseite der Filmschmiede.

Giallo - die Farbe des Todes

Nachdem diese chronologische Abhandlung über den italienischen Thrillerfilm jetzt seit einigen Monaten in meinem Besitzt ist und ich den Inhalt ausreichend studiert und verinnerlicht habe, hier ein paar Worte über die Veröffentlichung.
Es ist gelb, es ist groß und liegt schwer in der Hand. Äußerlich ist Denny Corsos wie ein alter Schundroman bzw. wie abgegriffene Comichefte gestaltet. Im Überformat (größer als A4) präsentiert es uns auf fast 150 Seiten über 200 Filme. Dabei geht der Autor nicht nach Regisseuren vor, sondern streng chronologisch, was sicherlich ein geeigneter Ansatz ist!
Neben einer kurzen Entstehungsgeschichte und einem schnellen Filmtitelregister, liegen die Stärken des Buches definitiv in seinem enzyklopädischen Charakter. Man kann immer wieder stöbern und wird auf interessante Filme aufmerksam gemacht. Zu jedem Streifen finden sich ein paar Worte über den Inhalt, sowie Anekdoten oder bemerkenswerte Begebenheiten. Dabei begeistert mich vor allem der erfrischend ungezwunge Ton des Autoren, der eben nicht stoisch analysiert, sondern mit dem Leser einen kurzen Schnack hält, ihn begeistert und mitnimmt. 
Klar, einigen wird diese eher unkonventionelle Art nicht unbedingt behagen, aber für mich passt es zum ohnehin, aus heutiger Sicht, mit einem Augenzwinkern zu sehenden Genre.
Außerdem finden sich zahlreiche Plakatmotive, Aushang- und Szenefotos und VHS Covers auf den Seiten wieder. Auf manchen Seiten ist die Bebilderung vielleicht sogar zu intensiv, aber trotzdem insgesamt sehr gelungen ausgefallen. Zu den einzelnen Filmen finden sich zudem Angaben über eine etwaige deutsche DVD-Auswertung. Sehr cool!
Kritik kann man lediglich an ein paar orthographischen Fehlern äußern, aber die sind bei weitem in der Unterzahl und nicht so hochfrequent, dass sie das Lesevergnügen schmälern könnten. Ein paar Interviews mit Darstellern oder Regisseuren hätten die Sache vielleicht noch etwas mehr abgerundet. 
Insgesamt mit 24,95€ ein sehr stattlicher Preis, aber in unseren Nischengenre auch nichts Ungewöhnliches, für ein Überblickswerk, das die tollen Thriller der späten 60er und 70er Jahre beleuchtet. Ein ausführliches und ins Detail gehende Werk, sollte man hier jedoch nicht erwarten. Es wird, wie beschrieben, nur sehr knapp auf einzelne Filme eingangen. Daher eignet es sich vor allem für Einsteiger sehr gut. Ein netter Nebeneffekt bei der Lektüre: man bekommt sofort wieder Bock einen Giallo in den Player zu schmeißen!
Von mir eine klare Empfehlung!

Dienstag, 3. Mai 2011

Drive-In Classics No 3. Die gnadenlosen Killer

Salom, salom!
Es hat wieder begonnen! Ma Barker geht schon bald im Kreis herum! Die dritte Veröffentlichung der Drive-In Classics von Subkultur Entertainment ist ab sofort vorbestellbar! Dieses Mal wird die Auflage auf 1000 Einheiten limitiert sein.
Voraussichtlich kommt der Film "Die gnadenlosen Killer" (1960) dann am 27. Mai heraus!
Bei OFDB kann man sich den Gangsterstreifen derzeit unter Zuhilfenahme einer Aktion ohne Versandkosten klicken!

Sonntag, 1. Mai 2011

Romantically Apocalyptic - ein kostenloses Webcomic

Vor Kurzem habe ich ja bereits auf das abgedrehte Webcomic "Axe Cop" hingewiesen, der mittlerweile auch als Printvariante gut funktioniert. Damit man auch weiterhin nach Lust und Laune und ganz ohne Monetos tolle Medien konsumieren kann, wieder eine Empfehlung aus dieser Ecke. Heute wird es allerdings ein wenig anders. Als Comicstrip kann man dieses visuelle Kleinod zwar auch einstufen, trotzdem unterscheidet sich Romantically Apocalyptic grundsätzlich vom axtschwingenden Schnurrbartbullen.
Wir befinden uns in einer postapokalyptischen Einöde. Es gibt keinerlei Anzeichen von Lebensformen....nur die skurrilen Charaktere namens Captain, Sniper und Pilot sind noch unterwegs. In Trenchcoats und Gasmasken gehüllt, stolpern sie durch eine zerstörte Welt. Und Gasmasken als solche sind ja bekanntlich per se schon ziemlich cool und man liegt mit ihnen egal in welcher graphischen Form immer goldrichtig! Ein Comic über einen langweiligen Hasen würde doch niemand lesen, hat das Vieh aber eine Gasmaske auf, sieht das schon ganz anders aus! Wenn dann auch noch Tentakeln mit ins Spiel kommen, hast du zumindest mich wie einen Fisch am Haken!
Aber zurück zum Thema... Einöde, Stadtruinen und Trümmer, so weit das Auge reicht. Nun möchte man denken, dass die Unternehmung eine ziemlich trostlose und wenig humoristische sein könnte. Zum Glück ist der Captain allerdings dem Wahnsinn anheim gefallen und zwar einer durchaus sympathischen Variante. So hält er zum Beispiel Palaver mit den letzten zivilisatorischen Überresten in Gebäuderuinen und bringt sein Gefolge durch seine naive und wirklichkeitsferne Interaktion mit der Umwelt in Schwierigkeiten. Der geistreiche Humor erzwingt immer wieder Lachanfälle über die Dialoge und absurden Ideen, die in dieses erfrischende Projekt einfließen.
Sind die ersten "Ausgaben" noch "Einzelsketche", wird schon bald eine komplexere Geschichte, die über mehrere Episoden verläuft, erzählt. Trotzdem gibt es immer wieder die hirnrissigsten Einfälle und deren Konsequenzen zu belachen. Man muss sich nur drauf einlassen.
Bemerkenswert ist auch die graphische Umsetzung. Romantically Apocalyptic ist kein herkömmlicher Comic und schon gar nicht gezeichnet. Vielmehr sind die Charaktere abfotografiert und anschließend in digitalisierter Form bearbeitet. Zu dieser Ästhetik kann man stehen, wie man will, und überwiegend ist mir dieser überkontrastierte Hochglanzlook auch zuwider, aber im Kontext dieser Geschichte funktioniert der Stil einfach unglaublich gut. Klar, es dauert etwas, bis man damit warm wird, aber beeindruckend ist diese ungewöhnliche Umsetzung auf jeden Fall. Man fragt sich nicht nur einmal, was denn dort jetzt am Computer nachgearbeitert und was mit echten Menschen verwirklicht wurde.
Veranwortlich für den Endzeitklamauk ist der gebürtige Russe Vitaly Alexius, der sich im Bereich digitaler Bildgestaltung und Kunst einen Namen gemacht hat. Er entwirft unter anderem CD- und Buchcover. Einen kleinen Auszug seiner weiteren Arbeiten kann man auf dieser Webseite bewundern. Man merkt, dass es sein Baby ist und nachdem es eine Zeit lang ziemlich still um Romantically Apocalyptic war, geht es mittlerweile in einer hohen Frequenz weiter. Man freut sich wieder über regelmäßig erscheindende Episoden und den bekloppt-bescheuerten Kapitän im Wehrmachtsoutfit.
Ziemlich cool ist auch, dass das Webcomic in mehreren Sprachen auf den Leser und seine Bedürfnisse eingeht. Ein Spektrum von 40 Sprachen wird abgedeckt, auch wenn nicht alle 45 (Stand heute) Episoden übersetzt wurden. Wer dem Teil mal eine Chance geben möchte, und was hat man schon bei einem kostenlosen Webcomic zu riskieren, das ist keine Frage von rational choice, der gleite auf den Internetwellen gen Rom.ac und durchstöbere das Archiv nach den ersten Episoden.
Wem der Kram gefällt und wer sich gern noch die Socialmediaüberdosis geben möchte, der kann den Figuren aus dem Comic auch auf den Twitterseiten des Captains, Snipers, Piloten und Engineers folgen. Dort wird ebenfalls immer wieder zotiges Geplapper gebracht und tiefer in die Gedankenwelt der Spinner eingeführt.
Ein in Eigenproduktion entstandendes Heft gibt es zwar auch, allerdings haut einem das mit dicken 60$ ein gewaltiges Loch in die Geldbörse. Aber wer drauf steht? Sicherlich eine gute Sache.
Ich find's geil, ziemlich sogar. Ein Spaß für die ganze Familie!