Dienstag, 30. August 2011

Monstrula is back

Nach etlichen Jahren geht das Flagschiff der deutschen Monsterfilmconnaisseure, DIE Ressource: Monstrula, wieder ans Netz! 
Was lange brach lag und als vorzügliches Nachschlagewerk fungierte, ist wieder zurück mit neuen News rund um den Monsterfilm und es werden sicherlich auch bald Besprechungen zu obskuren Streifen folgen.
Neben der eigentlich Seite, wurde jetzt auch ein Newsblog aufgesetzt, das man an dieser Stelle findet. Der Zombiebunker heißt die Mutter aller Monsterfilmseiten willkommen (zurück) im Kreis der Gemeinde und wünscht zukünftig einen langen Atem mit vielen tollen Texten für uns!
Es kann nie genug Enthusiasten geben, die sich vokal für die alten Streifen einsetzen.

Sonntag, 21. August 2011

Women In Cages (Frauen hinter Zuchthausmauern - 1971)

"Wir haben einen Haftbefehl, wir gehen in den Knast! IN DEN KNAST!" tönten die Japanischen Kampfhörspiele auf ihrem Album "Die Großstadt stinkt, ist laut und septisch" vor 9 Jahren und könnten den Soundtrack für diesen sleazigen und schwerst septischen Streifen bilden.
Es geht mit den schmierigen Auswüchsen der Grindhouse Collection weiter und wir dürfen das erste Machwerk der Gattung "Women in Prison" (WIP) begrüßen. Die sonst so elegant und grazil agierende Pam Grier zeigt sich hier allerdings von ihrer sadistischen und garstigen Seite. Doch bevor der Film startet, beginnt das wohlige Grindhouserlebnis, für das diese Reihe wie keine zweite steht. Tief aus dem Lokus eines Bahnhofskinos wurden wieder zerrockte Trailer von unverschämt schäbigen Filmen gehoben und auf diese Scheibe gebannt. Neben Schmuddelkram à la "Duett im Bett" (1973) - herrlich over the top - gibt es "Parasiten-Mörder" (1975), Cronebergs Spielfilmdebüt. Nasskalter Schweiß, billiges Parfum und der Gestank von Urin tauchen unwillkürlich in den Rezeptoren des Riechkolbens auf und man möchte den Ekel mit einem Glas Tourettinger runterspülen. Weiter geht es mit dem Actionklopper "Häutet sie lebend - Unternehmen Wildgänse" (1978), einem WIP "Das Zuchthaus der verlorenen Mädchen" (1974) - hier spielt übrigens die bezaubernde Erica Gavon aus "Vixen!" (1968) mit - und dem Italo-Rausschmeißer "Das Syndikat des Grauens" (1980). Dazwischen ein wirklich stimmungsvoller Einspieler, über dessen Drehort ich gern mehr wüsste. Wo gibt es denn heute noch solch nostaglisches Mobiliar, in dem man einen Werbespot für schwarze Handschuhe drehen kann? Chapeau! 
Diese kleinen, aber liebevoll umgesetzten Ideen sorgen immer wieder dafür, dass man mit der Grindhouse Collection ausreichend Alleinstellungsmerkmale aufzuweisen hat, um das Prädikat "einzigartig" verliehen zu bekommen.
Den geneigten Zuschauer hat mal also schon im Vorfeld dahingehend stimuliert, dass er, ganz nach Pawlow, sabbernd vor der Flimmerkiste hockt und sich in freudiger Erwartung auf den neuesten Scheiß aus dem Hause Subkultur befindet.
Und schon sind wir wieder im Knast. IM KNAST! Na ja, nicht ganz. Es gibt bei "Women in Cages" (1971) zuerst ein bisschen Geplänkel und Vorspiel. Ein Pärchen befindet sich bei einem Hahnenkampf, wo das vermeintliche Herzblatt der armen Dame (Carol) ein Paket Koks unterjubelt und sie dafür in den Bau wandert.
Dumm gelaufen, denn in dieser Besserungsanstalt auf den Philippinen wird mit eiserner Faust regiert. Die sadistische Aufseherin Alabama, gespielt von Pam Grier, hat es ganz besonders auf Amerikanerinnen wie sie abgesehen. Natürlich hat sie im Knast völlige Narrenfreiheit, kann die Häftlinge wann sie will in die Folterkammer entführen und perverse Rituale mit ihnen praktizieren.
Zum Glück hat der Frauenknast allerdings weitaus aufreizendere Insassen als die TV-Produktion mit Walter und man darf sich freuen, dass es auch etwas fürs Auge gibt.
Die Zelle der Amerikanerinnen ist daher eine ganz illustre Runde. Da hätten wir eine drogenabhängige Blondine namens Stoke, die vermeintlich privilegierte Liebchen Theresa und den kessen Rotschopf Sandy. Bei ihrer Einlieferung muss Carol dann auch das übliche Prozedere über sich ergehen lassen. Ausziehen, abduschen, dekontamineren lassen. Alles, woran man sich in den 70ern so erfreuen konnte, also im Wesentlichen sexualisierte Gewalt, lesbische Liebe und Demütigungen am laufenden Band.
Wirklich interessant wird es, als der Drogenticker versucht, Carol im Knast umbringen zu lassen, damit sie nicht doch noch zwitschert. Wer anderes als die Junkiebraut Stoke kommt dafür also in Frage? 
Dieses Wagnis stellt sich jedoch als durchaus belustigend dar, weil die gute Stoke ein bisschen wie Wile E. Coyote gegen den Roadrunner wirkt. Weniger amüsierend sind jedoch die tour de force der Insassinnen.
Das Ziel der malträtierten und zermürbten Damen kann also nur so lauten: Freiheit um jeden Preis. Schaffen sie das und kriegt Alabama noch ihr Fett weg?
Was für ein olles und schäbiges Filmchen, das sich nahtlos in die Reihe aus cineastischem Bodensatz einfügt.
Langweilig wird "Women In Cages" jedenfalls nicht, auch wenn ich es nur schwer verkraften kann, wenn Pam Grier keine nach Gerechtigkeit strebende toughe Powerbraut spielt. Aber gut, sie überzeugt auch in dieser Rolle und weiß die Peitsche schwingend zu überzeugen.
Der Streifen selbst absolut spannend und irgendwie leidet man sogar mit den Mädels mit und hofft, dass sie es nach draußen in die Freiheit schaffen.
Insgesamt also ein erstaunlich guter Film, der dramaturgisch sicherlich sehr viel mehr richtig macht als  "Astro Zombies" (1969).
Nörgler, die sich mit dem Grindhousekonzept als solchem also nicht so wirklich anfreunden konnten, werden hier eben auch einen wirklich schaubaren Film finden und dürfen allein deshalb zugreifen.
Kommen wir nun zur Ausstattung der Scheibe.
Was man hier wieder auf eine DVD gepackt hat, ist beeindruckend. 
Da hätten wir zum einen die deutsche Original-Kinofassung. Mit einer anderen Titelsequenz, nachträglich eingefügten Inserts und einer grindhousemäßigen Bildqualität. Die Farben ausgeblichen, die Ränder abgedunkelt und viele, viele Schlieren, die immer wieder über die Leinwand laufen, sollte sich jedermann diese Fassung obligatorisch ansehen. Wer in den vollen Grindhousegenuss kommen möchte, kommt auch gar nicht daran vorbei.
Die amerikanische Fassung hat dagegen ein für einen Film dieses Alters perfektes Bild. Scharf, kontrastreich und sauber. Daneben darf man neben dem englischen Ton auch noch die deutsche Kinosynchro und (!) die Videosynchronisation auswählen.
Beide haben ihre Höhepunkte und ich möchte auch jedem anraten, sie jeweils auszuprobieren.
Pam Grier als Zuchthausaufseherin
Es gibt, wie immer, schreiend komische Dialoge und ganz spezifische erheiternde Momente. Vielen Dank, dass man man hier also nicht gespart, sondern ein dickes Paket geschnürt hat, das den Anspruch der Scheibe auf Vollständigkeit und Perfektionismus zeigt.
Denn da haben wir auch noch ein 7-minütiges Interview mit Judy Brown, die im Film Sandy gespielt hat. Bemerkenswert finde ich ja, dass sie nicht nur in "Women In Cages" super aussah, sondern das auch heute noch tut. Sie berichtet über ihre ersten Filmerfahrungen, die nicht ausschließlich positiv waren, freizügige Rollen und die Implikationen, die sich für sie ganz persönlich daraus ergaben. Außerdem verrät sie Anekdoten, die sich während der Dreharbeiten zu "Women In Cages" zutrugen. Toll!
Ich könnte dieser Dame, die eloquent und reflektiert über ihr Leben berichtet hat, noch stundenlang zuhören und es ist wirklich schade, dass dieses Interview nicht noch viel länger ist.
Okay, was haben wir noch? Trailer (engl.+dt.) und TV-Spot zum Film, ein exzellentes Trailerreel mit weiteren "Women in Prison"-Streifen und die Bildergalerie.
Insert der deutsche Kinofassung
Dem Ganzen setzt Pelle mit seinem Text im 8-seitigen Booklet das Sahnehäubchen auf. Was bei der letzten Veröffentlichung mit "Blackout" (1978) und "A Scream In the Streets" (1973) begonnen wurde, die Geschichte eines Hamburger Jungen und seiner Liebesbeziehung zum Bahnhofskino, ist konsequent fortgeführt worden und bietet erhellende, witzige und filmhistorische Gedanken zum Grindhousekino. Großartig.
Ja, ich bin wieder mal beeindruckt und das, obwohl ich an die Veröffentlichungen von Subkultur Entertainment schon lange nicht mehr mit niedrigen Erwartungen herangehe.
Dolles Ding, was ihr uns da ins Heimkino gebracht habt. Technisch über jeden Zweifel erhaben, inhaltlich divers, aber auch obskur genug und optisch vorzüglich. 
Und ich muss jetzt noch einmal dringend Worte zum Cover verlieren. Leute, Leute, ihr seid ja völlig irre. Der schäbige Look über der Grindhousebanderole ist dieses Mal ganz besonders gelungen. Es gab ja sogar Leute, die sich darüber beschwert haben, dass zu wenig vom eigentlich Plakat zu sehen ist und die Banderole 1/3 der Coverfläche vereinnahmt. Diesem Kritikpunkt würde ich gewöhnlich zustimmen, aber in dieser Reihe sind nicht die Filme die Stars, sondern das Gesamtpaket und die Reihe selbst. Daher freue ich mich, dass das corporate design beibehalten wird und dieser einzigartigen Sammlung erhalten bleibt.
Interview mit Judy Brown 

Donnerstag, 11. August 2011

Rise Of The Planet Of The Apes (Planet der Affen: Prevolution - 2011)


Science Fiction auf Großleinwand, in meinem Lieblingskino und dann auch noch mit Affen. Ich war ja sowas von dabei!
Meine Erwartungen waren trotzdem gleich null, da ich die Filmserie nicht kenne und auch den Trailer ausgelassen hatte. Bei solchen Vorzeichen meint es der Kinogott ja häufig gut und überrascht mit sensationellen Streifen.
Ob mir "Rise Of The Planet Of The Apes" (2011) gefallen hat? Denkt eigentlich wirklich jemand, der meine Besprechungen liest, dass ich Filme scheiße finde? 
Selbstverständlich rappelte ich mich überglücklich aus dem komfortablen Kinosessel und erfreute mich einmal mehr, einen großartigen Streifen gesehen zu haben. Wäre dies nicht der Fall gewesen, würde dieser Text hier schließlich gar nicht stehen.
Okay, fangen wir mit der Geschichte an. 
Der Wissenschaftler Will Rodman forscht an einer Substanz, die Menschen helfen soll, sich erfolgreich gegen Morbus Alzheimer zu wehren und wieder ein eigenständiges Leben führen zu können. Die Motivation hierfür liegt in seinem eigenen Familienschicksal begründet. Sein Vater Charles ist der neurodegenerativen Krankheit anheimgefallen, sodass Will seine Arbeit noch viel entschlossener verfolgt. Der entwickelte Virus scheint vielversprechend und wird an Menschenaffen getestet. Nachdem ein Versuchstier überdurchschnittliche Intelligenzwerte erzielt, wird eine Aktionärsversammlung einberufen, um mit dem Mittel das ganz große Geld zu machen. Dummerweise ist der superintelligente Affe, oder sollte ich sagen Affin, ziemlich aggro und zerlegt den Laden im Handumdrehen. Kurzerhand wird das Projekt eingestampft und die Affen eingeschläfert. Bis auf ein Exemplar, das in der Box des Amokaffen gefunden wurden. Ein kleines Baby, das die Mutti verteidigen wollte und deshalb so ausgetickt ist. Weil Will ein guter Junge ist, nimmt er das Affenbaby an sich, zieht es auf und entdeckt dabei, dass die Intelligenz weitervererbt wurde und dass der kleine, auf den Namen Caesar getaufte Bursche schon nach kurzer Zeit die Zeichensprache beherrscht. 
Im Zusammenleben mit Caesar stellen sich einige Unwegbarkeiten ein, sodass es bald ziemlich abgeht.
Die Konstellation der Charaktere ist sehr gut durchkomponiert. Der Vater, der von John Lithgow hervorragend verkörpert wird, blüht im Zusammensein mit dem Affen auf. Aber auch die schöne Caroline, die alsbald in Wills Leben tritt, bereichert das Figurenensemble. Ein Film, der einen nichtexistenten Hauptcharakter hat, steht und fällt mit dessen Animation und dieser Affe ist mal verdammt gut animiert. 
Als passionierter CGI-Skeptiker fällt es mir wirklich nicht leicht, diesem ganzen Animationskram etwas abzugewinnen, aber hier hat man mit Motion Capturing wirklich verblüffende Resultate erzielt, sodass ich nicht in jeder Szene mit Gewissheit sagen kann, ob der Affe dort aus Fleisch und Blut oder Bits und Bytes war.
Beeindruckend. Vor allem die Mimik ist sensationell umgesetzt. Da wir es hier mit unserem nächsten Verwandten zu tun haben, der auch noch mit einer uns gleichartigen Intelligenz gesegnet ist, ist das Spiel mit der animalischen Menschlichkeit extrem reizvoll. Das Setting und die Rahmenhandlung schaffen unheimlich viel Platz für absolut glaubwürdige Entwicklungen. Trotzdem weiß man nie wirklich, was in dem Affen Caesar eigentlich vor geht.
Während die erste Hälfte noch sehr witzig und mit komischen Szenen ergänzt ist, kippt der Film schon nach einiger Zeit in eine bedrückende Atmosphäre. Der Protagonistenaffe wächst doch schon sehr ans Herz und deshalb verfolgt man im Kinosessel aufmerksam das Geschehen und die Entwicklung, die er durchläuft.
Die Probleme, die Forschung und Medizin implizieren können, wird in "Rise Of The Planet Of The Apes" eindrucksvoll ausformuliert. Das Dilemma zwischen dem, was möglich, und dem, was ethisch vertretbar ist, zeigt sich und auch die alte, aber berechtigte Frage über die Legitimation von Tieren als Experimentierobjekt.
Was mich positiv überrascht hat, war auch, dass sich der Film wirklich Zeit lässt, in die Handlung einzuführen. Das Prequel verdient den Namen wirklich, da man sich Mühe gibt, die später folgende Geschichte plausibel, nachvollziehbar und organisch zu inszenieren. Wer einen reinen Actionstreifen erwartet, kommt zwar nur zum Teil auf seine Kosten, aber wird dennoch befriedigt den Kinosaal verlassen. Im Gegensatz zu den meisten, stets unter dem Zwang "noch größer und spektakulärer" stehenden Filmen, gibt es keinen Showdown mit Superlativen. Der Knaller spielt sich in einem vergleichsweise überschaubaren Gelände ab und wird nicht mit Explosionen und Schießereien überfrachtet. Trotzdem sind die Effekte gut gemacht und absolut zweckdienlich.
Auf der anderen Seite hat "Rise Of The Planet Of The Apes" auch eine gefühlsbetonte Seite. Vor allem der knuffige Affe, der rührender als ein kleiner Hund gucken kann und auf der anderen Seite die schlimmen Dinge, die ihm angetan werden. Es gibt die eine oder andere traurige Szene, aber trotzdem artet nichts in überschwänglichen Kitsch aus, sondern das Level bleibt zum Glück immer auf einem angenehmen Niveau.
Insgesamt ein sehr guter Kinofilm, der extrem spannend, aber auch authentisch ist und wirklich  gelungene Momente hat. Ich möchte gern einen weiteren Teil davon sehen und werde mir auf jeden Fall die schicke BluRay-Box der alten Teile holen. Zum Schluss noch ein Verweis auf die Comicserie, die als Webcomic kostenlos hier zu lesen ist.
Weil es so schön war, vergebe ich sogar mal Punkte, vielleicht wird das in Zukunft Sitte hier im Bunker.
8 haarige Affen von 10.
Get your paws off me you damn dirty ape!

Mittwoch, 10. August 2011

Stöcker von Affen.

Affen werfen mit Kot oder Stöckern. Der intergalaktische Affe hat vor dem Bunker ein Filmstöckchen fallen gelassen und es ist nun an mir das Teil davor zu bewahren der tumben Zombiemasse anheim zu fallen.
Andernfalls drohen wohl 7 Jahre Pech, Filmriss oder Schlechtwetter. Da hab ich kein Bock drauf, also steige ich drauf ein.

Ein Film, den du schon mehr als zehnmal gesehen hast.
Da gibt es sicherlich einige! In meiner Kindheit habe ich "Das kleine Arschloch" oder "Tank Girl" in Dauerrotation gesehen, aber auch "Hänsel und Gretel" und "Asterix bei Cleopatra". In den letzten Jahren laufen bei mir in schöner Regelmäßigkeit "The Burbs" - der beste Film aller Zeiten - oder auch "Murder By Death" - der zweitbeste Film aller Zeiten. "The Burbs" hat einfach eine absolut großartige Atmosphäre, geniale Schauspieler und so viele ikonische Szenen, dass man, wann immer man schlechte Laune hat, sofort aufgeheitert wird.
"Murder By Death" ist eine tolle Persiflage auf den Kriminalroman/-film mit nicht weniger tollen Rollen. Die Situation auf dem Schloss eines verschrobenen, extravagenten Typen zu sein, der einen Mord inszeniert, ist mindestens genauso oft in der Film- und Medienwelt rezipiert worden, wie "The Burbs"'s - ein Mord in der Nachbarschaft eines kleinen Vororts - Setting. Beide Filme sind allerdings auch viel zu toll, um darüber jemals eine Besprechung verfassen zu können. Aber weiter im Text.

Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast.
Ne, das gibt es nicht. Kein Film rechtfertigt eine erneute Kinosichtung bei den Preisen und dem oft störenden Publikum. Dann lieber auf die Heimauswertung warten und in angenehmer Gesellschaft genießen.

Ein Schauspieler/in, wegen dem du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen.
Da wäre John Agar ein Kandidat, aber auch die Bezaubernde Edwige Fenech!

Ein Schauspieler/in, wegen dem du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen
Grundsätzlich schafft es jeder Film, wenn er denn gut genug ist, dass ich über einen schlimmen Schauspieler hinwegsehen kann. Richtig schlimm finde aber Cameron Diaz, Colin Farrell und Mark Wahlberg.

Filmmusical, dessen Songtexte du komplett auswendig kannst?
Ja, das ist dann wohl "Cannibal - The Musical" - tolles Tromafilmchen mit hübschen Gesangeinlagen inklusive einer Liebesode an ein Pferd. Komplett auswendig trifft allerdings nur auf "Tenacious D in 'The Pick Of Destiny'" zu.

Ein Film, bei dem du mitgesungen hast.
Ich singe nicht und schon gar nicht, wenn ich Filme schaue. Höchsten eine DVD über ein Livekonzert.

Ein Film, den jeder gesehen haben sollte.
"The Fall"

Ein Film, den du besitzt.
Zu viele, um sie zu benennen. Wilkürlich ausgewählt: "Die Teufelswolke von Monteville" ;)

Ein Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat?
Oh, da ich nicht sonderlich viel auf Schauspieler und deren Geschichte gebe, befasse ich mich auch weniger mit deren Werdegängen. Ich drehe die Frage mal um und sage: Mark Wahlberg überrascht mich immer wieder negativ.

Schon mal einen Film in einem Drive-In gesehen?
Leider nein.

Schon mal in einem Kino geknutscht?
Möglich.

Hast du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?
Nein. Wenn, dann geschah dies aus anderen Gründen. Zum Beispiel, weil man zu jung war einen Film wie "Con Air" zu sehen und sich eine Karte für einen anderen Streifen kaufte und diesen verließ, um den für das eigene Alter unangemessenen Film zu sehen.
Wenn ein Film schlecht war, bin ich eher eingeschlafen. Jüngst beim letzten "Harry Potter" geschehen oder schon vor einiger Zeit bei "Terminator 3".

Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat?
 Das sind auch zu viele, um sie aufzuzählen. Um wenigstens zwei zu nennen: "Erbsen auf halb 6" und "Up".

Popcorn?
Nachos!

Wie oft gehst du ins Kino?
Unterschiedlich. Teilweise monatelang nicht, dann 2 Mal die Woche. Das kommt oft auf die Preise und Filme an. Ich bin ja immer noch auf der Suche nach einem Kino, in das keine Vollidioten gehen, die während des Films reden.

Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?
Der letzte Harry Potter Teil. Morgen "Rise Of The Planet Of The Apes".

Dein Lieblingsgenre
Sämtliche Filme, die in diesem Blog thematisiert werden. Weniger toll finde ich Kriegsfilme, Romcoms, Actionfilme und Melodramen.

Der erste Film, den du im Kino gesehen hast
Kann ich nicht mehr sicher sagen. Aber irgendein Kinderfilm, der 1990 oder 91 lief. Erinnern kann ich mich an Turtles Filme und Power Ranger oder Toy Story. Unser altes Kino damals hatte aber wirklich Flair. Neben einer echten Popcornmaschine und Nietensesseln im Vorraum, gab es noch echte Platzanweiser und richtige Filmschaukästen, an denen man sich die Nase platt drücken konnte. Leider wurde es in den späten 90ern dichtgemacht. Heute ist das Kino ein Netto-Markt. Eine Schande!

Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen?
"The Happening" - schlechte Schauspieler, bescheuerte Story. Richtig mieser Film! Vielleicht sogar der schlechteste Film aller Zeiten!

Der merkwürdigste Film, den du mochtest.
Merkwürdig, wenn es meint, dass der Film würdig war, in Erinnerung gehalten zu werden: "Kinder der Natur" (1991) - ein wunderschöner isländischer Film über das Altwerden. Phantastisch.
Wenn "merkwürdig" seltsam meint: Rubber (2010). 

Der beängstigendste Film, den du je gesehen hast
Als Kind hab ich irgendeinen Nightmare On Elmstreet Teil im Fernsehen gesehen und hatte seit dem vor Freddy Schiss. Heute ängstigen mich noch japanische Geisterfilme.

Der lustigste Film, den du je gesehen hast
Vermutlich Gremlins 1 und 2. Tolle Filme. Auch heute nocht.

Over and out!

Dienstag, 9. August 2011

Die Rache der schwarzen Spinne kann ab sofort vorbestellt werden

Seit ein paar Minuten bietet der ICatcher Shop den zweiten Teil der Rückkehr der Galerie des Grauens an. Es ist davon auszugehen, dass dieses Mal mehr Exemplare vorrätig sind. Alle Spinner, die also nur ordern, um Profit zu machen, können es sich lieber gleich sparen.

Mittwoch, 3. August 2011

Zombiebunker Podcast #1

Ein kleines Experiment, das eine Abwechslung zum sonstigen Angebot hier darstellen soll. Mal sehen, ob ich es schaffe die Abstände zwischen den Episoden gering zu halten. Die #1 ist noch recht spontan, holprig und unstrukturiert, aber ich wollte einfach mal loslegen, damit die Idee endlich mal umgesetzt wird. Das nächste Mal dann auch mit weniger ähs und öhs!
Zombiebunker Podcast #1 (mp3)

Montag, 1. August 2011

Mondo Candido (ITA - 1975)

Hurra, ich vermelde: die Heimat hat mich zurück, ich habe wieder Platz im Bunker genommen und als ich den Hausflur betrat, erblickte mich ein unscheinbarer gelber Umschlag, in dem sich die neueste Veröffentlichung aus dem Hause Camera Obscura befand: "Mondo Candido" (1975). Grundsätzlich hält sich meine Begeisterung über Filme, deren Zugang sich dem Betrachter nur schrittweise erschließt, in Grenzen. Dieses italienische Filmchen, das in seiner deutschen Veröffentlichung den Zusatz "Blutiges Märchen" trägt, stellt da keine Ausnahme dar. Aber als aufgeschlossener Freund des Lichtspieles und dem Wissen, dass das Label Camera Obscura stets ein ausgesprochen gutes Händchen bei der Auswahl seiner Veröffentlichungen bewiesen hat, erstand ich bereitwillig die, wie in der Italien Genre Cinema Collection gewohnt, vorzüglich aufbereitete deutsche DVD-Veröffentlichung dieses bizarren Märchenfilms. Da der Film regelrecht zum ausufernden Geschwalle über Bedeutung und Sinnhaftigkeit einlädt, möchte ich den geneigten Leser auch direkt vorweg warnen, dass diese Besprechung ausführlicher werden könnte, aber ich versuche, mich kurz zu halten.
Der Stoff, dem der Streifen zu Grunde liegt, hat schon einige Jahre auf dem Buckel.
Voltaires Werk "Candide oder der Optimismus", ein satirischer Gegenentwurf zur leibnizschen Aufassung von der "besten aller möglichen Welten", wird vom Regieduo Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi sehr vorlagennah umgesetzt und durch surrealistische Farbkleckse überhöht.
Darin wird der Held Candide, weil er sich gütlich an der Baronentochter Cunigunde tat, aus dem paradiesgleichen Leben der Hofgesellschaft ausgeschlossen und fortan auf eine bizarre und aufklärerische Reise durch eine ihm fremde Welt geschickt, in dessen Verlauf sich sein bisher vom Sophisten Dr. Panglos gelehrtes Weltbild auf den Kopf stellt.
Die Bildgewalt und szenische Umsetzung von "Mondo Candido" ist auf einen wirren wie wachen Geist gleichermaßen zurückzuführen. Die kleinen und großen Ideen, die über die gesamte Länge des Films präsentiert werden, wirken wie Splitter eines Scherbenhaufens, sodass sich das Gesamtkonzept, wenn es denn überhaupt eines gibt, für den klaren Verstand gar nicht erfassen lässt. Auf den ersten Blick erschlägt einen diese Fülle an Elementen, an absurden Kostümen oder kryptischen Dialogen, aber dennoch laden sie zum Verweilen ein und fordern vom Zuschauer zwangsläufig eine weitere Betrachtung des Films ein.
Nachdem Candide aus dem Paradies verstoßen wird, befindet er sich beispielsweise bei einer Armee, die ihm Konzepte wie Krieg, Kampf und körperliche Gewalt vermittelt. In der Darstellung geschieht dies recht blutig, durch die obskuren Kostüme und Rituale werden die grausamen Handlungen jedoch derart überzeichnet, dass die Bilder fast in das Komödiantische abzudriften drohen. 
Tatsächlich wird durch diese Überhöhung über den Optimismus gespottet und das naive Denken verhöhnt. In einer Szene wird der Spott ganz besonders deutlich. So soll Candide den Freitod von schneeweißen Kalksinterterrassen aus im Engelskostüm wählen, da es sich lohne, für das Ideal zu sterben, denn das Sterben ist unnötig und Unnötiges sei das Beste und Schönste in der bestmöglichen aller Welten.
Jacopetti und Prosperi gehen, auch wenn es zunächst verworren erscheint, sehr scharfsinnig an das Unterfangen, konfrontieren den Zuschauer mit Gegensätzen, Anachronismen, konstruieren Allegorien und machen sich einen Spaß daraus, mit Sehgewohnheiten zu brechen. So schicken sie eine zeitgenössische Armee des 18. Jahrhunderts in den nicht sonderlich aussichtsreichen Kampf gegen Panzer und Maschinengewehre oder frieren die Schauspieler in der Szenerie kurzerhand ein. Die Handlung verlagert sich im Verlauf dann schließlich auch in eine moderne Zeit und schafft so den Brückenschlag zum Alltäglichen.
Neben dem naiven Helden Candide, der sich durch seine Leichtgläubigkeit auszeichnet, spielt auch der Sophist und Lehrer, Dr. Panglos, eine bedeutende Rolle. Als Vertreter der Sophistik ist er vor allem ein großer Rhetoriker. Gerade in dieser Schlüsselfunktion liegt eine subtile Gesellschaftskritik. Die Sophisten der antiken Poleis (Stadtstaaten um ca. 450 v. Chr.) hatten schließlich in der vordemokratischen Phase einen Bildungsauftrag gegenüber den wohlhabenden Aristokraten. Neben Naturwissenschaften bestand das Rüstzeug, das sie dem Adel gegen Bezahlung zur Verfügung stellten, vor allem aus der Rhetorik. Nachdem der Aeropag (politische Instanz der Adligen und Geistlichen) weitestgehend entmachtet und politische Prozesse hin zur Demokratie in die Ekklesia (Volksversammlung) verlagert wurden, war die Kunst, das eigene Denken dem Volk zu vermitteln und es zu überzeugen, von höchster Wichtigkeit. 
Sophisten wie Protagoras - der im gleichnamigen Dialog von Platon als das Problem von Demokratie benannt wurde - waren demzufolge keine ehrenwerten Personen, weil sie durch ihre Scheinargumente zum Werkzeug von Demagogie werden konnten. Auf den Punkt gebracht konnten sie einen kranken Menschen von einer völlig sinnlosen und letalen Medikation überzeugen, weil sie im Rededuell mit einem echten Arzt die Oberhand behielten. In "Mondo Candido" versucht der Sophist, das optimistische Weltbild aufrechtzuerhalten, indem er immer wieder absurde Trugschlüsse über die Realität anstellt oder fragwürdige banale Kausalzusammenhänge proklamiert.
Aber auch etliche andere Sequenzen laden dazu ein, sich Gedanken über Sinn und Grund des Dargestellten zu machen. Alle zu erfassen, ist vermutlich unmöglich und mit jeder Sichtung tauchen neue Blickwinkel auf, die Bezüge zur Moderne möglich machen. Mir ist zum Beispiel immer noch schleierhaft, was die teilweise grotesken sexuellen Handlungen für Erklärungsmuster verbergen, aber sie passen, und das steht eigentlich außer Frage, perfekt zum dargebotenen Sujet
Versucht man den Streifen in ein Genre einzuordnen, wird man wohl vollends verzweifeln, weil sich "Mondo Candido" jeder Trennschärfe verweigert. Die komödiantischen Momente erinnern an Monty-Python-Filme, während man aber auch etliche Elemente aus russischen Märchen wiederfindet. Arbeiten von Terry Gilliam kommen einem allerdings auch in den Sinn. Man sieht, ein hoffnungsloses Unterfangen. Mal Arthouse, mal Exploitation, mal intellektuell, mal stumpf, mal Sex, mal Gewalt, mal philosophisch tiefgründig.
Musikalisch ist der Streifen ebenfalls bemerkenswert und weiß mit herrlichen Klängen von Riz Ortolani zu gefallen. Die klassischen Töne finden in vielen Szenen einen absurden Gegensatz zum eigentlichen Geschehen und sind wirklich gelungen eingesetzt.
Was wesentlich leichter fällt, ist die Beurteilung der Austtattung der DVD. Optisch und verpackungstechnisch hält man dem eingeschlagenen Pfad der Italian Genre Cinema Collection die Treue und hat einen hübschen Schuber mit Digipack drin parat. Im Booklet findet man dieses Mal jedoch keinen direkten Essay zum Film, sondern einen Einblick in die Begegnungen von Federico Caddeo mit den Regisseuren Jacopetti und Gualtiero. Die Gedanken sind absolut lesenswert und eine nette Abwechslung. Bei der Ausstattung hat Camera Obscura sich wirklich nicht lumpen lassen und sogar ein zweiter Datenträger war notwendig, um die geballte Ladung an Features zu uns nach Hause zu bringen. 
Auf der ersten Scheibe befindet sich ein Audiokommentar von Marcus Stiglegger und Christian Keßler. Die beiden laufen zu absoluter Hochform auf, da sie sowohl den filmhistorischen Kontext beleuchten, als auch auf die philosophischen Denkschulen eingehen. Dass der Film, statt der sonst üblichen 70 Minuten von Monsterfilmen, satte 107 Minuten dauert, gibt noch mehr Möglichkeit, über die Themenfelder ausführlich zu berichten. Aber dieser in fast epischer Länge vorhandene Audiokommentar ist nicht der einzige Superlativ. Satte 300 Minuten Bonus in 4 Dokumentationen (in Zusammenarbeit mit Freak-O-Rama) latzen uns die Kollegen vor die Glubscher. 
Ein fettes Paket, das jeden glücklich macht. Darin kommen die Regisseure wortreich vor und erzählen aus ihren ereignisreichen Leben, aber auch Make-Up-Artist Pier Antonio Mecacci oder Federico Caddeo treten vor die Kamera und berichten uns über "Mondo Candido" und Voltaire.
Alle Extras sind deutsch und englisch untertitelt, sodass die Veröffentlichung auch für das englischsprachige Publikum zugänglich ist. Dass das Konzept zieht, beweist der Podcast von The Gentlemen's Guide To Midnite Cinema, die sich in ihrer Nummer #139 vokal über u.a. "Virgins Of The Seven Seas" (1974) äußern. Der Podcast ist übrigens auch sehr empfehlenswert.
Die Menus sind schlicht, funktional und schön. Wer sich diese Veröffentlichung entgehen lässt, ist wirklich selbst Schuld. Ich hatte nach dem Urlaub viel Spaß damit und bin unendlich dankbar über die tolle Umsetzung. Ohne Camera Obscura wäre ich vermutlich nie auf dieses Teil aufmerksam geworden und selbst wenn, hätte ich es wegen der offensichtlichen Unzugänglichkeit gemieden. Die intensive Auseinandersetzung hat sich gelohnt, ich kann jedoch auch jeden verstehen, der dieser Art von Streifen nichts abverlangen kann. Eigentlich gehöre nämlich auch ich zu dieser Sorte. "Mondo Candido" polarisiert, aber unterhält in jedem Fall. 
Wirklich toll!