"Komm, gehn wir lieber Saurier angeln!"
Die Drive-In Classics sind mit der vierten Veröffentlichung zurück und verwandeln eine idyllische Insel in einen prähistorischen Dinopark mit Spiel, Spaß und Spannung.
"Mördersaurier" prangt auf der Packung, aber ganz so blutrünstig sind zum Glück nicht alle der geangelten Exemplare. Stop-Motion-Action von Irvin S. Yeaworth Jr., bei dem es am Ende heißt: Bagger vs. Tyranno.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Auf einer traumhaft schönen Insel kümmern sich Bart Thompson (Ward Ramsey), Chuck (Paul Lukather) und ein paar Arbeiter um die infrastrukturelle Erschließung, um sie zukünftig für das touristische Angebot attraktiver und erreichbarer zu machen. Kurz: Man lässt einfach ein paar Bomben am Strand in die Luft gehen. Zum Glück werden die Explosionen im Wasser der schönen Betty Piper (Kristina Hanson), die grade mit ihrem Motorboot rumschippert, nicht zum Verhängnis. Auf den Schreck geht sie erst mal eine Runde Apnoetauchen, findet einen Dino auf dem Grund und muss von unserem Helden aus dem Wasser gefischt werden. Die Dame könnte übrigens locker als blonde Variante von Julie Adams durchgehen. Man sieht, der Film punktet schon früh.
Außerdem haben wir noch den naiven kleinen Julio, der vom Bösewicht der Insel, Hacker, aufgezogen wird und herrlich mit der urzeitlichen Monstergang interagiert. Die entdeckten Dinos, zwei an der Zahl, werden aus dem Meer gezogen und wie es nun mal ist, ein Blitz erweckt die Urzeitviecher zu neuem Leben! Während der Tyrannosaurus direkt einen Insulaner snackt, freundet sich der kleine Julio mit dem friedfertigen Brontosaurus an.
Außerdem erwacht auch noch ein lustiger Höhlenmensch und es beginnt eine temporeiche Flucht quer über die Insel.
Bei diesen alten Filmen drückt man ja gerne mal ein Auge zu, wenn sie qualitativ und narrativ leicht schwächeln, aber "Dinosaurus!" (1960) ist wirklich ein verdammt guter und handwerklich exzellent gemachter Monsterfilm! Ich hatte einen Riesenspaß und fühlte mich in verregnete Wochenendvormittage meiner Kindheit vor der heimischen Flimmerkiste zurückversetzt.
Die Stop-Motion-Effekte sind schön anzuschauen, es gibt epische Kämpfe zwischen den Biestern und jede Menge urkomische Szenen.
Dafür sorgt ganz besonders der lustige Höhlenmensch, der zwar mit der zivilisierten Welt ein paar Probleme hat, das Slapstick-Handwerk allerdings meisterhaft beherrscht. Der Kerl rockt den Film einfach mit seinem dümmlich-debilen Gesichtsausdruck. Herrlicher Blödelhumor!
Es gibt immer wieder coole Kameraeinstellungen und -schwenks, die ich in einem Streifen dieser Art gar nicht vermutet hätte.
Das Einzige, was etwas zu kurz kommt, sind die Damen. Betty hat zwar eine denkwürdige Szene, in der sie dem Höhlenmenschen einen gegrillten Nacktmull servieren soll, aber ansonsten bleibt sie leider etwas blass. Auch die dunkelhaarige Chica hat zu wenig Screentime. Aber gut, dafür entschädigen dann auch die authentische Dschungelatmosphäre und die ordentliche Ausstattung des Films.
Klar sieht man, welche Szenen im Studio gedreht wurden, aber das war eben damals so. Immerhin hatte Shorty Yeaworth nur 3 Wochen auf der Insel Zeit.
Der Abschluss ist dann auch noch mal ein ordentlicher Knaller: Mensch gegen Maschine und dann ist auch Schluss. Schade eigentlich. Ich hätte direkt noch Bock gehabt, ein paar weitere Filme dieses Kalibers einzuschieben.
Über das gelungene Cover habe ich mich ja bereits an anderer Stelle ausgelassen. Der stabile Schuber beherbergt, wie es das Gesetz der Reihe ist, ein Amaray mit großem Postermotiv. Drinnen steckt das Booklet, das auch noch ein schickes Plakat auf der Front hat. Pelle treibt darin erneut sein Unwesen, glänzt mit Wortwitz und Hintergrundwissen zu "Dinosaurus!". Außerdem gibt es noch eine kurze Nachhilfestunde in Sachen prähistorischer deutscher Geschichte.
Die Bildqualität ist hervorragend. Knackig scharf und mit kraftvollen Farben überzeugt sie auf ganzer Linie. Lediglich die Unterwasseraufnahmen und ein paar kurze, dunkle Szenen sind etwas blass anzuschauen. Ganz selten huscht aber dann doch noch ein Laufstreifen über die Leinwand und erinnert uns, dass wir im Drive-In sitzen. Für einen Film, der mittlerweile 50 Jahre auf dem Buckel hat, ausgezeichnet.
Der Ton ist ebenfalls sehr gut und als deutsche und englische Tonspur vorhanden.
Positiv überrascht war ich auch vom unkonventionell gestalteten Menü. Kein Standardstandbild, bei dem nur das Motiv gewechselt wird, sondern ein Schlund, in dessen Zähnen die stilisierte Schriftart zu finden ist. Das muss eine echte Fummelei gewesen sein!
Bei den Features haben wir ein echtes Sahnehäubchen. In Zusammenarbeit mit End Films hat Subkultur Entertainment eine eigene halbstündige Dokumentation "Dinosaurus! – eine monströse Geschichte" produziert.
Dort plaudert Produzent Jack Harris über die Animationstechniken, die Dreharbeiten, den Score, aber auch die Schauspieler. Außerdem kommen noch die Autoren Donald F. Glut ("I Was A Teenage Movie Maker") und Bill Warren ("Keep Watching The Skies"), sowie Schauspieler Paul Lukather zu Wort. Letzterer scheint ein sehr gut gelaunter Zeitgenosse zu sein und erzählt ein paar Anekdoten vom Set. Untermalt werden die Interviews mit etlichen Einspielern verschiedenster Monsterfilme und sogar auf das Drive-In-Kino kommen die Beteiligten zu sprechen. Außerdem sind die Interviews deutsch untertitelt. Die Doku ist wirklich professionell und es ist beeindruckend, dass ein vergleichsweise kleines Label so etwas gestemmt bekommt.
Der obligatorische Originaltrailer darf natürlich auch nicht fehlen, wie auch die Bildergalerie mit vielen Aushangfotos, Szenenbildern, Zeitungsausschnitten und internationalen Plakatmotiven. Da hat man doch wirklich noch einiges an Material ausgegraben! Sogar ein COMIC ist dabei! Vorbildlich!
Abgerundet werden die Extras mit der schwarz-weißen Super-8-Fassung, in der wir in Kürze noch einmal alle denkwürdigen Szenen vorgespielt bekommen.
Donnerwetter, man ruht sich hier definitiv nicht auf den eingesackten Lorbeeren aus und versucht, für diese alten Schinken die bestmögliche Veröffentlichung auf die Beine zu stellen.
Vielen Dank für diese Perle, die ich definitiv noch ein zweites Mal sichten werde. Diese Art von Film ist sicherlich für die ältere Generation, was für mich "Die Goonies" (1985) oder "Gremlins" (1984) waren. Schön, dass man jetzt selbst in die Vergangenheit reisen und diese versunkene Epoche neu entdecken kann. Für mich bedeutet das nun, dass ich das von mir lange verschmähte Genre der Knete-Dino-Kracher genauer unter die Lupe nehmen und mir demnächst werde!