Mittwoch, 29. Februar 2012

Suspiria (1977)


Bis vor ein paar Jahren hätte der Name "Argento" noch Schulterzucken bei mir ausgelöst, aber sobald man beginnt sich mit dem italienischen Kino auseinanderzusetzen, kommt man nicht mehr an ihm vorbei, da er in unterschiedlichen Genre unterwegs war, einen ziemlich beachtlichen Output hatte und stilprägende Kunstwerke geschaffen hat. 
Im Gegensatz zu seinen Frühwerken, wie "Die neunschwänzige Katze" (1971), ist "Suspiria" (1977) kein Giallo, obwohl Argento einige Elemente daraus verwendet. Aber ein echter Geisterfilm ist "Suspiria" auch nicht. Wenn man Schubladisieren möchte, würde wohl die passendste Überschrift "Phantastischer Horrorfilm" sein, auch wenn man damit nur grob das Gezeigte umreißen kann.
"Suspiria" ist der erste Teil der "Mütter"-Trilogie, die erst 2007 mit "Mother Of Tears" ihren Abschluss fand. Es geht um eine junge Dame, Suzie Bannion, gespielt von Jessica Harper, die sich im schönen Freiburg einer renommierten Tanzschule anschließen möchte. Dafür ist sie extra aus den Staaten eingeflogen und schon bei ihrer Ankunft am Flughafen schlägt ihr ungastliches Wetter entgegen, unfreundliche Taxifahrer und der Einlass zur Schule bleibt ihr vorerst verwehrt. Dafür bekommt sie eine handfeste Auseinandersetzung einer Schülerin mit, die brüllend das Gemäuer verlässt und durch den Wald abzischt. Im Folgenden sehen wir, wie die aufgebrachte Tänzerin sich zu ihrer Freundin in ein Hotel oder Gasthaus gesellt und wie ein bis ins letzte Detail durchkoreographierter Mord stattfindet. Suzie kehrt am nächsten Morgen erneut in der Tanzschule ein und erlebt in den folgenden Tage eine seltsame, fiebrige und fremde Welt, die voller Geheimnisse und Rätsel ist.
Die Ausgangssituation ist sicherlich nicht besonders aufregend und beim ersten Mal empfand ich den Plot stellenweise auch als recht einfallslos. Im Grunde handelt es sich um eine sehr leise Erzählung, die sich mit dem Aufbau Zeit lässt, jedoch terrorartig mit fast schon rituellen Morden durchsetzt ist. Was Suspiria so besonders macht, ist die Inszenierung und hier vor allem der rauschhafte Einsatz von Primärfarben. Schon in der zweiten Szene, als Suzie im Taxi sitzt und zum Anwesen gefahren wird, bleiben blaue, rote und gelbe Farben auf der durchnässten Scheibe hängen und tauchen die Welt in einen seltsamen, phantasiehaften Schleier. Es wird somit schon frühzeit darauf hingewiesen, dass irgend etwas mit dem Ort oder den Begebenheiten nicht stimmt. Aber nicht nur durch den außergewöhnlichen Lichteinsatz, der vor allem in Räumen besonders zur Geltung kommt, beeindruckt Argento sein Publikum. Die Kameraarbeit und hier besonders das Spiel mit den Spiegeln, Flächen und Formen, Licht und Schatten, ist außerordentlich gelungen!
Die Architektur der Tanzschule, aber noch viel mehr die geometrischen Muster des Hotels der ersten Morde, wirken fast schon künstlerisch und bilden einen seltsamen Kontrast zu der gezeigten Brutalität. So hängt am Ende der Szene eine Frau am Strick im Nachthemd von der Decke, aber in so einem Winkel nebst der rosa-weiß gemusterten Decke, dass die Einstellung fast wie ein gerahmtes Bild wirkt. Wie ja von Argento bekannt sein dürfte, übertritt er mit den gezeigten Tötungsszene die Schwelle zwischen physischer Gewalt und assoziierter Schönheit. Mit "Mord als Kunstwerk" könnte man dieses erzeugte Dilemma umschreiben, denn durch das auffällig grelle Kunstblut, wird eine Distanz zur Realität erschaffen, die die Verwendung von Kategorien wie "schön" erst möglich machen. Wobei das natürlich auch immer im Auge des Betrachters liegt. Ganz zentral für diese Szenen ist auch der musikalische Einsatz und hier muss ich wirklich sagen, dass ein sagenhaftes Meisterwerk komponiert wurde. Hört sich das Hauptthema zu Beginn noch nach einem kindlichen "lalala" mit Glockenklang an, werden die Worte schon bald aspiriert, verzerrt und übersteuert, so dass es sich schließlich nach einen gequälten Hexenschrei anhört. Bei vielen Black Metal Bands hört sich der Gesang nicht anders an und 77 war daran noch gar nicht zu denken! Dazu gesellen sich progressivrockige Klänge und in den Mordszenen unerträgliche Noisemomente. Durch den Crescendoaufbau dieser den Zuschauer terrorisierenden Klangteppiche, wirkt der Mord und die mit ihm einhergehende Stille, fast schon erlösend.
Wer der Mörder ist, das bleibt ein Geheimnis, da über die wirkenden Mächte nicht besonders viel verraten wird. Erst mit dem zweiten Teil "Inferno" (1980) wird man mehr über den Mythos der Mütter erfahren. Somit bleibt die Motivation unklar, was ebenfalls dazu führt, dass der Zuschauer unsicher bleibt. 
Wie bei fast allen Argentofilmen spielen Tiere eine Rolle. Sind es in anderen Filmen Katzen oder Ratten, so kommt einem Schäferhund in "Suspiria" eine zentrale Bedeutung zu. Dessen blinder Besitzer, gespielt von Flavio Bucci, legt sich mit den gemeinen Tanztanten an, wird rausgeschmissen, schaut sich ein paar bayerische Ureinwohner an und befindet sich schließlich auf dem Nachhauseweg. Auf einem riesigen Platz fällt sein Hund den dunklen Mächten anheim und wird zur dämonifizierten Bestie. Auch hier darf man eine außergewöhnliche Kameraarbeit bewundern, die in Ergänzung mit der klasssichen Musik eine ganz und gar sonderbare Atmosphäre erschafft.
Alida Valli spielt die unerbittliche Miss Tanner, die nicht nur eine diabolische Frisur mit Teufelshörnchen kennzeichnet, sondern auch einen derart harten und durchdringenden Blick, dass sie auch den Belzebub höchstpersönlich verkörpern könnte. Macht man sich jedoch auf die Bildersuche und schaut sich vor allem die Arbeiten aus ihren Anfangstagen an, möchte man fast meinen, dass es sich dabei um eine komplett andere Person handelt. Denn grade in den 30er und 40er Jahren machte sie einen sehr weichen und freundlichen Eindruck. 
die diabolische Alida Valli 
die sanfte Alida Valli 
Frauen spielen in "Suspiria" generell eine wichtige Rolle. So sind alle bedeutenden Personen in der Tanzschule durch Damen verkörpert. Eine wirkliche herausstechende männliche Rolle gibt es praktisch nicht. Auch die Macht liegt ganz bei ihnen und zwar auf beiden Seiten. Alida Valli ist jedenfalls eine ausgezeichnete Wahl gewesen und beeindruckt durch ihr dominantes Schauspiel.
Ein Bekannter deutscher Schauspieler tritt dann aber auch noch kurz auf und wird Suzie gegen Ende  zur Seite gestellt: der gute Udo Kier. Allerdings beschränkt sich sein Einsatz nur auf die seelische Unterstützung, die er als Dr. Frank Mandel Suzie zukommen lässt.
Mit Renato Scarpa als  Prof. Verdegast hat man dann noch einen Typen besetzt, der locker auch ein verrückter Wissenschaftler aus einem Arbeitslager sein könnte. Mit seiner schmierigen und widerlichen Art steht auch er auf der dunklen Seite des Mächtegefüges.
Bemerkenswert, dass diese fast schon zerbrechlich wirkende und fragile Persönlichkeit der Suzie es im Prinzip im Alleingang mit diesen finsteren Gestalten aufnimmt. Man kann sicherlich mit Fug und Recht behaupten, dass es in "Suspiria" zwar nicht um die Emanzipation der Frau geht, man unterschwellig aber den Eindruck gewinnt.
Nachdem ein Stockwerk wegen Madenbefall kurzzeitig nicht mehr bewohnbar ist, werden die Damen in die Eingangshalle geführt um dort hinter riesigen Vorhängen zu nächtigen. Natürlich lässt es sich Argento auch hier nicht nehmen mit den Farben zu spielen und die wohl unheimlichste Figur im Ensemble einzuführen: die Mutter. Mit den keuchenden und fast schon sterbenden Geräuschen schleicht sie nur Nachts durch die Flure und legt sich direkt hinter unserer Protagonisten nieder.
Auch hier bleibt zunächst völlig unklar, was es damit auf sich hat.
Das Ende ist in seiner Dramarturgie ausreichend ausufernd, so dass der Normalzuschauer mit dem Gezeigten zurfrieden sein sollte, aber viel mehr der Einsatz von Spiegeln und der Umgang mit den Kulissen macht ihn so besonders.
Unterm Strich ein außergewöhnlicher italienischer Film, der mich nach der Erstsichtung verstört und empört zurückließ, weil ich auch etwas völlig anderes erwartet hatte. Lässt man sich allerdings auf "Suspiria" ein und akzeptiert, dass es sich um ein rauschhaftes Märchen voller Farben und  Melodien handelt, wird man bestens unterhalten und vielleicht sogar beeindruckt. Dringend sollte sich aber jeder Kostverächter noch einmal unter dieser Prämisse den Streifen anschauen, um nicht vielleicht doch in den Bann dieses unheimlichen Filmes zu geraten.
Für aufgeschlossene Gemüter also eine klare Empfehlung, auch wenn es zunächst sperrig sein kann und mit den Sehgewohnheiten bricht. Es lohnt sich! Kurz noch zwei Worte zur mir vorliegenden Veröffentlichung. Dabei handelt es sich um ein schönes Digipack von Dragon mit ansprechender Gestaltung, allerdings mittelmäßiger Ausstattung. Leider finden sich keine Extras auf der Scheibe, aber ein sehr interessanter Text von Robert Zion im Booklet. Dafür sind Bild und Ton für eine DVD sicherlich ganz ok. Bei einigen Szenen musste wohl Nachsynchronisiert werden, was dazu führt, dass Frau Harper plötzlich eine sehr viel tiefere Stimme hat. Eine Bluray Auswertung sollte hier allerdings ebenfalls drin sein.
Wie wunderbar, dass dieser Tage mit "Inferno" (Feuertanz - 1980) der zweite Teil in einem wunderschönen Mediabook erschienen ist und gesehen werden möchte. Eine auführliche Besprechung auch zum Bonusmaterial wird in den nächsten Tagen folgen!

Dienstag, 28. Februar 2012

Die Switchblade Sisters kommen noch schärfer nach Deutschland

Grade trudelte die Info rein, dass Subkultur Entertainment den Jack Hill Film "Switchblade Sisters" (Die Bronx-Katzen - 1975) auch als BluRay veröffentlichen werden! Für eine üppige Ausstattung soll ebenfalls gesorgt werden.
Außerdem gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Qualität in 2 Screenshots:
Draufklicken, um den gewaltigen Unterschied zu bestaunen
Außerdem noch eine kleine Ergänzung in eigener Sache: Zombiebunker auf Facebook. Damit die Nachrichten direkt in das soziale Netzwerk gerollt werden können. Kann, muss man aber nicht.

Samstag, 25. Februar 2012

Noch ein TV-Tipp: ZDFkultur bringt heute "Bloody Mama" (1970)

Dieser Tage werden die Freunde der Exploitationkunst im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen regelrecht verwöhnt! Heute Abend (25. Februar 2012) um 23:55 Uhr strahlt ZDFkultur den Film "Bloody Mama" (1970) von Roger Corman aus! Natürlich klingeln da die Glocken, weil es sich um den gleichen Stoff, wie schon bei dem genialen "Ma Barker's Killer Brood" (1960) handelt!

Freitag, 24. Februar 2012

Hitchcock auf ARTE in HD



Noch ein kleiner Fernsehtipp für die nächsten Tage:

  • "Spellbound" (Ich kämpfe um dich - 1945) am 26. Februar 2012 um 20.15 Uhr. (Wiederholungen am 01.03.2012 um 00:25)
  • "Shadow of a Doubt" (Im Schatten des Zweifels - 1943) am 27. Februar 2012 um 20.15 Uhr. (Wiederholungen am 28.02.2012 um 01:50 oder 29.02.2012 um 14:50)
  • "Saboteur" (Saboteure - 1942) am 27. Februar 2012 um 22.00 Uhr

Donnerstag, 23. Februar 2012

Arte zeigt "Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel" (2011)

Endlich hat es sich mal gelohnt GEZ zu berappen! Arte zeigt am 10. März 2012 die Dokumentation "Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel" (2011) in Vorbereitung auf die im Sommer fortgesetzte Trashfilm Reihe. 8 Streifen sollen darin präsentiert werden und losgehen wird es am 7. Juli 2012.
Neben der Doku des Großmeisters, wird außerdem noch:  "Bud’s Best. Le monde de Bud Spencer" am 17. März , "Christopher Lee, l’élégance des ténèbres" am 24. März und "Ma vie – Udo Kier" am 31. März gezeigt!

Sobald die Filmtitel bekannt gegeben werden, gibt es hier einen Post. Bis dahin werde ich das TV-Geschehen etwas intensiver beobachten und die Filmtipps fortsetzen!

Mittwoch, 22. Februar 2012

The Toy Box (Sexualrausch - 1971)


Die Grindhouse Collection füllt sich. Nachdem bei "Beast Of Blood" (Drakapa, das Monster mit der Krallenhand - 1970) der Halbzeitstand von 1:0 für den Zuschauer gezählt werden konnte, befinden wir uns mittlerweile in der zweiten Hälfte der Box und auf uns wartet ein Heuler sondergleichen. "The Toy Box" (1971) ist definitiv nichts für schwache Nerven, Großbrustklaustrophobiker oder Menschen mit Geschmack. Die unterste Schundschublade wurde aufgezogen und sie lässt sich nicht mehr schließen. Der Mock aus trippigen Bildern, Schmuddelkram und dem großen Onkel weht einem entgegen.
Der Streifen ist irgendwo zwischen Thriller, Sexfilm, psychodelischem Drogenexperiment und Gothichorror zu verorten. Außerdem bringt es "The Toy Box" auf zwei besonders schlagende Argumente: Uschi Digard - die Sleazekönigin!
Die schwedische Erotikdarstellerin wird in dieser Edition auch direkt mit Extras in Form von enthaltenen Loops und einer Postergalerie gekrönt. Für eines ist also definitiv gesorgt: Sleaze und zwar in Strömen.
Wie bei jeder Grindhouse-DVD haben wir die Option, waschechtes Bahnhofskinofeeling im Wohnzimmer zu erleben. Im Trailerreel sind dieses Mal ein schlüpfriger Schmuddelstreifen, ein Djangowestern, ein Abenteuerfilm mit exotischen Frauen und einiges mehr. Unappetitlich Frittiertes versucht uns das letzte Essen zu entlocken und ein Mann mit Handschuhen, der wenig von Gendern hält, huscht durchs furniermöblierte Retrozimmer. 
Die Dame
Sobald der "Abspielknopf" betätigt wurde, erleben wir einen bizarren Vorspann und schon entspinnt sich ein desorientiertes Sozialdrama.
Die Handlung:
Ein Pärchen befindet sich auf einem Anwesen. Das Anwesen des Onkels! Und dieser Onkel ist ein ausgesprochen sonderbarer Zeitgenosse. Denkt der Zuschauer zu Beginn noch, dass hier ein Typ eine Schnapsdrossel zur Frau hat, die ihn mit ihrer Selbsterniedrigung nervt, wird schnell klar: Das hat System! Denn, wie die anderen Hippies in den kissengepflasterten Räumlichkeiten, sind sie nur vom Onkel engagierte Performer, die für ihn Schweinereien darbieten. Und damit ist im Grunde genommen schon die komplette Story verraten.
Aber wer ist der mysteriöse Onkel? Ein weißbärtiger, alter Sack mit zugekleisterten Augen, der über Lautsprecher und Blinklichter mit seinem eingeladenen Hippievolk kommuniziert und sie nach getaner Arbeit mit Kohle aus der Spielbox entlohnt. Ob er noch lebt oder was der ganze Zirkus soll, man weiß es nicht.
Der Onkel
Die Handlungsorte erstrecken sich von den erwähnten Räumen im gotischen Anwesen, auf eine rot ausgeleuchtete Treppe und das Zimmer des Onkels, das hektoliterweise mit Nebel geschwängert wurde. Ach, und die eine oder andere Außenszene. Das kommt allerdings eher selten vor. Wie es sich für einen Exploitationfilm gehört, also mit einem Etat, der dem Wort Budget spottet, weniger begabten Schauspielern und schlichten Kulissen. Irgendwann nach der dritten oder vierten Sexszene fängt es schließlich an, verrückt zu werden, Köpfe erscheinen auf Tischen oder fallen von der Decke und Leute verschwinden oder bringen sich gegenseitig um! Unser Protagonistenpärchen blickt als erstes die Lage, aber die druffen Hippies wollen natürlich nicht hören und pimpern fröhlich weiter. Sie sind alle verdammt!
Oh weija und wenn man sich dann noch die ebenfalls auf der Scheibe enthaltene US-Version von "The Toy Box" reinzieht, wird man mit noch ganz anderen Absonderlichkeiten beglückt. Liebesspiele im Wasserbad und kleine Aufmerksamkeiten, die man in den 70ern gern der Frau geschenkt hat.
Die Uschi (begrabbelt vom übernatürlichen Bett)
Der Film hat es sicherlich nicht leicht, weil durch die Sexszenen doch viel Tempo aus der ohnehin schon mageren Handlung genommen wird. Trotzdem wirkt die Umgebung mit dem seltsamen Onkel hinreichend obskur, damit man einigermaßen fasziniert von den absurden Einfällen des Regisseurs Ronald Víctor García ist. Der Name passt im Übrigen zum Film wie die Faust aufs Auge. Es bedarf also ein wenig Ausdauer und Durchhaltevermögen, um diesen Heuler schadlos zu überstehen. Wer das schafft, wird allerdings mit netten Einfällen, Uschi und einer unmöglich vorhersehbaren Wendung belohnt. Apropos Uschi, die hat dann noch eine ganz bizarre Szene, in der sie vom sich im Kreis drehenden Bett am Busen begrabbelt wird.
Zur Ausstattung:
Die Bildqualität des Films ist ausgezeichnet. Knackige Farben und eine angenehme Schärfe schmücken das Bild neben vereinzelten Verschmutzungen, die allerdings im Gegensatz zu anderen Grindhousefilmen dieses Mal sehr selten vorkommen. Hier wurde mal wieder herausragende Arbeit vom Restauratorenteam geleistet. Auch der Ton ist sehr klar, kaum Rauschen und nur in ganz wenigen Szenen knistert es ein wenig. Aber bei 40 Jahren, die so eine Gurke auf dem Buckel hat, wäre es nicht verwunderlich. Die grandiose Musik, mit teilweise exzessivem Hammondorgeleinsatz, kann also genossen werden.
Das größte Schmankerl wird für die meisten sicherlich der Audiokommentar von Pelle Felsch und Christian Kessler sein. Rotation im AK ist grundsätzlich zu befürworten und hier haben sich zwei Schnacker gefunden, die zum Ende hin zu absoluter Höchstform auflaufen! Neben vielen, vielen Informationen zu Darstellern darf natürlich die bekannte Situationskomik nicht fehlen und so werden die Lachmuskeln ein ums andere Mal bemüht.
Die Meute
Der streckenweise ermüdend wirkende Film wird so noch einmal um ein Vielfaches aufgewertet und lädt damit zu einer erneuten Sichtung ein. Auch beim Booklet gibt es einen neuen Schreiber, Caspar Lein, der unter dem Motto "Boobs from outer space" den Werdegang der eingangs erwähnten Uschi Digard nachzeichnet, eindrucksvoll bebildert und mit der nötigen Zotendichte. Optisch ist das Cover wunderbar und die Lady konnten wir ja schon auf dem Schuber vor über einem Jahr bewundern. Hier wurde einmal mehr beste Arbeit geleistet!
Die US-Fassung ist dann noch einmal ganze 12 Minuten länger und gibt dem Film eine gänzlich andere Note. Während man in der deutschen Fassung durch Kommentare aus der Off versucht hat, die gezeigte grafische Nudität zu verharmlosen bzw. an den Pranger zu stellen, lässt man das in der Amifassung natürlich sein. Auch die komplette Botschaft des Films wird so grundsätzlich verändert, sodass man "The Toy Box" durch die mahnenden Kommentare als waschechte Konsumkritik und Aufruf zur Suffizient bezeichnen könnte. Aber wie wir alle wissen, ist das natürlich gnadenlos an den Haaren herbeigezogen, denn bei einem derart sensationell inszenierten Film will man dem Zuschauer nur Sex, Gewalt und Horror bieten. Trotzdem lassen sich dadurch natürlich kulturhistorisch interessante Unterschiede herausstellen, wenn man das denn mag.
"The Toy Box" ist jedenfalls keine Sternstunde der Kinokunst und man ist gut beraten, wenn man ihn in keinster Weise ernst nimmt. Wer allerdings einen Hang zu alten, angestaubten Graupen hat, der wird bestens unterhalten und durch die wertige Aufmachung sowohl in Sammlerleidenschaft als auch im Hinblick auf den filmhistorischen Hintergrund befriedigt.
Wem "Curse Of The Crimson Altar" (1968) zu zahm war, "A Scream In the Streets" (1973) was abgewinnen konnte und Freude an ständiger Ambiguität zwischen Realität und Fiktion hat, dem sei er hiermit empfohlen!
Eine gelungene Veröffentlichung! Fans der Serie greifen zu, der Rest spielt Probe. ;)
Das Ende

Dienstag, 21. Februar 2012

Ein Neues Label am Schundfilmfirmament: Edition Tonfilm

Ahoi! 
Nein, der Schlüssel wurden nicht verloren, der Bunker hat einen kleinen Winterschlaf benötigt, aber hiermit ertönt der Startschuss für eine Reihe von Besprechungen und Ankündigungen, die in den kommenden Wochen folgen. Ich habe hier einen riesigen Stapel mit phantastischen Streifen, die gesehen werden möchten und nachdem ich endlich den kompletten Berg an Arbeit bewältigt habe, steht dem Spaß nichts mehr im Wege. An dieser Stelle auch mal ein riesiges Dankenschön an die regelmäßigen Besucher. Trotz Contentschwund immer noch täglich im 3-stelligen Bereich, ich verneige mich!
Und womit könnte man diese Initialzündung am besten verbinden, als mit ANKÜNDIGUNGEN.
Eine neue deutsche Schmiede tritt auf den Plan, nennt sich Edition Tonfilm und wird uns wohl in Zukunft mit schmackhaften Veröffentlichungen versorgen.
Die ersten beiden stehen unmittelbar vor der Veröffentlichung bzw. wurden kürzlich herausgebracht. Es handelt sich um: "The Screaming Skull" (Das Geheimnis des schreienden Schädels - 1958)

Und "Una sull'altra" (Nackt über Leichen - 1969):


Das Artworkt erinnert sehr stark an bisherige Veröffentlichungen von Subkultur oder dem Trivialfilm. Da hätte ich mir doch gern etwas Eigenständigeres gewünscht.  Limitiert sind die Dinger ebenfalls und ich hoffe, dass hier mit Liebe zum Detail gearbeitet wird, obwohl nicht wirklich viel Bonusmaterial dabei ist.
Ob das neue Label etwas taugt, werden wir in den nächsten Wochen erfahren, wenn die Scheiben bei mir eintrudeln und ich sie auf Herz und Nieren geprüft habe.
Außerdem bekommt "Zinksärge für die Goldjungen" (1973) endlich die langersehnte Special Edition von filmArt. Der Schuber macht ebenfalls einiges her, auch wenn ich das Cover der Vanillaedition noch etwas schöner finde:

Last but not least erscheint auch endlich "Inferno" (Feuertanz - Horror Infernal - 1980), das von Camera Obscura angestoßen wurde und jetzt über Koch Media als 3er Blu-Ray erscheinen wird. Hier muss ich allerdings noch etwas warten, weil sonst das Budget komplett gesprengt wird.
Bleiben Sie dran! Cheerio!