Donnerstag, 22. März 2012

Nosferatu im Kieler Studio-Filmtheater

Welch seltene Ehre wird diesem Meisterwerk in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt zuteil. "Nosferatu" (1922) 90 Jahre nach seiner Erstaufführung in Berlin noch einmal auf Großleinwand erleben zu können, das ist natürlich ein ganz besonderes Ereignis, dem man sich als geneigter Filmconnaisseur phantastischer Prägung nicht entziehen kann. Aber nicht nur der Film wurde aufgeführt. Um für die nötige Authentizität zu sorgen, engagierte das Kieler Studio-Filmtheater ein musikalisches Quartett bestehend aus dem Pianisten Dr. Werner Loll, Volker Linde an den elektronischen Saiteninstrumenten, Peter Weise am Schlagzeug und Ralf Lentschat am Blasgerät. Wie unschwer zu erkennen sein sollte, wird man damit nicht die ursprüngliche Begleitmusik vertonen können. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass sie damals schon Stromgitarren hatten. Ist aber egal, weil die  vier auf zum Teil Eigenkomponiertes, aber auch Klassisches zurückgriffen und um es vorweg zu nehmen: das hat wunderbar funktioniert.
Wie immer bei Veranstaltungen gab es einleitende Worte vom Team des Kinos, dieses Mal in schwarze Zylinder und Umhänge gehüllt. Überraschenderweise war der Saal fast vollständig gefüllt und einige dürften hier zum ersten Mal mit einem Stummfilm konfrontiert worden sein. Gezeigt wurde die von Luciano Berriatúa und der Friedrich Wilhelm Murnau Stiftung rekonstruierte und restaurierte Fassung. Damit handelt es sich um die Version, die auch bei uns von Universum Film mit einer DVD-Auswertung gewürdigt wurde. 
Die viragierte Version wirkt auf Großleinwand einfach noch phantastischer und in Kombination mit der Livemusik, war es einfach wunderbar, diesen Klassiker noch einmal bewundern zu dürfen. Besonders die musikalische Untermalung der Szenen mit dem Wettlauf des Seuchenschiffes und Hutter war sehr gut. Mit dem Schlagzeug wurden einige Sequenzen gar hörspielartig unterlegt und die Stromgitarre entpuppte sich als nostalgisch und progressives Versatzstück zugleich. 
Zum Film selbst muss ich sicherlich keine Worte mehr verlieren. Ein Meisterwerk und Wegbereiter des phantastischen Films. Murnau ist einfach ein Großmeister seines Faches und es ist mehr als bedauerlich, dass über neun seiner Filme als verschollen gelten, bzw. nur fragmentarisch erhalten sind.
Überhaupt kann es den Veranstaltern nicht hoch genug angerechnet werden, so einen doch eher riskanten Streifen aufzuführen und wie man den Aussagen entnehmen kann, wird dies wohl auch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass im Studio-Filmtheater ein Stummfilm lief.
Einzig ärgerlich war das viele Gelächter im Publikum. Offensichtlich waren einige mit dem Stummfilm, und dem damit inhärent expressiven Schauspiel der Darsteller, überfordert. Max Schreck als Nosferatu ist nicht witzig! Das ist ein verdammter Horrorfilm, auch wenn die antik wirkenden Effekte mit den konventiellen 0815-Sehgewohnheiten des normalen Kinogängers brechen. Ein bisschen mehr Respekt wäre da doch angebracht. Aber seis drum, mit den gekauften Kinokarten werden solche Veranstaltungen zumindest am Leben erhalten und dann muss man dümmliches Gelächter einfach ertragen. Leute lachen schließlich auch über Mario Barth. Zum Glück war die Akustik der Livemusik hinreichend laut, dass man nicht allzu oft das Gekicher wahr nahm.
Der einzige Feind des Filmnerds im Kino ist und bleibt der Mensch ;-)
Trotzdem war der Abend sehr gelungen, die 12€ waren nicht fehlinvenstiert und ein kurzer Plausch mit Peter Weise war auch noch drin.
Schöne Sache und wer beim Lesen Bock auf Stummfilme bekommen hat, der möge sich den dritten Podcast anhören, in dem ich neben "Nosferatu" auch über "Die Reise zum Mond" (1902), "Häxan" (1921) und "Körkarlen" (1921) rede.

Mittwoch, 14. März 2012

Zombiebunker Podcast #6

Heute über: Sternenkrieg im Weltall, Zinksärge für die Goldjungen, Galerie des Grauens, Gigant des Grauens, Die Bronx-Katzen, Black Mama White Mama, Suspiria, Inferno, Roger Corman Doku, Arte, ZDFkultur, I Walked With A Zombie.
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Viel Spaß!

Donnerstag, 8. März 2012

Interview mit Subkultur Entertainment 2012

Es ist schon ein paar Tage her, seit wir das letzte Interview geführt haben. In der Zeit ist viel passiert und daher dreht sich das Interview natürlich um aktuelle Veröffentlichungen und Geplantes sowie Hintergründe zur Entstehung vergangener . Da gerade sehr viel passiert, emsig an den neuen Ankündigungen gewerkelt wird, bin ich selbstverständlich froh, dass es geklappt habt. Viel Spaß beim Lesen.


Zombiebunker: Moin moin! Nach dem letzten Interview sind fast 1,5 Jahre und 10 Veröffentlichungen vergangen. Die Grindhouse Collection und die Drive-In Classics laufen prima. Was hat dich in dieser Zeit am meisten überrascht?

Subkultur Entertainment: Überrascht war ich von deiner erneuten Interviewanfrage und dem noch anhaltenden Interesse an Subkultur. Es gab Höhen und Tiefen während dieser Zeit, da kann mich eigentlich nichts mehr überraschen.  

Z: Inwiefern hat sich die Arbeit mit Subkultur Entertainment im Gegensatz zum Beginn verändert? Habt ihr noch Zeit zum Schlafen?

SE: Am Anfang war es eine Menge Chaos. Alles war neu und viele Probleme tauchten auf, die man als Frischling nicht unbedingt wissen kann, aber aus denen man sehr schnell gelernt hat. Mittlerweile geht es mehr oder weniger Hand in Hand und jeder Beteiligte hat seinen Aufgabenbereich. Das macht es einfacher und es erlaubt auch nebensächliche Dinge, wie z.B. das Schlafen.

Z: Was lief nicht so toll in der vergangenen Zeit? Gab es bei einigen Projekten besondere Probleme bzw. musstet ihr gar eine Veröffentlichung verwerfen?

SE: An wirklich gravierende Probleme kann ich mich nicht erinnern, aber alles birgt seine Tücken. Es gibt viele Dinge, die einen nicht wirklich überraschen, aber die für Verwunderung sorgen.  

Z: Auf welche Veröffentlichung bist du besonders stolz und warum?

SE: Auf alle. Sie sind alle mühevoll entstanden und jede einzelne DVD kann ihre eigene Geschichte erzählen. Da gibt es keine ganz besondere Scheibe.

Z: Was war das Verrückteste, was du im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung erlebt hast?

SE: Verrückt ist eigentlich das falsche Wort, doch wirklich verrückt ist die Resonanz auf "Sexualrausch". Dieser „Film“ war ein heißer Kandidat, da er polarisiert. Man liebt ihn oder man kann nichts mit ihm anfangen. Dazwischen gibt es nichts. Während in den Internetforen teilweise Sprachlosigkeit und Abscheu erwidert wurde, prasseln täglich E-Mails auf uns ein, die alleine nur diesem Film gewidmet sind. Das ist schon etwas merkwürdig, aber natürlich auch erfreulich.  

Z: Während der Arbeiten an den Streifen wurden auch immer mal wieder Interviews von euch produziert. Wie muss man sich solch eine transatlantische Zusammenarbeit vorstellen? Wie hoch ist der Stellenwert solcher Produktionen für eure Veröffentlichungen?

SE: Na ja, wir hecken die Ideen gemeinsam mit Elijah Drenner aus, der im Endeffekt auch die Idee dann in die Tat umsetzen muss. Es macht eine Menge Spaß, Beteiligte ausfindig zu machen und ihren Erinnerungen eine Plattform zu bieten. Meistens klappt das auch ganz gut, bis auf wenige Ausnahmen, wo einfach keinerlei Interesse besteht. Wichtig ist uns einfach, jedem Film ein kleines Treatment zu geben und solange wir das verwirklichen können, machen wir das auch. Nicht alles ist umsetzbar, da einige Dinge wirklich immens das Budget sprengen würden, aber bisher wurde immer ein wunderbarer Kompromiss gefunden, der im Ergebnis wunderbar funktionierte.  

Z: Der Corma-Film "Gesandter des Grauens" war mit 500 Einheiten der erste Titel der Drive-In Classics. Mittlerweile ist diese Veröffentlichung zu einem begehrten Sammlerstück geworden. Eigentlich doch schade, dass man davon nicht mehr bringen konnte, oder?

SE: Natürlich ist es schade, aber wenn nicht mehr möglich ist, ist eben nicht mehr möglich. Da kann man noch so schimpfen oder Trübsal blasen, aber wir haben nur die Menge produziert, die wir produzieren durften. Dass es so stark losgeht, konnte ja keiner wirklich vorhersehen.

Z: Bleiben wir bei "Gesandter des Grauens" - da hat Mike Siegel einen fantastischen Audiokommentar beigesteuert. Werden wir ihn irgendwann noch einmal wiedersehen bzw. -hören?

SE: Wenn es in beide Terminkalender passt, wird Mike in Zukunft mit Sicherheit wieder dabei sein. Aktuell hoffe ich auf seine erneute Beteiligung bei einem Film, da es in seinen Wissensbereich fällt. Vielleicht klappt es ja.

Z: Apropos Audiokommentar. Da haben wir ja mittlerweile auch schon einige Personen erleben dürfen, von Jörg Buttgereit über Kai Nowak bis hin zu Pelle Felsch oder Christian Kessler. War es einfach, die Genannten für einen Audiokommentar zu begeistern?

SE: Es muss ja immer passen. Wenn ein Kommentator keinerlei Interesse an dem Film hat, lohnt es sich nicht, einen aufzunehmen, da das Ergebnis eben genauso desinteressiert klingen würde. Generell schwer ist es nicht, die Leute zu bekommen, aber es ist generell mal gar nicht so einfach, einen Audiokommentar zu verwirklichen. Das stellen sich viele zu leicht vor. Mal eben jemanden vor das Mikro setzen ist nicht sonderlich schwer, aber es muss eben zwischen Film und Sprecher harmonieren. Tut es das nicht, kann man es direkt sein lassen. Ein Audiokommentar nur des zusätzlichen Extras wegen ist nicht unser Plan.

Z: In der Grindhouse Collection darf sich ja der Zuschauer das sprichwörtliche Bahnhofskinoticket ziehen und wird mit Trailern und Werbung verzaubert. Nach welchen Kriterien sucht ihr die Trailer aus und wer kam auf die verrückten Ideen für die Werbung?

SE: Die Trailer spiegeln das wider, was die Kinogänger damals auch erlebt haben. Sex, Crime und eine Menge Gewalt. Je obskurer, umso besser. Die Werbeclips sind Ideen unseres Studios. Die Jungs haben viel Spaß daran, die Sau rauszulassen und das tun sie auch. Krebs-Zigaretten war noch eine gemeinsame Idee, doch ab dem süffigen Tourettinger haben sie gemacht, was sie wollten und das ist auch gut so.  

Z: Was ich mich schon immer gefragt habe: Wo habt ihr den Spot zu den Femizid-Handschuhen gedreht? Seid ihr in eine Zeitmaschine gestiegen oder habt ihr Rentner für diese geniale Location belästigen müssen?

SE: Die Location existiert exakt so auch heute noch. Wo das ist und wer die Drehgenehmigung gab, wird aber nicht verraten.  

Z: Was ist eigentlich aus Trudi Gimpel geworden? Gab es Probleme mit dem Gesundheitsamt?

SE: Trudi ist in Rente. Kurz vor dem Führungswechsel hat sie es noch mal krachen lassen. Du weißt schon, ins Essen der Gäste gespuckt, in den Kaffee gestrullert und solche Sachen. Ob Gisela so lange durchhält, weiß ich nicht. Trudi war lebensfroher und hat nicht alles so ernst genommen, worüber sich die Kunden beschwert hatten.  

Z: Zurück zu den ernsthaften Themen. Die Edition Deutsche Vita wird dieses Jahr ihren Startschuss mit der Special Edition von "Zinksärge für die Goldjungen" erhalten. Wann wird das sein und welche Titel sind in dieser Reihe vorerst außerdem noch geplant?

SE: Wann es ist, kann ich nicht sagen, da FilmArt das Projekt betreut. Vielleicht liegt die DVD ja schon vor uns, wenn du das Interview hier veröffentlichst. Die nächsten Titel sind ja schon bekannt. „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn“ und „Fluchtweg St. Pauli“ kommen danach und befinden sich in Vorbereitung. Was noch kommt, verrat ich nicht, da erst mal die ersten ihren Weg ins Regal finden sollen.

Z: Mit "Sternenkrieg im Weltall" begebt ihr euch erstmals nach Asien. Was gibt es zu dieser Veröffentlichung zu sagen und dürfen wir noch mehr Filme aus diesem Bereich erwarten?

SE: Sternenkrieg wird eine sehr schöne VÖ werden. Da steckt viel Ehrgeiz drin und ich glaube, das sieht man dem fertigen Produkt auch an. Aus dem asiatischen Bereich kommt sicherlich noch mehr, doch ich will nicht zu viel sagen, da diese DVDs enorm viel Zeit beanspruchen.  

Z: Bisher kennen wir von euren Veröffentlichungen die edlen Schuber und die Amaray als Standardumverpackung. Wollt ihr da in Zukunft auch mal auf neuen Pfaden wandern oder bleibt ihr euch treu?

SE: Der Drive-In-Schuber ist eine Sonderanfertigung und ziemlich teuer in dieser Auflagenstärke, daher wird es den nur bei den Drive-Ins geben. Andere Verpackungsarten werden aber auch kommen, das ist sicher, jedoch legen wir uns da eher kurzfristig fest.

Z: Die Grindhouse Collection neigt sich dem Ende, wird es noch einmal eine Serie von euch geben, die wir in einer schicken Box sammeln können? Welche Genres stehen in Zukunft auf der Speisekarte?

SE: Es ist eine Box in Planung, aber vielleicht wird das Konzept auch gekippt und wir bringen die dafür gedachten Titel einzeln. Schaun wir mal. In Zukunft erscheint ebenfalls das, was Spaß macht. Ich will da gar nicht so viel erzählen, denn dann tut es nicht weh, wenn es nichts wird, da nie jemand davon wusste.

Z: Vor Kurzem habt ihr bekannt gegeben, dass die Bronx-Katzen überraschend von euch in HD veröffentlicht werden. Wie kam es dazu? Wird diese Blu-Ray auch ein Lackmustest für weitere HD-Veröffentlichungen von Klassikern sein?


SE: Entgegen vielen Behauptungen haben wir uns ja nie gegen eine BluRay ausgesprochen. Ursprünglich waren zwei andere Titel als Startschuss vorgesehen, aber da entpuppte sich das versprochene HD Master als Upscale und wir haben es gelassen. Die Katzen sind ein kleines Projekt, wo extrem viel investiert wurde und noch wird. Wir produzieren eine Doku, die ca. 60 Minuten laufen wird und weitere Extras sind aufgetaucht, weshalb schon die Ausstattung ein Premium-Projekt wird. Das HD Master ist das kleine Sahnehäubchen, was bei Lizenzierung des Titels nicht mal spürbar in der Nähe verweilte. Und weil die Arbeit an dem Film und mit Jack Hill so unheimlich Spaß macht, wurde der Titel nun auserwählt. BluRay ist immer ein Thema und wenn es einen potenziellen Titel gibt, wird es nicht nur bei einer bleiben.

Z: Stichwort "Planet der toten Seelen": Dort habt ihr eine ebenfalls überraschende Kooperation mit Anolis angekündigt. Wie kam es dazu und wird es so etwas auch in Zukunft geben? Wie ist der derzeitige Stand hinsichtlich der Veröffentlichung?

SE: Beide Firmen haben den Film gleichzeitig lizensiert (ja, so was ist möglich) und da es zwei verschiedene Filmfassungen gibt, haben wir uns zusammengetan und produzieren die DVD gemeinsam. Erscheinen wird der Film als Doppel-DVD in den „Drive-In Classics“. Wann er erscheint, kann ich jedoch nicht beantworten, da sowohl Anolis als auch wir bis zum Hals in Arbeit stecken und andere Titel ganz einfach Priorität haben.

Z: Momentan darf man sich als Freund klassischer Genrefilme nicht gerade über einen Mangel an Veröffentlichungen beklagen. Unter anderem euch ist es ja zu verdanken, dass sie sich so gut etablieren konnten. Es springen mittlerweile aber auch andere auf den Zug auf. Seht ihr das als Bereicherung an, als Konkurrenz, um noch bessere Produkte abzuliefern? Oder besteht auch die Gefahr, dass die Welle, die durch die bisher qualitativ immer hochwertigen Veröffentlichungen erzeugt wurde, von lieblosen Outputs geschädigt werden könnte?

SE: Ob da eine Gefahr besteht, kann ich nicht beurteilen. Der Markt reinigt sich zwangsläufig immer selbst und die Zeit wird zeigen, ob eines Tages kein Interesse an solchen Produkten mehr herrscht. Rein persönlich sehe ich nur dann Konkurrenz, wenn jemand schamlos unsere Arbeiten 1:1 kopiert, aber das ist ja nicht der Fall. Wir haben das Rad ja auch nicht neu erfunden und ebenfalls unsere Vorbilder, daher sehe ich es eher gelassen. Wir kümmern uns um unsere Produkte, da diese genug Zeit beanspruchen. Schlussendlich ist es aber immer der Endkunde, der über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Wenn andere Produkte ebenfalls gefallen, dann hat der Filmfan doch nur gewonnen.

Z: Ich werde ja nicht müde zu erwähnen, was für ein Teufelskerl euer Grafiker ist. Bei jeder neuen DVD darf man sich über wunderschöne Plakatmotive auf den Covern freuen, die aber trotzdem besonders stimmungsvoll bearbeitet werden. Ist das mittlerweile schon euer Stil, der sich von anderen Genreveröffentlichungen unterscheidet?

SE: Na ja, Benny macht schon einen tollen Job, aber er hat die Plakatmotive ja nicht entworfen. Wir versuchen, bei jeder Veröffentlichung auf Originalmotive zurückzugreifen und zu fast jedem Film gab es verschiedene internationale Motive, die dann auch Verwendung finden. Es gibt aber auch Härtefälle, wie z.B. die Nummer 6 der „Drive-In Classics“, wo weltweit gar nichts bzw. nur großer Müll zu finden ist. Da haben wir ein Motiv von Rainer Engel zeichnen lassen, um überhaupt etwas zu haben und das Ergebnis sieht beinahe aus wie ein Originalmotiv, stammt aber aus 2012.

Z: Zuletzt kam von euch "Sexualrausch", ein völlig abgedrehter Film. Zu welchem Getränk würdest du jemandem raten, der ihn das erste Mal sieht?

SE: Wasser! Alles andere würde die Wirkung des Films verfälschen. Danach vielleicht einen doppelten Espresso, um das Gesehene zu verarbeiten.

Z: Lasst ihr euch von Filmvorschlägen der Filmfans inspirieren und seid ihr so schon einmal auf einen Titel gestoßen, den ihr gar nicht auf dem Zettel hattet, es sich aber lohnen würde, ihn zu bringen?

SE: Wir lesen die Vorschläge und es sind einige sehr interessante Dinge dabei. Doch bisher gab es nur einen einzigen Vorschlag, der uns wirklich dazu veranlasst hat, dafür zu recherchieren. Bisher zwar ohne Ergebnis, aber so schnell wird nicht aufgegeben.

Z: Als wir das letzte Mal das Interview führten, hast du davon gesprochen, was für eine harte Arbeit euer Restauratorenteam zu leisten hat. Speziell bei "Gesandter des Grauens" musste ja viel getan werden. Wurden die Arbeiten danach entspannter oder gab es noch einmal viel zu bewältigenden Aufwand bei einer anderen Veröffentlichung?

SE: Lass mal im Studio die Worte „Sternenkrieg im Weltall“ fallen und schau, was passiert! Japanische Filme, die in Deutschland schon mal eine Veröffentlichung spendiert bekommen haben, sind ein Mysterium für sich. Man kann quasi im Vorfeld schon sicher sein, es mit mindestens 2 verschiedenen Fassungen zu tun zu haben, doch „Sternenkrieg“ hatte stolze 4 Fassungen, die sich (weil es so schön fies ist) lediglich im Framebereich unterscheiden. So was sieht man erst, sobald alles auf dem Tisch liegt. Dem Studio wurde noch nicht verraten, dass es für den nächsten japanischen Film 4 internationale Kinofassungen gab und zusätzlich noch 3 verschiedene Videofassungen.  

Z: Okay, wollen wir mal eine Runde "Wünsch dir was" spielen. Wenn du nur einen einzigen Film veröffentlichen könntest und Lizenzen keine Rollen spielen würden: Welchen Film würdest du rausbringen und warum?

SE: DER KLEINE HOBBIT !!! Warum? Ich will mal Geld verdienen.

Z: Was habt ihr sonst noch so für dieses Jahr geplant? Halten sich die Verkäufe eigentlich stabil, sodass erst mal mit dem vorläufigen Fahrplan weitergemacht werden kann oder muss man sich Sorgen machen?

SE: Dieses Jahr beginnt ein neues Projekt, welches sich mal nicht so sehr auf die Nische konzentriert, sondern sich allgemein dem Schwarz-Weiß-Film widmet. Darauf freu ich mich schon ziemlich und hoffe, den Käufern gefällt es auch, wobei die meisten davon sicherlich nicht in Internetforen anzutreffen sind. Man wird sehen. Sorgen mach ich mir immer, denn der Markt ist überschaubar und jeder Titel birgt Risiken, die sehr weh tun können.  

Z: Was war das schönste Kompliment, das einer eurer Outputs gemacht wurde?

SE: Hui, da fragst du was. Explizit zu einem einzigen Titel kam bisher eigentlich nichts. Positive Reviews, zufriedene Kunden und leere Händlerregale sind aber ein schönes Kompliment.

Z: Dann möchte ich mich recht herzlich für das Interview bedanken, wünsche euch auch weiterhin viel Erfolg und Schaffenskraft bei den Scheiben!  

SE: Bis nächstes Jahr?

Z: Spätestens!

2 neue Titel von Subkultur "Galerie des Grauens" und "Sternenkrieg im Weltall"

Geschäftiges Treiben bei unseren Label-Lieblingen. Mit "Uchû kara no messêji" ("Sternenkrieg im Weltall"- 1978) erscheint der erste Teil der neuen Toei-Reihe! Im Digipack mit schönem Design in der ungekürzten japanischen Originalfassung und der rekonstruierten deutschen Kinofassung. Als Extras werden die Dokumentation "Message from Earth", der japanische und deutsche Originaltrailer,  eine Bildergalerie, ein Audiokommentar mit Jörg Buttgereit und Pelle Felsch sowie ein achtseitiges Booklet enthalten sein. Das passt natürlich nicht auf eine Scheibe, deswegen wird es eine Doppel-DVD. Limitiert ist "Sternenkrieg im Weltall" auf 2000 Stück.
Ich als Japanoskeptiker fasse das natürlich mit gemischten Gefühlen an, aber vertraue den Jungs von Subkultur hier, einen Kracher unters Volk bringen zu wollen.

Aber das war nicht die einzige Ankündigung heute. Die Drive-In Classics gehen in die sechste Runde! Es kommt "Dr. Terror's Gallery of Horrors" ("Galerie des Grauens" - 1967) mit unser aller Lieblingswerwolfdarsteller Lon Chaney Jr.. Als Extras bekommen wir eine Featurette: John Carradine – Galerie eines Schauspielers, die Nostalgiefassung, eine Bildergalerie und ein achtseitiges Booklet. Den Schuber schmückt ein exklusives Coverartwork von Rainer F. Engel. Limitiert ist "Galerie des Grauens" auf 1000 Stück. Ein Veröffentlichungstermin steht schon fest: Freitag, der 13. April 2012. YEAH!

Mittwoch, 7. März 2012

TV-Tipp "I Walked With A Zombie" (1943)

Es lohnt sich am Samstag, den 10. März, den Rekorder eurer Aufzeichnungsgeräte zu programmieren. Neben der bereits angekündigten Doku "Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel" (2011) um 21:40 Uhr auf ARTE, wird ZDFkultur wenige Stunden später den Zombieklassiker von 1943 "I Walked With A Zombie" (Ich folgte einem Zombie) bringen. Es geht genau um 00:35 Uhr los (also im Grunde genommen Sonntag früh).
Der Streifen wurde in Deutschland bisher nur auf VHS veröffentlicht und stellt somit eine echte Rarität dar.
Selbst Horrorpunk Künstler wie Wednesday 13 haben diesem Film bereits Tribut gezollt. Leider funktioniert das Video bei Youtube nicht. Bedankt euch bei der GEMA.
Aber immerhin, GEZ zahlen lohnt sich, wenn man solche Genreperlen bekommt!

Freitag, 2. März 2012

Francesco Francavilla - Black Beetle


Freunde pulpiger Comickunst aufgepasst. Francesco Francavilla wird im April in der elften Ausgabe von Dark Horse Presents den ersten Teil seiner Story "Nightshift" veröffentlichen!
Die Geschichte spielt in den 40ern und beinhaltet sowohl Thriller-, Mysterie als auch Crime Noir - Elemente! Einen Endruck von seiner Arbeit und der Figur des Black Beetle kann man in seinem Webcomic "Kara Böcek" gewinnen.  Diese Geschichte soll außerdem demnächst auch noch einmal in Print aufgelegt werden. Als Autor, Zeichner, Letterer und Kolorist in Personalunion, zählt der außergewöhnliche Italiener momentan zu den beeindruckensten und auch arbeitsintensivsten Künstlern im internationalen Comicbereich. 
Neben dem interior design übernimmt er auch für viele Serie bei Dynamite Entertainment die Cover. Besonders bekannt dürfte er für Zorro, Green Hornet - Year One oder Black Panther (Marvel) sein. Aktuell hat er ein Variantcover bei der neuen, ebenfalls pulpigen Retroserie, The Spider gezeichnet:
Dass Francavilla weiß, wo seine Wurzeln liegen und anscheind auch etwas für das italienische Kino übrig hat, beweisen seine grandiosen Artworks zu Filmpostern, seien sie nun fiktiv oder nicht. Ein besonders schönes Beispiel ist das an "Terrore nello spazio" (Planet der Vampire - 1965) Plakat. Überhaupt hat er einen Stil, der sehr stark an das Kino der 60er und 70er Jahre erinnert. Man mag es kaum glauben, aber er erstellt sogar Lobbycards! 
Beim Interviewpodcast Word Ballon gibt es ein extrem hörenswertes Interview mit ihm. Allerdings ist das schon etwas älter (Mai 2011).
Überraschend wurde er für den Eagle Award nominiert, in der Kategorie "Favourit Newcomer Artist". Hier geht es zur Abstimmung. Außerdem bloggt er an allen Ecken und Enden. Zum einen ist der Blog Pulp Sunday sehr zu empfehlen bzw. der Blog zum Black Beetle. Sketche und Artworks an denen gearbeitet wird, kann man auf dem Sketchblog bewundern. Dort kann man auch Drucke seiner Arbeiten für relativ kleines Geld erwerben. Mal schauen, was in der Zukunft noch so von ihm kommen wird. Sein reduzierter Stil, der ihm schon Arbeiten an Detectiv Comics oder in Zusammenarbeit mit Ed Brukaker verschafft hat, überzeugt nicht nur in Geschichten, die in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts spielen. Schaut mal rein, ich finde, es lohnt sich extrem!

Donnerstag, 1. März 2012

Das Layout der Zinksärge

Zum Ausklappen und wunderschön. Das wird sicherlich eine Knallerveröffentlichung!

Die Farbe (2010)

Meine Begeisterung für den Independentfilm hielt sich schon immer in Grenzen und mit dem deutschen Film konnte ich außer den Ausflügen in den Kriminalfilm (Edgar Wallace) bzw. den frühen Stummfilmen von Fritz Lang oder Friedrich Murnau nie wirklich etwas anfangen. Die deutsche Filmlandschaft scheint mir für den Genrefilm nicht besonders geeignet und ich kann es absolut nicht verstehen, weshalb fast alle Anrainerstaaten großartige Produktionen auf die Beine stellen und hier nur Tatort, Bully und Til Schweiger stattfindet. 
Aber ich liebe H.P. Lovecraft und bin durch einen Zufall auf dieses Projekt, das eigentlich eine Abschlussarbeit an einer Filmhochschule werden sollte, gestoßen. Tja, und wie soll es anders sein, meine Skepsis wich schnell Begeisterung!
"Die Farbe" (2010) baut auf der Kurzgeschichte "The Colour Out of Space" von Lovecraft auf, allerdings sind Handlungsort und -zeit etwas verändert und auch sonst hielten sich die jungen Filmemacher nicht sklavisch an die Vorlage. Was sich im Nachhinein betrachtet als sinnvoll herausgestellt hat, da man Literatur dieser Machart einfach nicht direkt ins Visuelle übersetzen kann. Lovecraft verzichtet fast immer in seinen Werken auf die Darstellung expliziter Szenen. Bis auf "Shadow Over Innsmouth" fällt mir auch spontan keine andere seiner weird tales ein, wo sonst derart "actionreich" das Böse geschildert wird. Vielmehr wird auf die Imagination des Lesers gesetzt. In weiten Teilen trifft dies auch auf "Die Farbe" zu, jedoch wurde dem Unbekannten, dem Unausprechlichen ein vages Antlitz verliehen.
Die Einbettung in eine Rahmenhandlung, wie schon bei der Vorlage, erweist sich als durchaus geschickt, sodass sich die Geschichte auf mehreren Ebenen entfalten kann.
Wir befinden uns mitten in den 70er-Jahren. Ein junger Amerikaner ist auf der Suche nach seinem Vater. Dieser kehrte plötzlich an seine deutsche Wirkungsstätte im Zweiten Weltkrieg zurück. Angekommen im Dorf, trifft der Bursche auf jemanden, der mit seinem Vater zu tun hatte und ihm über die sonderbaren Ereignisse vergangener Tage berichten kann.
Wie auch in Lovecrafts Erzählung stürzt ein Objekt vom Himmel und gibt den Bewohnern des verschlafenen Dorfes Rätsel auf. Die Herren Professoren der Universität zerbrechen sich ebenso vergebens den Kopf über das fremdartige Gestein.
Die Umgebung verändert sich und auch die dort lebenden Menschen verändern sich.
Mehr soll von der durchaus spannenden, jedoch sehr ruhig und gelassen erzählten Handlung nicht verraten werden.
Wie ist nun dieser Independentstreifen umgesetzt? Die erste erfreuliche Nachricht ist: in HD. Es wurde mit einer modifizierten HD-Kamera gedreht, die nicht wie bei den meisten anderen ein TV-Bild, sondern echtes Filmbild erzeugt. Zudem ist der gesamte Film in Schwarz/Weiß gehalten, was, wie wir bei den jüngst verliehenen Oscars bemerkt haben, ganz salonfähig sein kann!
Einer Lovecraft-Erzählung verleiht dies natürlich ein wunderbares Retrogefühl und da ein großer Teil der Handlung auch vor dem Zweiten Weltkrieg spielt, passt es perfekt.
Die Filmmusik wirkt komplett professionell, ist stellenweise jedoch etwas zu laut im Vergleich zum gesprochenen Wort der Darsteller. Diese muss man in einigen Szenen doch etwas hochziehen, um den genauen Wortlaut zu verstehen. Trotzdem wird die musikalische Untermalung sparsam und dosiert eingesetzt. Es gibt etliche Momente, wo absolute Stille herrscht und sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Schauspiel richtet.
Das ist über weite Strecken ebenfalls sehr professionell. Die Hauptcharaktere können alle überzeugen, nur bei ein bis zwei Darstellern älteren Semesters, die jedoch nur sehr kurz auftreten, ist es nicht ganz so gelungen. Aber mei, sei's drum.
Ausgestattet ist der Film hervorragend. Man hat wohl auf einem Denkmalshof gedreht, auf dem etliche Häuser restauriert wurden und somit eine wunderbare Kulisse bieten. Was man nicht hatte, wurde digital eingefügt und das sieht man nicht immer auf den ersten Blick. Ein Taxi, das zu Beginn durch einen Wald fährt, das "Unbekannte" oder auch eine unheimliche Sterbeszene, entstanden am Computer. Natürlich hat das nicht die "Transformers"-Qualität, aber dadurch, dass es nicht bis zum Erbrechen eingesetzt wurde, fügt es sich wunderbar in den Schwarz/Weiß-Look ein. Klar, an einigen Stellen sieht man, dass der Hintergrund animiert ist. Bei vielen Einstellungen, wo z.B. Kirchtürme hinzugefügt wurden, sieht man es aber wirklich überhaupt nicht! 
Die Kameraführung und auch der Schnitt sind teilweise sehr raffiniert und tragen wesentlich dazu bei, dass wir es hier mit einem sehr kurzweiligen Film zu tun haben. Lovecraft-Verfilmungen haben es ja generell schwer und mir fällt auch kein Beispiel für eine gelunge Umsetzung ein, mal von den verschiedenen Hörspielversuchen abgesehen, wo das eine oder andere gute Beispiel vorhanden ist. Trotzdem schaffen es Huan Vu und Jan Roth  hier, eine wirklich liebevolle und bemerkenswerte Umsetzung zu erschaffen.
Wen der Text neugierig gemacht hat, der sollte schleunigst auf die informative Seite des Films gehen und sich den Trailer anschauen oder das direkt hier tun:
Im Shop kann man sich dann auch die verschiedenen Editionen aussuchen. Von der Blu-Ray über eine DVD bis hin zu Paketen mit der gedruckten Lovecraft-Geschichte mit Poster und Shirt ist alles dabei, was das Herz begehrt. Die Blu-Ray selbst hat ein sehr gutes Bild, das nur in manchen Szenen etwas schwächelt. Bei manchen besonders dunklen Sequenzen sieht man vereinzelte Staubkörner. Aber wie man in den Extras erfährt, wurde auch hier Hand angelegt, damit sich diese in Grenzen halten. Überhaupt kann ich die Extras sehr empfehlen. Hier gibt es neben erweiterten Szenen auch Trailer und  Features zur Entstehung des Films. Aus dem Off werden die Drehtage beleuchtet und man bekommt einen sehr guten Eindruck über den Aufwand. Ebenfalls vorhanden ist ein Extra mit den Spezialeffekten, die für den einen oder anderen Aha-Effekt sorgen sollten.
Wer also Lovecraft liebt und etwas für unheimliche, aber ästhetische Filme übrig hat und das eine oder andere Auge hinsichtlich der Umsetzung durch ein begrenztes Budget zudrücken kann, der sollte hier nicht Nein sagen. Ich bin jedenfalls froh, dass ich den Schritt gewagt und mir endlich dieses Kleinod nach Hause geholt habe. 
Die Lovecraft-Geschichte selbst kann man natürlich auch kostenlos und legal (auf Englisch) im Internet lesen.