Samstag, 19. Mai 2012

Octaman kommt in Juni


Es geht weiter bei der Trivialfilm Kollektion und bleibt tierisch! Die Ausstattung der Veröffentlichung:
DVD 1
  • Bildformat: 1.33:1 Vollbild
  • Ton: Deutsch
  • Laufzeit: ca. 75 Minuten
  • Featurette: "Der Monstermacher - Ein Interview mit Doug Beswick" (Engl. mit dt. UT)
  • Featurette: "It came from Bronson Canyon" (Engl. mit dt. UT)
  • Vorwort von Jörg Buttgereit mit Kurzfilm
  • Bildergalerie
  • Originalvorspann
  • Booklet mit einem Interview mit Rick Baker
  • Exklusive Lentikularkarte

DVD 2
  • Bildformat: 1.85:1 (anamorph)
  • Ton: Deutsch
  • Laufzeit: ca. 75 Minuten

Die Doppel-DVD Edition ist limitiert auf 1000 Stück und erscheint im Juni 2012.

Mantis In Lace (Laila - Vampir der Lust - 1968)

Halali und halala, jagen ging die Lailaila!
Mit der Nummer sechs der Grindhouse Collection serviert uns Subkultur Entertainment einen bizarren Drogencocktail aus Sleaze, Wahnsinn und Slasher. Filmgewordener Unrat ergießt sich über den Zuschauer und wer schon bei "Sexualrausch" ("The Toy Box" - 1971) seinen Spaß gehabt hat, kommt hier sicherlich auch auf seine Kosten!
Zunächst darf man die gewohnt großartige Aufmachung bewundern und sich von herrlich verschimmelten Trailern verzücken lassen. Da haben wir "Pretty Lady Damned to Kill" (1969), einen Shawfilm mit Bruce Lee, "The Corpse Grinders" (1972), "Danger - Keine Zeit zum Sterben" (1984) und "Milano... difendersi o morire" (1978). 
Außerdem gibt es wieder passend auf den Film abgestimmte neue Fakespots. Zum einen den Stripschuppen "Zur prallen Wurst" (mit sensationaller Vertonung!) und eine fiebrige Einstellung zu einem "Hallo Wach" - Mittelchen. 
deutsche Kinofassung

Im Booklet beschäftigt sich Caspar Lein mit Drogen, Hippies und Filmen über Drogen oder Hippies, aber auch der amerikanischen Softsexfilmentwicklung.
Zudem finden sich 2 Versionen des Films auf der DVD. Die deutsche Kinofassung mit originaler Synchronisation, die einen spröderen Eindruck macht, einen völlig anderen Beginn hat und wesentlich weniger Nudität zeigt, und die US-Fassung, die über 10 Minuten länger ist und in einer wirklich tollen Qualität kommt. Da fragt man sich, wo sind die 40 Jahre geblieben?
Die US-Fassung ist im Originalton mit deutschen Untertiteln, sodass wirklich alles an Board ist und für jeden was dabei ist! 
Interessant ist, wie sehr sich doch beide Fassungen voneinander unterscheiden, daher ist das Vorhandensein eine unglaubliche Bereicherung!
Als Hidden Feature gibt es eine extrem obskure Dokumentation über LSD und die fährt alles auf, was in dem popkulturellen Zusammenhang möglich ist! Verrückte Hippies, okkulte Rituale, biochemische Wirkungen. Auf 25 Minuten bekommt man also einen ganz einzigartigen Einblick in zeitgenössische Blickwinkel. Eine wirklich tolle Dreingabe, die extrem seltsam ist, aber mit fantastischer Musik unterlegt ist!
US-Fassung - Laila beim Typen mit dem Riesenklunker im Ohr
Ein Audiokommentar ist auch wieder dabei. Pelle Felsch (bekannt aus den Booklets und dem AK zu "Sexualrausch") und das Mastermind hinter Subkultur Entertainment, Tino Zimmermann, selbst nehmen Platz hinter den Mikrofonen und plaudern über den Streifen, die Darsteller und darüber, wie es so hinter den Kulissen von Subkultur so abgeht.
Was Aufmachung und Austattung betrifft, hält man weiterhin das Niveau, verwöhnt den Filmfreund und liefert ein vorzügliches Produkt ab!
Aber kommen wir zum eigentlichen Film. Wir haben hier wieder einen Sleazehammer, der völlig stumpfen Sorte, oder auch nicht?
Es geht um Laila. Laila ist Stripperin in einem Schuppen und hat, wie wir aus dem deutschen Vorspann wissen, eine Abneigung gegen schwammige, quallenartige Dinge. Warum das wichtig ist? Keine Ahnung, aber im späteren Verlauf erzählt sie uns auch noch, dass sie Gurken, Bananen und Melonen hasst. Man merkt also, dass die Dame nicht grade den geistig gefestigtsten (bitte laut aussprechen, während ihr diese Zeilen lest) Eindruck macht! Weil sie auch noch nymphomanisch veranlagt ist, findet sie in so einem Etablissement natürlich denkbar einfach Opfer.
Dumm nur, wenn man einer labilen Frau dann noch LSD anbietet, sodass sie völlig durchdreht und langsam Gefallen an diesem rituellen Vorgehen findet.
Die Dialoge sollte man sich hier unbedingt mit der deutschen Kinosynchro geben - große Dichter hätten nicht subtiler vorgehen können!!! 
Aber was zu Beginn noch am positivsten ins Auge oder vielmehr ins Ohr sticht, das ist der Titelsong von Lynn Harper. Schmissiges Ding, das man sich auch an dieser Stelle online anhören kann. Aber die restliche Musik des Streifens, von Vic Lance (bekannt aus "Astro Zombies" (1969)), weiß ebenfalls zu begeistern. Swingende Stücke, aber auch klassische Fahrstuhlmusik bekommt man und erkennt deutlich, dass dieser Streifen für Tarantino bei "Death Proof" (2007) garantiert Pate stand. Für den Zwillingsbruder des Grindhouse-Revivals "Planet Terror" (2007) dürften die Stripteasetänze aber auch von Bedeutung gewesen sein. Wie man sieht, "Mantis In Lace" (1968) ist in jeglicher Hinsicht ein Original, das man bei der Entdeckungsreise durch das Grindhouse- und Bahnhofskino definitiv entdecken muss.
Natürlich ist der Film sehr simpel gestrickt. Es läuft immer nach Schema F: Es gibt Tänze, dumme Dialoge, dann geht es ab ins Bett, es wird LSD genommen, Laila spielt die Gottesanbeterin und danach rätselt die Polizei über die Morde. Aber was an Schauwerten geboten wird, ist wirklich toll. Zum einen die Tänze, die von einer tatsächlich sehr begabten Blondine dem testosterongeschwängerten Publikum dargeboten werden. 
Außerdem erhält man einen zeitgenössischen Einblick in die Drogenkultur der Spätsechsziger und in die halluzinogenen Szenen, spielt man mit Lichteffekten zum Teil sogar richtig filigran und künstlerisch herum. Das sieht cool aus, auch wenn es vermutlich vom 2 Jahre zuvor erschienen Corman-Drogen-Knaller "The Trip" (1967) entliehen ist.
Zudem treffen wir einen alten Bekannten wieder, nämlich Stuart Lancaster, der in etlichen Russ-Meyers-Streifen u.a. als Narrator vorkommt.
Auch wenn der Film Längen hat, wird man doch immer sehr gut unterhalten. Sei es nun, wenn Laila von birkenhaarwasserbeschmierten Widerlingen beglotzt wird oder sie den Spieß umdreht und handwerklich sehr deftig zur Tat schreitet. Es sind auch die kleinen schizoiden Zwischentöne, die ihren eigenen liminalen Zustand unterstreichen, wenn sie also eine völlig andere Wahrnehmung der Realität hat und denkt, dass sie mit einem Schraubenzieher auf ein Kissen, statt einen Lüstling, einsticht.
Sicherlich haben wir es hier mit keinem Meisterwerk zu tun, aber wie so oft, hier stimmt das Paket. Durch den kleinen Mikrokosmos, der mit der Doku, dem Audiokommentar oder den Trailern geschaffen wird, ist es ein Erlebnis, diesen Film zu sichten und sich weiter mit den Themen zu beschäftigen.
Eine tolle Veröffentlichung, an der es nichts zu meckern gibt. Daumen hoch!
Kiffende Stripperinnen