Montag, 11. Juni 2012

Zombiebunker Podcast #7

Heute geht es um die Entstehungsgeschichte des Zombiefilms.
Über White Zombie (1932) und I Walked With A Zombie (1943) werden die Ursprünge beleuchtet und die Werke "Night Of The Living Dead" (1968), Dawn Of The Dead (1978) und Day Of The Dead (1985) von Romero vorgestellt.  Viel Spaß beim Lauschen!
Der Link zum anhören ist hier.
Falls der Link nicht mehr funktionieren sollte, gibt es auf Soundcloud eine Alternative, um den Podcast herunterzuladen.

Dienstag, 5. Juni 2012

Assault On Precinct 13 (Anschlag bei Nacht - 1976)

Blauscheibennachwuchs im Klassikerbereich. Es ist ein Carpenter geworden und was für einer!
Den Film selbst hab ich natürlich komplett verpennt und bin daher überglücklich, dass er wieder aufgelegt wurde und das in einer außergewöhnlichen Qualität.
Was zunächst besonders ins Auge sticht, ist, dass der Streifen eine sehr günstige Produktion war. Es ist aber auch erst seine zweite Spielfilmarbeit, die ein Budget von ungefähr 100.000 $ hatte, während sein neuestes Werk, "The Ward" (2010), locker das 100-fache an Produktionskosten auf die Waage bringt. Das macht aber gar nichts, denn objektiv betrachtet ist "Assault On Precinct 13" auch 100 Mal besser als "The Ward".
Aber weshalb ist das nun so? Weil alles Alte generell einen anderen Charme hat oder weil "Assault" seinerzeit allen Filmen einfach unglaublich weit voraus war und "The Ward" heutzutage eher generisch und beliebig wirkt?
Die ethnisch diverse Gang
Vermutlich kann man diesen Film aus heutiger Sicht als relativ schnarchig und langatmig empfinden. Das wäre sogar eine sehr legitime Auffassung. Mangels Geld wurden hier viele Einstellungen einfach laufen gelassen, es gab wenig Filmmaterial, also auch wenig Schnitte und Einstellungen.
Aber gerade diese gemütliche Art und Weise erinnert an die stellenweise in epischer Breite zelebrierten Szenen aus Western. Und in vielen Momenten ist "Assault" nichts anderes als ein moderner Western.
Es geht um eine fast völlig ausgestorbene Gegend. Marodierende Gangs stromern durch die Gassen, die Polizeistation soll geschlossen werden und in der Eingangssequenz sehen wir auch schon den Stein des Anstoßes: Gangmitglieder werden von Polizisten regelrecht hingerichtet.
Wir verfolgen weiter den Alltag eines Streifenpolizisten, der später die Stellung in der geschlossenen Wache halten soll. Neben ihm werden sich noch ein paar Knasties und ein nervlich zerstörter Vater dort einfinden.
Und dann beginnt auch schon die Belagerung und die Essenz des Filmes ist wiedergegeben.
Klingt nicht sonderlich spannend? Aber ist Mitte der 70er genau das, was eine Serie wie das A-Team, zwar in weniger brutaler Art und Weise, auf endlos viele TV-Episoden ausgewälzt hat.
Snake Plisskens Vorgänger
Carpenter gehört sicherlich zu den am meisten unterschätzten Regisseuren. Ganz oft sieht man einen Film, speichert ihn ab und wenn man es nicht mitbekommt, erkennt man erst viel später, dass man grade einen Carpenter gesehen hat. Aber dann trifft es einen auch mit aller Härte, denn Carpenter ist einer Meister seines Faches, auch wenn er in vielen verschiedenen Genres gewildert hat.
Mit "Assault" hat er das 70er-Jahre-Exploitationactionkino angepackt, aber im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen ein durchaus anspruchsvolles und für spätere Streifen archetypisches Werk vorgelegt.
Es fängt mit der Figurenkonstellation an. Ethan Bishop, der Blaupausencop voller Ideale wird mit einer völlig außergewöhnlichen Situation konfrontiert, die alle involvierten Menschen verändert. Auf der anderen Seite der Häftling Napoleon Wilson, der irgendwie sympathisch rüberkommt, unglaublich coole Sprüche bringt  und irgendwie ein Vorläufer von Snake Plissken ist. Als weibliche Hauptrolle agiert Laurie Zimmer als Leigh, die trotz brenzliger Situation einen kühlen Kopf bewahrt und über ihre eigenen Verhältnisse hinauswächst. 
Diese Frau ist BADASS AS FUCK! Na ja, und genau das Gegenteil, der Familienvater, der seine Tochter verliert, sich an ihrem Mörder rächt und danach, wie in einem klassischen Stück, die Funktion verloren hat und in den Hintergrund rückt. 
Hier als völlig gebrochener Mann, der nur noch in der Ecke sitzt, unfähig, sich für sein und das Leben der anderen Menschen einzusetzen. Außerdem liegt in seinem Auftreten einer der zentralen Grundkonflikte innerhalb des Films. Wie schon bei Thukydides und dem von ihm geschilderten Melierdialog, in dem die Insel Melos von den demokratischen Athenern belagert wird, um sich ihrem attischen Seebund anzuschließen, damit sie nicht zu den Spartanern überlaufen, wird hier die zentrale Frage nach Vernunft und Macht gestellt. Bei Carpenter ist es der Vater, der mit dem Mord am Gangmitlied den Kleinkrieg ausgelöst hat und von einigen einfach ausgeliefert werden soll, während Thukydides den Machtrealismus der übermütigen Athener zeigt und die scheinbar irrationale Entscheidung der Führungsriege der Melier, sich eben nicht zu ergeben und damit die gesamte Insel zum Tode zu verdammen.
Beide Situationen sind ganz unverkennbar Dilemmata und doch wird auf beiden Seite gegen die Vernunft gehandelt. Die Melier behalten sich ihren Stolz und kapitulieren nicht. Bishop liefert den gefallen Vater nicht aus, um die drohende Gefahr von allen Unbeteiligten abzuwenden.
Nun ist es sicherlich so, dass den Figuren in Carpenters Film ein wesentlich angenehmeres Schicksal als den Meliern zuteil wurde. Trotzdem zeigt diese Analogie, wie tief hier in gesellschaftliche Probleme eingedrungen wird und das, obwohl wir einen absolut billigen Actionfilm sehen.
Dieses antike Verständnis gepaart mit den Westernanleihen lassen den Film antiquiert und modern zugleich wirken.
Sieht aus wie eine Symbiose aus Mark Wahlberg und Uwe Boll
In gewisser Hinsicht ist er eine perfekte Synthese Hegelscher Tradition und bleibt auf der anderen Seite trotzdem ein dreckiger, hingerotzter Actioner, den man auch als "no brainer" wegkonsumieren könnte. Aber gerade dieser Facettenreichtum macht "Assault" zu einem ganz außergewöhnlichen Filmerlebnis, weil er nüchtern die Realtität schildert, Zeit zum Nachdenken gibt, aber auch auf einer gänzlich profanen Ebene schlicht unterhält.
Und hab ich schon vom Soundtrack geschwärmt? Nein? Schon allein deshalb lohnt sich der Film! Auch wenn musikalische Begleitung über die gesamte Länge doch recht dezent eingesetzt wird, rockt das Maintheme dermaßen, dass ich es mir auf der Stelle zum Klingelton machen möchte. Einfach kraftvolle Melodien, die der Carpenter da komponierte und die auch noch in vielen späteren Songs verwurstet wurden (zuletzt mir im Gedächtnis von Vektor mit dem Song "Destroying the Cosmos").
Die Umsetzung von Capelight ist sicherlich vorbildlich. Neben dem sehr informativen Audiokommentar vom Meister selbst gibt es noch ein Interview sowie die zeitgenössische Dokumentation "Do you remember Laurie Zimmer?", die ich aus Zeitgründen noch nicht komplett bestaunen durfte, die aber in den ersten Minuten sehr interessante Bilder der Zeit zeichnet, die starke Figur der Leigh unterstreicht und deren Bedeutung für die amerikanische Frauenbewegung deutlich macht.
Zerrockte Polizeiwache
Die Bildqualität ist herausragend und für einen Film von 1976 vorbildlich auf BluRay zugänglich gemacht. Es macht einfach Spaß, sich die Kamerafahrten oder stimmungsvollen Blickwinkel in HD anzuschauen. Allein die Fahrt, als bei der Karre der Gang langsam die Scheibe heruntergekurbelt wird und der Lauf der Waffe sich aus dem Gefährt schiebt. Oder aber die Einstellung, in der das kleine Mädchen einfach so umgenietet wird.
Außerdem gibt es zum Film ein wundervolles Mediabook mit toller Gestaltung und einem dicken Booklet. Hier finden sich sogar Angaben über die Restaurationsarbeiten, aber auch Aushangfotos und Plakate des Films.
Ein wirklich wundervolles Paket, das für einen sehr fairen Preis angeboten wird und von jedem Freund des Actionkinos beachtet werden sollte.
Auf der einen Seite bietet der Streifen blanke Schauwerte, Gewalt, Action, aber auch langsame, epischere Einstellungen und nicht zuletzt lässt Carpenter Situationen entstehen, die zum drüber Sinnieren einladen.
Ich bin jedenfalls komplett begeistert, hab ihn mittlerweile schon zwei Mal geschaut und bermerke erneut, dass Filme nicht länger als 90 Minuten gehen müssen.

Die bezaubernde Laurie Zimmer