Donnerstag, 17. Januar 2013

Django Unchained (2013)

Kicking off the year with something special!
Ein neuer Tarantino steht auf dem Speiseplan und er ist dieses Mal im Setting eines traditionellen Italo-Western gehalten!
Ich werde mich in dieser Besprechung zunächst allgemein zum Film äußern und im zweiten Teil mit Spoilerwarnung auf die inhaltliche Seite eingehen.
Lohnt sich der Film? Auf jeden Fall! Und es ist irgendwie beunruhigend, dass Tarantino nicht einen wirklich schlechten oder wenigstens mittelmäßigen Film inszeniert hat, und obwohl er sich eigentlich mit seinem Stil an ein tendenziell nerdiges Publikum richtet, kommerziellen Erfolg hat.
Die Winningstreak hält also an und das ist auch ein Verdienst von Christoph Waltz, der als Dr. King Schultz seine eingefleischte Paraderolle eines wahnsinnig smarten Genies spielt, jedoch in seiner positiven Ausprägung. Jamie Foxx geht da als eigentlicher Hauptcharakter schon fast unter, weil Waltz einfach funkelt wie ein Diamant.
"Django Unchained" (2013) ist vielleicht der lustigste Film, den Tarantino gedreht hat. Es gibt haufenweise komische Szenen, die zum Teil sogar in Slapstick abgleiten, aber trotzdem den Spagat zur eigentlich ernsten Thematik der Sklaven schaffen. Das fängt bei einer urkomischen Szene von reitenden Rassisten an und geht über die irrwitzig inszenierte Blutfontänen.
Womit wir beim zweiten Punkt wären: der Gewalt. Diese wird in "Django Unchained" auf 2 unterschiedlichen Ebenen dargstellt. Zum einen haben wir die comichafte und völlig überzeichnete Spaßschießerei. In durch und durchkoreographierten Shootings werden auf der großen Kinoleinwand Blutsalven durch die Gegend geschleudert, so dass sich das Publikum in punkto Schauwerte bestens unterhalten und möglicherweise auch amüsiert fühlt. Es ist schon ein großer "Fuck Yeah" Moment, als zur Tat geschritten wird! 
Aber dann gibt es auch die wirklich harten Szenen, die weniger überzeichnet und aber auch weniger explizit dargestellt werden. Dadurch wird das Leid, das den Skalven zugefügt wurde viel realistischer und ganz stark in Abgrenzung zur Comicgewalt dargestellt. Diesen Balanceakt, zwischen Humor und Ernsthaftigkeit hat man bei Tarantino schon früher beobachten können, aber mit der Thematik des Rassismus gegen Sklaven schafft er es meiner Meinung nach noch stärker. So gibt es beispielsweise im Kontext der Zeit viele rassistische Sprüche, über die man zum Teil sogar lacht, nur damit einem in der Folgeszene das Lachen im Hals stecken bleibt. Diese Ambiguität bleibt auch bis zum Schluss erhalten. Man soll lachen, aber man soll auch darüber nachdenken worüber man da eigentlich lacht. Die Szenen bleiben wegen der Situationskomik lustig und nicht, weil sie rassistisch sind. Das ist schon eine wirklich krasse Gradwanderung, die Tarantino vollzieht.
Was uns wiederum zum dritten Punkt bringt. "Django Unchained" ist vielleicht auch Tarantinos ernsthaftester Film. 
Der Sklavenhandel und der allgegenwärtige Rassismus im Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zwar schon in vielen Filmen dargestellt, aber Tarantino zeigt in seinem Film noch eine ganz andere Seite. Nämlich den Rassismus der Sklaven, die sich in diesem System etabliert haben und diese abscheuliche Hierarchie und Menschendominanz weiter nach unten durchdrücken. Ich hätte niemals erwartet, dass man eine derart reflektierte Sicht mit einem so heiklen Thema in einem Tarantino findet. 
Das liegt aber auch an den wirklich großartigen Darstellern, die ihre Rollen perfekt verkörpern. DiCaprio als schmieriger Großgrundbesitzer Calvin Candy, der zu seiner Belustigung gladiatorenartige Kämpfe zwischen Sklaven ausrichten lässt, aber auch Jamie Foxx, der zunächst als einfacher Mann dargestellt wird, aber im Lauf des gesamten Filmes eine stetige Entwicklung durchmacht, bis er der fucking Badass ist, der im Showdown regiert. Ebenfalls sehr interessant, wird der Charakter des Steven von Samuel Jackson dargestellt, der eine ganz eigene Note Rassismus zum Geschehen beiträgt.
Der Film ist wundervoll inszeniert mit tollen Kulissen und wirklich schönen Landschaftsaufnahmen, die dadurch stark im Kontrast zur Gewalt stehen. Allein die erste Szene, als ein Trupp von Sklavenhändlern durch ein Waldstück reitet, ist so wundervoll ausgleuchtet. Der Mittelgang ist hell erleuchtet und auch die Baumkronen sind sichtbar. Das im Kino sehen und auch als Einstieg in den Film,  ist schon ziemlich cool!
Wer auf ein Actionspektakel mit einer zwar nicht besonders innovativen Geschichte, dafür aber brillianten Dialogen und toll inszenierten Szenen Bock hat, der wird viel Spaß mit Django haben. Zudem gibt es viele Momente im Streifen selbst, die einem zum Nachdenken anregen. Von mir eine klare Empfehlung. Unglaublicher starker Film bereits zu Beginn des Jahres. 

---ACHTUNG SPOILER---
Wirklich großartig ist in diesem Zusammenhang die gesamte Figurenkonstellation. Da haben wir Dr. King Schultz und Django als Duo und auf der anderen Seite Calvin Candy und Steven.
Während King Schultz zunächst als der übersmarte, alles voraussehende Kopfgeldjäger dargestellt wird und Django der emotionsgeleitete Sklave, der nach seiner Frau sucht, wandelt sich dieses Bild im Laufe des Films. Spätestens als sie auf der Candylandranch ankommen und Schultz, der sehr humanistisch eingestellt ist, fast die Maskerade auffliegen lässt, weil er einen Sklaven retten will und Django das Opfer in Kauf nimmt, damit sie ihren Plan weiterverfolgen können, ist der Punkt erreicht, an dem sich das Verhältnis gewandelt hat. Ultimativ passiert der Rollenwechsel dann im ersten Showdown, als Schultz Calvin erschießt, sich entschuldigt, selbst erschossen wird und somit die Bühne für Django frei macht. Dieser kann sich nun an den eigentlichen Oberbosewicht Steven wenden. Wieso ist er eigentlich der Oberbösewicht, obwohl er doch selbst nur ein Sklave ist?
Zunächst gibt es hier ein wunderbar inszeniertest reziprokes Verhältnis zwischen Steven und Candy. Diese bewegen sich weitestgehend auf gleicher Augenhöhe und im finalen Dialog der beiden, sagt Steven Candy sogar was er zu tun hat. Er ist der Schwarze, der die Geschicke der Ranch leitet und den manifesten Rassismus weitertreibt. Er lässt die Bediensteten in dem Loch schmoren und kümmert sich um das Tagesgeschäft. Dadurch, dass hier ein schwarzer Sklave selbst Teil des Rassismus ist, wird das ganze perfide System konterkariert und die absurde Idiologie, die ihm immanent ist, verdeutlicht. 
Auch in der letzten Szene, als der alte Mann seinen Stock wegwirft und aufrecht sein Ich der Macht zeigt, wird dieser Moment auch noch viel ausdrucksstärker. Denn er ist der Typ, der das System am Laufen hält!
Natürlich wird das alles von typischen Tarantinosprüchen begleitet und erhält damit immer einen leicht komischen Beigeschmack, aber trotzdem bleibt der Film ernsthaft genug.
Der einzige wirklich unrunde Aspekt, ist die Szene, in der Tarantino selbst einen Auftritt hat. Auf dem Transport explodiert er und hat vorher einen seltsamen Dialog. Überhaupt wirkt er so, als würde er eigentlich nicht im Djangouniversum existieren. Aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen, denn wirklich alles was davor und danach passiert, ist großartig.
Die Story ist vielleicht nicht besonders innovativ, aber die Art und Weise, wie sich die Figuren entwickeln und sich in den Dialogen darstellen, ist meisterhaft. Mit 165 Minuten hat "Django Unchained" eine stattliche Lauftzeit, allerdings wird man über die volle Länger sehr gut unterhalten, so dass ich mir auch gern noch ein paar weitere Szenen in den Film gewünscht hatte, die die Situation im Herrenhaus noch etwas deutlicher unterstreichen würden.
Der Deal, den Django und Schultz machen, kommt vielleicht nicht zu 100% beim Zuschauer an. Denn als sie auffliegen, erhalten sie das gleiche Angebot für den Sklaven, wie für den Mandingo, den sie zunächst vorgeben kaufen zu wollen. Allerdings hatten sie selbst niemals die Absicht gehabt, die volle Summe zu bezahlen, da sie mit dem Mädel abhauen wollte, unter dem Vorschein in 5 Tagen mit dem Anwalt zu kommen und den Deal unter Dach und Fach zu bringen. Tatsächlich wären sie aber niemals wieder dort aufgetaucht. Diese Gambleaspekt zwischen Schultz und Candy, der als jovialer und gelangweilter Machtmensch auftritt, kommt vielleicht nicht so wirklich zum Ausdruck.
Das sind aber alles eher Kritikpunkte, die sich auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Der Film bleibt meiner Meinung trotzdem stringent und logisch erzählt. 
Klasse Streifen. Muss ich mir noch einmal anschauen. Achja, Zoë Bell hat auch einen sehr kurzen Auftritt, wer hat sie erkannt und etliche andere (Savani, Nero etc.). 
Aber auch das gehört zu einem Tarantino. 
Schaubefehl!